Fremdenfeindlichkeit auf der Insel : Keitum: Sylter Asylanten nicht erwünscht

'Dieser Ausländerfeindlichkeit muss man entschieden entgegentreten', sagt Bürgermeisterin Petra Reiber. Foto: syr
"Dieser Ausländerfeindlichkeit muss man entschieden entgegentreten", sagt Bürgermeisterin Petra Reiber. Foto: syr

In Keitum auf Sylt wettern Anwohner gegen Asylanten. Diese Fremdenfeindlichkeit will Bürgermeisterin Petra Reiber nicht hinnehmen: "Ich dachte, wir wären weiter".

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24. Juni 2013, 06:59 Uhr

Sylt | Die ersten SMS kamen nachts um 0.30 Uhr. Inka Ankiz glaubte erst an einen dummen Streich. Doch die Kurztexte, die der jungen Sylterin in den Posteingang ihres Handy gespült wurden, waren eindeutige Drohungen: "Die meisten Textnachrichten waren persönlich und immer wieder wurde darin die Frage gestellt wie konntest du das nur machen?" Aber was hatte Ankiz schlimmes verbrochen? Sie hatte Teile ihres Hauses in der Keitumer Süderstraße 44 neu vermietet - auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches. Doch der Mieter war die Gemeinde, die dort sechs Asylbewerber unterbrachte. Offenbar war das für viele Anwohner zu viel der Nächstenliebe: "Die SMS wurden alle mit den Nummern der Absender versandt - ich kenne diese Menschen, sie sind meine Nachbarn."
Diesen Anflug von Fremdenfeindlichkeit will Bürgermeisterin Petra Reiber nicht hinnehmen: "Ich habe immer gedacht, wir wären schon weiter. Dieser Ausländerfeindlichkeit muss man entschieden entgegentreten", machte die Juristin unumwunden klar.

"Teilweise sind sie traumatisiert"

Momentan leben 18 Asylbewerber auf der Insel. Sie sind auch auf dem Fliegerhorst oder auch in List untergebracht. In der Zusammensetzung der vertretenen Nationen spiegeln sich die Konfliktherde dieser Welt: So sind es zum Beispiel Afghanen, Syrer oder Iraner, die auf der Nordseeinsel nach meist langer und gefährlicher Flucht einen sicheren Hafen suchen. Jürgen Ebert vom Außendienst des Ordnungsamtes ist dann der erste, der die Heimatlosen am Bahnhof abholt, ihnen über die Hürden deutscher Bürokratie hinweg hilft und den Asylanten schließlich das Leben auf Sylt näher bringt: "Teilweise sind sie traumatisiert und sprechen nur sehr wenig Deutsch."
Nach der Erfahrung Eberts seien die Asylanten aber keineswegs resigniert. "Sie wollen die Sprache lernen und vor allen Dingen - sie wollen arbeiten."Die Anzahl derer, die in Deutschland Asyl beantragt haben (19 086), ist im Verhältnis zu 2012 um 50 Prozent gestiegen. Auch Sylt bekommt das zu spüren: "Es werden noch 12 weitere Antragsteller kommen", sagte Gabriele Gotthardt, Leiterin des Ordnungsamtes. Alle Initiativen, die den Asylsuchenden helfen können, seien ausdrücklich erwünscht.

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