Keitum: Integration per Fußballturnier

Die Spieler des Gastfreundschaftsspiels in Keitum und Bürgermeisterin Petra Reiber, die das Spiel eröffnete.  Foto: Fotos: Reußner
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Die Spieler des Gastfreundschaftsspiels in Keitum und Bürgermeisterin Petra Reiber, die das Spiel eröffnete. Foto: Fotos: Reußner

Peter Klints spontan organisiertes Gastfreundschaftsspiel mit Syltern und Asylbewerbern lockte weit über 100 Menschen auf den Sportplatz

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28. Juni 2013, 03:59 Uhr

Keitum | Solidarität bewiesen: Nach dem spontan organisierten Gastfreundschaftsspiel auf dem Sportplatz der Dänischen Schule in Keitum zeigen sich Organisatoren und Besucher mit dem Erfolg der Aktion zufrieden. Weit über hundert Sylter waren trotz stürmischem Wetter gekommen, um gemeinsam mit den Keitumer Asylbewerbern Fußball zu spielen oder die Spieler anzufeuern. "Das Erfolgsrezept, den Rechtsaußen ins Abseits laufen zu lassen, ging wunderbar auf", schrieb Organisator Peter Klint am kommenden Tag auf seiner Facebookseite.

Hintergrund der Aktion: Nachdem Inka Ankiz ihr Haus in der Süderstraße der Gemeinde Sylt vermietet hatte, die dort sechs Asylbewerber unterbrachte, bekam die 31-Jährige verärgerte SMS von Keitumer Nachbarn. Um gegen diese Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen, hatte Klint das Gastfreundschaftsspiel am Mittwochabend organisiert (die Sylter Rundschau berichtete).

Initiator für die Idee, gemeinsam Fußball zu spielen, war Mohammed Usmas Soltani. Der Asylbewerber aus Afghanistan hatte in einem Zeitungsartikel den Wunsch geäußert, gemeinsam mit Syltern zu kicken. In den acht Monaten, die er nun auf Sylt lebt, hatte er bisher nicht viel Kontakt zu den Insulanern, erzählt der 20-Jährige in fließendem Englisch. Doch nachdem die Situation der Asylbewerber in verschiedenen Medien auf der Insel aufgegriffen worden ist, hätten nun mehrere Sylter bei ihm und den fünf anderen Asylbewerbern vorbei geschaut. Darüber, und über das Gastfreundschaftsspiel freut sich Mohammed Usmas Soltani, der von Kindheit an kickt und am Mittwochabend für seine Mannschaft auch gleich drei von sieben Toren schoss: "Ich finde es schön, neue Leute kennen zu lernen."

Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, lobte das schnelle Engagement der Sylter: "Absolut genial, dass das Spiel so spontan auf die Beine gestellt wurde." Über die negativen Reaktionen aus der Süderstraße kann sie weiterhin nur den Kopf schütteln: "Es ist doch nichts Neues, dass wir auf der Insel ausländische Mitbürger haben - und es ist doch eine Bereicherung." Viele der Asylbewerber hätten Schlimmes durchgemacht, "da täte es den Syltern gut, sich mal in deren Lage hinein zu versetzen. So satt, wie wir hier alle sind."

Die Keitumer, die zum Fußballspiel gekommen waren, um ihre Solidarität zu zeigen, konnten der Bürgermeisterin darin zustimmen. Jens Mungard, der selbst in der Keitumer Süderstraße lebt, wollte mit seinem Besuch des Sportplatzes "Flagge zeigen": "Es hat mich verärgert, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass sich Leute heutzutage noch so benehmen." Dass das beileibe nicht alle Insulaner sind, hat der Mittwochabend deutlich gezeigt.

Wer den Asylbewerbern mit Sachspenden helfen möchte, kann sich gern an Peter Klint (04651/8897904) wenden.

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