Interview zum "Wonnemeyer-Streit" auf Sylt : „Keine weiteren Verhandlungen“

Tourismusdirektor Henning Sieverts.
Foto:
1 von 1
Tourismusdirektor Henning Sieverts.

Interview mit Henning Sieverts, dem Tourismusdirektor von Wenningstedt-Braderup, zur aktuellen Entwicklung des Streits um das Strandrestaurant „Wonnemeyer“.

von
02. Januar 2018, 18:54 Uhr

Herr Sieverts, warum wurde für Mitte 2017 zunächst eine öffentliche Ausschreibung für das Objekt „Wonnemeyer am Strand“ angekündigt, dann aber doch mit Pächter Rüdiger Meyer über eine „ausschreibungsfreie“ Verlängerung verhandelt?
Dabei handelte es sich um ein Entgegenkommen unsererseits gegenüber Herrn Meyer. Zum Hintergrund: Bei einer Begehung der Podestanlage Ende 2016 stellte sich heraus, dass der bauliche Zustand des südlichen Podestteils derart schlecht war und bis heute ist, dass die Anlage so nicht mehr lange nutzbar sein würde. Ein fairer Wettbewerb schloss sich unter diesen baulichen Bedingungen schlicht und ergreifend aus. Denn: Wir hätten das Podest für den Wettbewerb selbst erneuern müssen, dazu hätte Herr Meyer aber den Betrieb einstellen müssen. Zweite Möglichkeit: Wir hätten den anderen Bewerbern die Übernahme in dem maroden Zustand einschließlich der Baulichkeiten von Herrn Meyer mit anschließender Erneuerung des südlichen Podestteils anbieten müssen, um gleiche Bedingungen zu schaffen. Hierzu konnten wir mit Herrn Meyer jedoch keine Einigung erzielen.

Weil Herr Meyer aber seine grundsätzliche Bereitschaft zur Erneuerung des südlichen Podestteils erklärt hat, haben wir unter dieser Bedingung bei Beibehaltung der niedrigen Pacht (1925 Euro netto pro Monat) eine Verlängerung für die nächsten vier Jahre vorgeschlagen. Die Laufzeit sollte dabei auf eine, nach uns vorliegender juristischer Einschätzung maximal noch ohne Wettbewerb vertretbare Dauer von vier Jahren verlängert werden. Der Wettbewerb hätte dann in vier Jahren zu für alle Bewerbern fairen und vergleichbaren Bedingungen stattfinden können.

Warum hat der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup (TSWB) lediglich vier Jahre Verlängerung angeboten, gleichzeitig aber hohe Investitionen vom Pächter für die Sanierung der Podestanlage gefordert?
Die vierjährige Laufzeit begründet sich wie gesagt darin, dass nach juristischer Beratung eine noch weitergehende Verlängerung des Pachtverhältnisses ohne Wettbewerb problematisch gewesen wäre. Der Grund für die niedrige Pacht im bestehenden Pachtvertrag war, dass der Pächter für die Instandhaltung der Podestanlage verantwortlich ist. Herr Meyer hätte entsprechend für die notwendigen Erneuerungen über die Jahre ausreichend Rücklagen aufbauen können. Der TSWB hat nach dem Sturmschaden 2014 Herrn Meyer dennoch ohne bestehende Verpflichtung aus dem Vertrag eine Erstattung von 11/15 der nachgewiesenen Reparaturkosten bei Ende des Pachtvertrages zugesichert und hätte auch noch entsprechend 7/15 dieser Kosten nach Ablauf der vier Jahre Vertragsverlängerung an Herrn Meyer gezahlt für den Fall, dass er in dem dann angedachten Wettbewerbsverfahren nicht gewonnen hätte. In absoluten Zahlen reden wir hier über 172.000 Euro beziehungsweise 110.000 Euro in vier Jahren.

Die von Herrn Meyer wiederholt für die geforderte Erneuerung des südlichen Podestteils genannte Investitionssumme von 400 000 Euro entspricht nicht der dem TSWB vorgelegten Kostenschätzung des von Herrn Meyer beauftragten Ingenieurbüros Volquardsen. Diese beläuft sich auf 270.000 Euro netto für die Erneuerung mit Stahlbohrpfählen analog zur Erneuerung des nördlichen Podestteils. Eine Nachfrage bei Herrn Günter Volquardsen vom heutigen Tage hierzu hat ausdrücklich bestätigt, dass diese Zahl immer noch aktuell ist und auch bereits die Planungskosten beinhaltet. Es ergibt sich hieraus für den Fall, dass Herr Meyer in vier Jahren keine weitere Verlängerung des Pachtverhältnisses im Rahmen des vorgesehenen Wettbewerbsverfahrens bekommen hätte, eine tatsächliche finanzielle Belastung in Höhe von zirka 160.000 Euro, mithin 40.000 Euro pro Jahr über die angedachte Dauer der Vertragsverlängerung von vier Jahren. Ein weiteres wirtschaftliches Entgegenkommen zugunsten von Herrn Meyer ist aus Sicht des TSWB anderen Pächtern, aber auch Wettbewerbern in der Gastronomie gegenüber nicht vertretbar.

Spielt bei der nur vierjährigen Verlängerung für „Wonnemeyer“ eine Rolle, dass es seitens des TSWB künftig andere Pläne für den Standort gibt oder liegen sogar Pachtangebote anderer Interessenten vor?
Nein. Es wird auf jeden Fall wieder einer Strandgastronomie an dem Standort geben. Es lagen bisher keine Pachtangebote anderer Interessenten vor, jedoch erhalten wir jetzt aufgrund der öffentlichen Berichterstattung bereits erste Anfragen und Interessensbekundungen sowohl für die Interimslösung im Sommer als auch im Hinblick auf den künftigen Wettbewerb.

Halten Sie es angesichts der jüngsten Entwicklung für völlig ausgeschlossen, erneut mit „Wonnemeyer“ zu verhandeln? Der jetzige Pächter hofft ja noch immer auf eine einvernehmliche Lösung mit TSWB und Gemeinde und hat seinerseits eine „angemessene Erhöhung der Pachtgebühr“ angeboten …
Bis zum 21.12.2017 bestand Einvernehmen über die Bedingungen zu einer Vertragsverlängerung über vier Jahre mit Herrn Meyer. Davon hat Herr Meyer sich dann überraschend gelöst. Die im Weiteren von ihm mit dem Ziel eines für ihn besseren Verhandlungsergebnisses angekündigte und nun durchgeführte Öffentlichkeitskampagne ist sicher keine vertrauensbildende Maßnahme. Ein solches Vorgehen ist aus unserer Sicht nicht dazu angetan, eine andere Lösung zu finden oder überhaupt weiter zusammenzuarbeiten. Also: Nein, es wird es keine weiteren Verhandlungen geben.

Sie sind ja nicht nur Tourismusdirektor, sondern auch Vorsitzender des Strategiekreises der Sylt Marketing GmbH (SMG). Befürchten Sie nicht, dass durch den öffentlich ausgetragenen Streit um „Wonnemeyer“ und die Schließung einer weiteren gastronomischen „Sylter Institution“ das touristische Image des Familienbads Wenningstedt, ja sogar der gesamten Insel, Schaden nimmt?
Es ist nicht unser Stil, Vertragsverhandlungen über die Öffentlichkeit zu führen. Diesen Weg versucht uns Herr Meyer gerade aufzuzwingen. Wir können seine Vorwürfe natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Niemand von uns wünscht sich solche Diskussionen in der Öffentlichkeit und ich halte es für wenig verantwortungsvoll von Herrn Meyer, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Die Tatsachen sprechen jedoch für sich und auch eine noch so emotional geführte öffentliche Argumentation wird sich gegenüber den Fakten nicht plötzlich als richtig erweisen. Und nochmal: Wir wollten, dass es die nächsten vier Jahre mit Wonnemeyer bei uns am Strand weitergeht, und sind bis zum 21.12.2017 davon ausgegangen. Auch in unserem eigenen Magazin, das letzte Woche erschienen ist, berichten wir in gutem Glauben genau das. Die Frage ist also: Was ist hier die Story? Ist es wirklich der TSWB, der hier die Schließung einer weiteren gastronomischen Sylter Institution verschuldet hat, oder pokert hier ein Pächter, um in der letzten Minute über eine Öffentlichkeitskampagne noch einen besseren Deal zu bekommen?

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen