Openair auf Sylt : Kein Typ für fette Goldketten

Felix Jaehn
Felix Jaehn

Im Interview erzählt DJ Felix Jaehn, warum er sich auf seinen ersten Besuch auf Sylt freut

shz.de von
24. Juli 2018, 05:30 Uhr

Obwohl Felix Jaehn (23) ein erfolgreicher DJ und Produzent ist, hat er nie die Bodenhaftung verloren. Beim Interview im Berliner Büro seiner Plattenfirma trägt der gebürtige Hamburger einen schlichten Pullover zur Jeans. Fette Goldketten? Braucht er nicht. Innerhalb von Sekunden schafft er es mit seiner Natürlichkeit, eine angenehme Gesprächsatmosphäre herzustellen.

Ist Sylt für einen DJ die perfekte Partyinsel?

Ich war noch nie auf Sylt und kenne den Vibe der Insel nur aus Erzählungen. Deshalb freue ich mich, dass ich jetzt endlich mal dort sein werde. Neben wunderschönen breiten Stränden scheint Sylt auf jeden Fall für krasse Partys bekannt zu sein. Da die Sylter Show meine einzige an dem Wochenende ist, versuche ich die Chance zu nutzen und gleich ein paar Tage auf der Insel zu bleiben.

Was können Ihre Fans auf Sylt erwarten?

Natürlich habe ich mein Album „I“ dabei, das gibt es mittlerweile auch in einer geremixten Version. Ganz viele befreundete Produzenten haben die Remixe kreiert, die mittlerweile ein fester Bestandteil meines Live-Sets sind. Außerdem bringe ich noch zwei Support-Acts mit: Artenvielfalt aus Lübeck und Adam Trigger aus Frankreich. Es lohnt sich also, früh da zu sein.

Angefangen hat Ihre Karriere aber in Lübeck ...

Meine ersten kleinen Club-Gigs als DJ habe ich auf dem Riverboat oder im Parkhaus in Lübeck gespielt. Ich legte aber genauso in der Kieler Pumpe oder im Zenit in Schwerin auf. Im Grunde war ich in der gesamten norddeutschen Region unterwegs.

In die Riege der Stars hat Sie 2015 Ihr Nummer-eins-Hit „Cheerleader“ katapultiert. Wie sind Sie mit dem Erfolg umgegangen?

Klar habe ich gedacht: Wow, der Wahnsinn! Doch der Hype hat mich nicht grundlegend verändert. Ich war immer der bodenständige Typ – und werde es hoffentlich auch bleiben.

Zumindest wohnen Sie nach wie vor in dem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, in dem Sie aufgewachsen sind.

Das ist meine Heimat, ich bin total gerne dort. Nach dem Tournee-Trubel genieße ich es einfach, zuhause zu sein, wo nichts los ist.

Vermissen Sie daheim das Nachtleben gar nicht?

Von Natur aus bin ich nicht unbedingt ein Nachtmensch. Ich brauche eigentlich viel Schlaf. Wenn ich im Sommer manchmal zwei, drei Gigs pro Tag habe, ist das echt krass. Nachts um drei stehe ich im Club. Am nächsten Morgen startet mein Flug um acht, weil ich mittags bei einem Festival auftrete. Und von dort geht es direkt weiter zum nächsten Club. Da merke ich dann schon, dass ich müde werde. Manchmal signalisiert mir mein Körper: Fahr’ mal einen Gang runter!

Das dürfen Sie sich als DJ aber nicht anmerken lassen.

Ich muss die Leute bei Laune halten – egal, ob mich Kopfschmerzen plagen, ich einen schlechten Tag habe oder gestresst bin. Wichtig ist, dass ich in den Performance-Modus komme und alles andere ausblende. Für die Menschen, die sich ein Ticket gekauft haben und sich riesig auf meinen Auftritt freuen, möchte ich natürlich die bestmögliche Show liefern, solange das gesundheitlich möglich ist.

Mit „I“ haben Sie vor ein paar Monaten Ihr Debütalbum veröffentlicht. Wie würden Sie den typischen Felix-Jaehn-Sound beschreiben?

Was sich durch all meine Songs zieht, ist ein positiver energetischer Vibe. Meine Stücke erzählen tendenziell keine traurigen Geschichten. Was die Produktion angeht, lege ich mich ungern auf einen bestimmten Sound fest. Es gibt aber sicher Instrumente wie Marimba und Blechbläser oder Drum-Samples, die sich immer mal wieder in verschiedenen Songs finden lassen.

Warum haben Sie auf Ihrer CD sowohl mit etablierten Sängern als auch mit Nachwuchstalenten gearbeitet?

Mir geht es immer darum, die richtige Stimme für ein Lied zu finden. Manchmal passen eben Herbert Grönemeyer oder Gucci Mane zu einer Nummer, manchmal ein Newcomer. Es reizt mich auf jeden Fall, jungen Künstlern eine Plattform zu bieten und ihnen dabei zu helfen, ihre Musik zu verbreiten.

Interview: Dagmar Leischow

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