Sylt-Stadion in Westerland : Kein Platz für Spiel und Sport

Etliche tiefe Löcher klaffen auf dem Rasenplatz, überall liegen weiße Möwenfedern.  Fotos: Julia Nieß
Etliche tiefe Löcher klaffen auf dem Rasenplatz, überall liegen weiße Möwenfedern. Fotos: Julia Nieß

TSV Westerland und Team Sylt haben den Sportbetrieb im Sylt-Stadion bis auf weiteres eingestellt.

shz.de von
19. Juli 2018, 05:30 Uhr

Dass das Sylt-Stadion einmal ein beliebtes und hochfrequentiertes Sportstadion war, lässt sich heute nur noch wage erahnen. Zwar meint man beim Betreten der verlassenen Anlage fast, dass die Jubelschreie vergangener Generationen noch nachhallen – doch heute entbrennt auf der großen Sportanlage gleich neben dem Aquarium in Westerland nur noch selten Beifall. Die Sportvereine TSV Westerland und Team Sylt haben den Sportbetrieb auf dem Platz sogar komplett eingestellt. „Ich habe keine andere Möglichkeit gesehen, es ist einfach zu gefährlich für die Sportler“, sagt Hans-Wilhelm Hansen, Vorsitzender des TSV.

Man muss sich auf der Anlage nur umgucken, um auf die Mängel aufmerksam zu werden: Auf der Tribüne werden die Steinplatten vom Unkraut hochgedrückt, in der Erde unter dem vertrockneten Rasen klaffen tiefe Kaninchenbau-Löcher und überall liegen weiße Möwenfedern. Wer in die Weitsprung-Grube springen will läuft sogar Gefahr, im Sand einzusacken, weil die Grube von den Karnickeln unterhöhlt wurde.

Stefan Reimer (li), Geschäftsführer des TSV Westerland und der Vorsitzende Hans-Wilhelm Hansen.
Julia Nieß
Stefan Reimer (li), Geschäftsführer des TSV Westerland und der Vorsitzende Hans-Wilhelm Hansen.

Genutzt wird der Platz von Zeit zu Zeit trotzdem: Über die Sommerferien trainieren zum Beispiel die Kinder der Fußballschule Michael Rummenigge auf einem Teil der Fläche. Um den Spielbetrieb möglich zu machen, haben sie kurzerhand selbst etliche der Löcher mit Erde zugeschüttet.

Das war aber nicht immer so: Es habe mal beim Bauhof einen Mitarbeiter mit einer Ganztagsstelle gegeben, der als Platzwart für den Zustand des Sylt-Stadions verantwortlich war, erinnert sich Hans-Wilhelm Hansen. „Diese Stelle wurde allerdings aus einem für mich völlig unverständlichen Grund eingestellt.“ Ihn mache der Zustand und die jahrelange Vernachlässigung des Platzes traurig und wütend, denn gerade im Sommer würden viele Gäste auf der Anlage gerne ihr Sportabzeichen ablegen. Doch das sei derzeit einfach nicht möglich.

Über den schlechten Zustand der Sportstätte ärgert sich auch Ralf Westphal, der Vorsitzende vom Team Sylt. Bis April hätten einige der Insel-Fußballmannschaften noch im Sylt-Stadion gespielt, nun würden sie notgedrungen auf andere Plätze ausweichen müssen, „denn ich möchte nicht, dass sich die Sportler noch die Knochen brechen“, so Westphal. Dabei sei der Platz für die Fußballer wichtig: Team Sylt hat im kommenden Spieljahr 13 Mannschaften im Spielbetrieb und sei nach wie vor auf den Platz angewiesen. „Es kann nicht alles auf dem Sportplatz Sylt-Ost passieren“, betont Westphal.

Nikolas Häckel kennt den kritischen Zustand des Westerländer Stadions. „Es ist in der Tat so, dass das Sylt-Stadion lange vernachlässigt worden ist“, so der Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Grund dafür seien komplizierte Vertragsverhältnisse zwischen der Gemeinde Sylt, dem kommunalen Liegenschaftsmanagement (KLM), Team Sylt und dem TSV Westerland, die die Frage der Zuständigkeiten und Kompetenzen regeln. Doch es soll alles anders werden, verspricht er: „Wir haben alle Probleme geklärt und das KLM kümmert sich jetzt um die wesentliche Sanierung.“ Das Stadion soll kurzfristig mit Fördermitteln des Landes wieder aufgewertet werden, sagt Häckel. Die geschätzten Baukosten lägen bei 30 000 Euro – damit soll zunächst das Nötigste gemacht werden. Und das auch noch in diesem Jahr: „Wir haben einen Förderantrag in Arbeit, der für das kommende Jahr gestellt wird – wir haben aber auch einen vorzeitigen Baubeginn beantragt, sodass wir schon 2018 mit der Sanierung beginnen können“, so Häckel.

Es gebe allerdings ein großes „Aber“, betont der Bürgermeister: „Wir planen im Sylt-Stadion auch einen Multipark, der dort in den nächsten Jahren Schritt für Schritt entstehen wird. Daher müssen wir ganz genau schauen, was in dem Stadion jetzt aufgewertet werden muss und was wir dort kurzfristig auf den Weg bringen können.“ Ziel sei es dabei, dass der Spielbetrieb grundsätzlich möglich und die Verkehrssicherheit gegeben ist. „Im Endeffekt müssen wir aber einen Mittelweg zwischen der Neunutzung des Multiparks und der Nutzung der Sportstätte finden.“

Die Nachricht, dass der Platz endlich saniert werden soll, kommt bei Hans-Wilhelm Hansen vom TSV Westerland gut an: „Ich finde toll, dass jetzt endlich etwas passiert“, sagt er. Es sei zwar erstmal nur ein Tropfen auf den heißen Stein, „aber es ist immerhin etwas“.

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