Zu Recht nachgefragt : Kein Kavaliersdelikt

Rechtsanwalt Jan Michaelis
Rechtsanwalt Jan Michaelis

In einer Serie geben Rechtsanwälte aus der Kanzlei Kerkamm Tipps zu Rechtsthemen – heute zum Thema „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“

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04. Oktober 2018, 19:43 Uhr

Mehrere hunderttausend Strafanzeigen werden jedes Jahr wegen des Tatbestands des unerlaubten Entfernens vom Unfallort, § 142 StGB (auch „Unfallflucht“ genannt) gestellt. Oftmals wird diesem Delikt nicht der gebotene Ernst entgegengebracht. Dabei gilt es zu beachten, dass der Gesetzgeber für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vorsieht. Darüber hinaus kann die Entziehung der Fahrerlaubnis drohen.

Trotz dieses erheblichen Strafrahmens ist vielen Verkehrsteilnehmern – dazu gehören auch Fahrradfahrer und Fußgänger – das korrekte Verhalten nach einem Unfall, und mag es nur ein kleiner Parkrempler sein, nicht bekannt.

Wir möchten das richtige Verhalten skizzieren: Nach einem Unfall sind den anderen Unfallbeteiligten und gegebenenfalls den Geschädigten die Feststellung der eigenen Person und des Fahrzeuges zu ermöglichen. Das heißt, es sind die eigenen Personalien mitzuteilen. Soweit erforderlich, sind die Versorgung von Verletzten, das Absetzen eines Notrufs sowie die Absicherung des Unfallorts vorrangig.

Sollte der andere Unfallbeteiligte nicht vor Ort sein, so ist eine den Umständen nach angemessene Zeit zu warten. Diese Wartezeit richtet sich im Einzelfall unter anderem nach dem Unfallort, der Uhrzeit und der Höhe des verursachten Schadens.

Sofern innerhalb der Wartefrist die Feststellung der eigenen Personalien durch den anderen Unfallbeteiligten nicht möglich gewesen ist, sollte unverzüglich die nächstgelegene Polizeidienststelle aufgesucht werden. Dort ist wiederum anzugeben, dass man an einem Unfall beteiligt gewesen ist.

Angaben zum Hergang des Unfalls müssen gegenüber der Polizei nicht gemacht werden. Es ist in einigen Fällen ratsam zunächst keine Angaben zum Unfallhergang zu machen.

Besteht Unsicherheit über das richtige Verhalten nach einem Verkehrsunfall, empfiehlt sich der Kontakt mit einem Rechtsanwalt noch direkt vor Ort.

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