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Wappentiere der Nordsee : Kegelrobben ist es auf Sylt zu voll

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zahlreiche Spaziergänger und lauter Trubel sorgen dafür, dass die Tiere ihre Jungen im Moment lieber vor Amrum, Föhr und Helgoland gebären

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2016 | 04:49 Uhr

Während auf den Sylter Nachbarinseln diesen Winter bereits zahlreiche Kegelrobbenbabys gezählt wurden – und mancherorts sogar neue Geburtenrekorde erreicht werden – ist vor der größten nordfriesischen Insel in dieser Saison noch kein einziges Jungtier gesichtet worden. Zahlreiche Gäste, die sich während der (Vor-)Weihnachtszeit sowie um den Jahreswechsel auf der Insel tummeln, sorgten dafür, dass die Tiere die Insel meiden, sagen Experten. Auch laute Silvesterpartys wie sie an der Westerländer Promenade gefeiert werden und großes Feuerwerk am Hörnumer Hafen würde die Tiere demnach vertreiben. Denn Kegelrobben brauchen ungestörte, möglichst hochwassersichere Wurfplätze, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Mit speziellen Zäunen versuchen Naturschützer im Inselsüden, die Kleinen an viel genutzten Stränden zu schützen.

„Damit wollen wir Stress für die Jungen durch herannahende Menschen oder Hunde vermeiden und sicherstellen, dass die Mütter sie regelmäßig säugen können“, sagt Dennis Schaper, Leiter der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt. Die trächtigen Tiere bevorzugten Sandstrände ohne Menschen, „denn das schreckt sie ab“. Sylt würden sie jetzt nur „in der Not aufsuchen“. Erst wenn die Insel nach Silvester wieder leerer wird, erwarte er die ersten Kegelrobben auf der Insel, die hier besonders im Süden ihre Jungen zur Welt bringen. Kurzzeitige Strandsperrungen rund um rastende Jungtiere hätten sich als geeignetes Schutzinstrument für eine „halbwegs friedvolle Robbenkindheit“ erwiesen.

Kegelrobben bekommen immer zwischen November und Januar Nachwuchs. Die Jungen tragen mehrere Wochen das weiße Babyfell, das zwar gut vor Kälte, aber kaum vor Nässe schützt. Während das Muttertier auf Jagd ist, wartet das Jungtier oft lange Zeit alleine im Trockenen. Spaziergänger sollten daher möglichst großen Abstand zu den Robben halten, sie nicht berühren und ins Wasser scheuchen, sagt Schaper. Außerdem sollten Hunde angeleint werden und Funde gemeldet werden. Neben den Seehunden, die auf Sylt zahlreich vertreten sind, gilt die Kegelrobbe nach europäischen Richtlinien weiterhin als gefährdet, sagt Rainer Borcherding, Biologe bei der Schutzstation. Obwohl die Bestände seit den letzten 30 Jahren gewachsen seien und sich „sehr gut erholt“ hätten. Darunter im Bereich des Jungnamensand, einer kleinen Sandbank westlich von Amrum, und somit auch auf Sylt, Amrum und Föhr. In Nordfriesland wurden demnach in den letzten Jahren durchschnittlich 35 Jungtiere geboren. Tendenziell sei die Geburtenrate vor der Küste Sylts konstant, während sie vor Helgoland jedoch deutlich steigt.

Rund 300 Kegelrobbenbabys haben auf der Helgoländer Düne bis Mitte Dezember bereits das Licht der Welt erblickt. Fachleute sprechen von einem Geburtenrekord in dieser Saison. Vor rund zwei Wochen war dann die erste Robbe der Saison auf Amrum zur Welt gekommen.

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