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Serie Sylter Köpfe : Karl Max Hellner will der Insel etwas zurückgeben

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Serie Sylter Köpfe: Karl Max Hellner führt das gleichnamige Modehaus in der Friedrichstraße und ist Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2015 | 05:30 Uhr

„Kaffee oder Wasser?“ lautet die erste Frage, die Karl Max Hellner, den alle Kalle nennen, seinem Gast stellt. Der ist noch dabei, sich in dem schmalen, mit farbigem Gestühl und einem langen Tisch ausgestatteten Konferenzraum zu orientieren und die Skizzen an der Wand zu studieren, die schnell als Entwürfe für den Umbau des Modehauses Hellner identifizierbar sind.

„Wir wollten viel früher eröffnen, eigentlich Anfang April“, gibt Hellner unumwunden zu, als die Sprache auf sein Geschäft in der Friedrichstraße kommt, das zu den bekanntesten und markantesten Modehäusern der Insel zählt und auf eine mittlerweile fast 60-jährige Tradition als Familienunternehmen zurückblicken kann. „Wenn man einen solchen Gebäudekomplex runderneuern will, dann hat man es täglich mit unplanbaren Überraschungen zu tun. Aber wir wollten mit der prägnanten Architektur und dem neuen Ambiente der Geschäftsräume ein Statement setzen, etwas schaffen, was es so noch nicht auf der Insel gibt – und für die kommenden Jahre Bestand hat.“

Klar freut es den Unternehmer, dass er seit der Neueröffnung seines Modehauses viel positive Reaktionen auf das lichte Design und die ungewöhnliche Wahl der Materialien wie Reet, Holz und Strandkorbgeflecht bekommen hat, mit denen ein gewisses Inselflair in den Verkaufsräumen erzeugt wird. Mehr noch geht es ihm aber darum, einen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der Westerländer Fußgängerzone geschaffen zu haben. Er hält es sogar für seine Pflicht als Sylter Unternehmer, „der Insel auf der und von der wir leben, etwas zurück zu geben“.

Die Insel ist für Hellner weit mehr als der Ort, an dem sich gute Geschäfte machen lassen. Es ist seine Heimat, hat die Geschichte seiner Familie geprägt, deren insularer Stammbaum bis in die Anfänge des 17. Jahrhunderts reicht. Kaufleute und Handwerker finden sich in der weitverzweigten Familienchronik. Karl Max Hellners Vater war allerdings der erste Textilkaufmann der Familie. Zunächst betrieb der Vater das Geschäft als mobilen Handel. Das heißt, er fuhr mit einem VW-Bus über die Insel, um seine Ware an die Frau und den Mann zu bringen. Doch Anfang der 1960er Jahre baute er das ererbte Gebäude in der Friedrichstraße als Geschäftshaus um, in dem noch heute das Modehaus Hellner residiert.

Sylt war immer Heimat für Kalle und seine Familie. Für den heute 53-Jährigen ist die Erinnerung an die Kindheit und Jugend auf der Insel reicht an unbeschwerten Ereignissen und einem großen Zusammenhalt unter den Sylter Schülern. „Im Sommer trafen wir uns immer alle zum Baden, war der Strand für uns ein selbstverständlicher Ort. Wir hatten ein tolles Leben“. Der wachsende Tourismus, die Klischees vom Jetset, der Sylt zur Partyinsel gemacht haben soll, die Promis und der Geldadel, die seit Anfang der 1960er Jahre verstärkt gesichtet wurden, haben Hellners Jugend kaum beeinflusst. „Man war als Sylter unter sich. Natürlich haben wir mitbekommen, wer hier alles auf die Insel kam und welche positive wirtschaftliche Entwicklung der Tourismus uns brachte. Trotzdem herrschte bei uns stets Augenmaß und Bodenständigkeit“. Die bestimmen bis heute das Handeln des leidenschaftlichen Golfspielers (Handicap -9,3), der neben dem Modehaus Hellner fünf weitere Mode-Stores international bekannter Marken in Westerland betreibt. Selbst kleidet er sich eher sportlich dezent, sieht sich in der Selbsteinschätzung auch nicht als Modefreak, aber sehr wohl als einen Mann, der einen geschulten, sicheren Blick für gute Schnitte, tragbare Mode und kommende Trends hat. Auf Sylt, so seine Erfahrung, wird Mode anders eingekauft und getragen als an anderen Orten. Hier herrscht der „legere Chic“ und die Lust, sich individuell zu kleiden.

Bevor Kalle Hellner die Geschäfte seines Vaters übernahm, ging er von der Insel, um sich zum Textil-Einzelhandelskaufmann ausbilden zu lassen, weitere Qualifikationen in diesem Bereich und Erfahrungen in großen Häusern auf dem Festland zu erwerben. Zurück auf der Insel sah er sich in der Pflicht, sich als Unternehmer und Insulaner ehrenamtlich zu betätigen. Seit vielen Jahren ist er 1. Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer e.V., dem Modellflug Verein Sylt e.V.; sowie Mitglied im Aufsichtsrat von der Sylter Bank und dem Marine Golfclub.

Golf spielen und das Fliegen der Modelle sind für ihn die notwendigen Momente, „in denen ich gut abschalten kann, alles aus meinem Kopf raus geht, was mich unternehmerisch beschäftigt.“ Weil er alles „sehr gut machen will“, hat er sowohl sportlich als auch geschäftlich Erfolg, sieht darauf aber mit Dankbarkeit. „Hier leben und arbeiten zu dürfen, ist schon ein großes Glück“. Eines, dass er schon spürt, wenn er von seinen Touren zu den Händlern auf dem Festland zurückkommt und mit dem Autozug über den Damm Richtung Heimat fährt. Dem Vater von zwei Kindern liegen die Geschicke der Insel ihre touristische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung nicht nur am Herzen, er hat dazu seine Meinung, mit der er nicht hinterm Berg hält. „Sylt ist ein ganz besonderer Ort, ein Juwel, das es sorgsam zu hüten gilt. Die Insel hat ihre eigenen Werte, die weder von außen noch von innen beschädigt werden dürfen.“


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