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Sylter Rundschau

23. Oktober 2017 | 12:25 Uhr

Kandidaten in einem "fremden" Land

vom

Bei Kommunalwahlen dürfen auch EU-Ausländer wählen und gewählt werden / Auf Sylt gibt es drei Dänen und einen Franzosen die im Mai kandidieren

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Sylt | Er ist ein Exot unter den 274 Syltern, die am 26. Mai bei der Kommunalwahl in einer der fünf Inselgemeinden kandidieren. François de Pourquery ist einer von gerade einmal vier Kandidaten, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Neben dem 56-jährigen Franzosen, der für die gerade erst gegründete Insel-Liste zukunft.sylt in der Gemeinde Sylt antritt, gibt es noch drei Dänen, von denen zwei - Pastor Jon Hardon Hansen in der Gemeinde Sylt und Lehrerin Nina Sörensen in List - für die dänischen Minderheit kandidieren und der Tinnumer Jörn Steen Petersen für die Sylter Wählergemeinschaft.

Bereits 1990 hatte Schleswig-Holstein als erstes Bundesland das Kommunal-Wahlrecht für EG-Ausländer beschlossen. Damals kassierte das Bundes-Verfassungsgericht das Gesetz allerdings wieder ein, mit dem Verweis darauf, dass das Volk im Sinne des Grundgesetzes auf allen staatlichen Ebenen allein aus deutschen Staatsangehörigen bestehe. 1993 wurde aber mit dem Maastrichter Vertrag die gemeinsame EU-Bürgerschaft eingeführt - verbunden mit dem kommunalen Wahlrecht (aktiv wie passiv) für alle Unionsbürger.

Wobei François de Pourquery, der sich selbst Franz nennt, seiner Sonderrolle keine besondere Bedeutung bemisst. Was wohl vor allem an seiner nicht sehr ausgeprägten Bindung an sein Mutterland liegen dürfte. "Ich bin zwar in der Bretagne geboren und meine Mutter lebt noch in der Nähe von Paris, aber ich habe nie in Frankreich gearbeitet oder gewählt und war 1988 zuletzt dort", sagt Pourquery, den es von Saarbrücken über Stuttgart und Hamburg nach Sylt verschlagen hat. "1982 war ich zum ersten Mal hier und seither ist die Insel wie ein Magnet für mich", sagt der als Hausmeister für ein Wohnhaus mit 45 Ein- und Zwei-Zimmer-Appartements im Westerländer Zentrum arbeitende Pourquery. Eine Position, aus der er die Wohnungsproblematik der Insel nur zu genau kennt. "Vielen Menschen, die hier arbeiten, bleibt immer weniger von ihren Lohn übrig, weil sie so teure Mieten zahlen müssen." Mehr als 400 Euro Miete sollte seiner Ansicht nach niemand für eine 40-Quadratmeter Wohnung bezahlen. Da die etablierten Parteien seiner Ansicht nach zu wenig gegen die Wohnungsnot getan haben, unterstützt er das Engagement von zukunft.sylt. "Es wäre schön, wenn wir dazu beitragen können, etwas zu ändern, auch wenn es schwer wird, ins Rathaus einzuziehen."

Über kommunalpolitische Erfahrung verfügt dagegen Jon Hardon Hansen, der bereits für den SSW als bürgerliches Mitglied im Kulturausschuss der Gemeinde Sylt sitzt. "Seit es möglich ist, habe ich immer für die Gemeinde- oder Kreiswahl kandidiert", sagt der in Deutschland geborene Pastor der dänischen Kirchengemeinde, der aufgrund seines Amtes dänischer Staatsbürger sein muss. Um auch bei Land- und Bundestagswahlen in Deutschland wählen zu dürfen, hatte Hansen die Möglichkeit einer doppelte Staatsbürgerschaft geprüft - erfolglos.

Über einen dänischen Pass verfügt auch Jörn Petersen, der seit 1997 auf Sylt lebt und arbeitet. Aufgrund persönlicher Kontakte kam er zur SWG. Die Kandidatur auf einem hinteren Platz ist für ihn "der erste Schritt", um in die Kommunalpolitik rein zu schnuppern. Petersen: "Ich will nicht nur reden, sondern was tun. Möglichkeiten gibt es dafür in der SWG ja genug."

Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, dass die nächsten fünf Jahre in einem Sylter Gemeinderat ein Ausländer sitzt, ist äußerst gering - alle vier kandidieren auf hinteren Listenplätzen.

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