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Ländervergleich : Kampf um kleine Schulen: Ist woanders wirklich alles besser?

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Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen ihre Schulpolitik wird oft als vorbildlich gelobt. Zu Recht? Was machen sie besser oder einfach nur anders als Schleswig-Holstein? Ulrike Bergmann hat nachgefragt.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2008 | 06:49 Uhr

Sylt | Oft verwünscht und doch nicht weg zu diskutieren: Das Schulgesetz in Schleswig-Holstein. Es sieht als Mindestgrößen für Grundschulen 80 Schüler, langfristig sogar 160 Kinder vor. Ausnahmen für Inseln oder ländliche Regionen: Fehlanzeige. Da heißt es dann schnell, woanders sei alles besser - und der zugehörige Fingerzeig geht meistens in Richtung tiefer Süden und nach Sachsen, dem Sieger des bundesweiten Bildungsmonitors. Zu Recht? Teilweise. Denn wegen des Geburtenrückgangs sind Schulschließungen überall zumindest im Gespräch.
Zusammenlegungen möglich

Baden-Württemberg (Platz zwei beim diesjährigen Bildungsmonitor): Mindestgrößen für Schulen gibt es, so Ministeriumssprecher Hansjörg Blessing, dort offiziell nicht. Wer aber die sonstigen Vorgaben (mindestens 16 Kinder pro Klasse und davon pro Grundschule mindestens vier Stück) durchzählt, kommt schnell auf die Mindestgröße von 64. Andererseits darf die Klassenstärke auch durch Zusammenlegungen erreicht werden.

Im Landtag wurde aber auf Antrag der SPD unter anderem 2007 über sinkende Schülerzahlen und Mindestgrößen für Grundschulen diskutiert. Wie in Schleswig-Holstein delegiert auch hier das Land die Verantwortung offiziell an die Schulträger. In einer Stellungnahme des Kultusministeriums heißt es sinngemäß: Schulen können nur auf Antrag des Schulträgers "aufgehoben" werden. Andererseits erfolgt auch in Baden-Württemberg die Zuweisung von Lehrerstunden über das Bildungsministerium. Blessing: "Sinkende Schülerzahlen führen zu weniger Lehrerstunden. Angebote wie Chor, Arbeitsgemeinschaften und die Verlässlichkeit bei den Betreuungszeiten fallen dann weg,"
Staatsgarantie für Fortbestand

Bayern (Platz vier ): "Bei uns könnte theoretisch auch eine Schule mit 26 Kindern überleben." Das erklärt Dr. Ludwig Unger, Sprecher des Kultusministeriums in Bayern. Pro Klasse ist hier eine Mindestschülerzahl von 13 Kindern vorgeschrieben, die auch durch das Zusammenlegen von zwei Jahrgängen erreicht werden kann. Beim Lehrerverband des Landes sieht man das differenzierter: Es gebe zwar eine Staatsgarantie für den Fortbestand kleiner Grundschulen, wenn Schüler sonst Busfahrzeiten von mehr als einer Stunde hätten, aber das dafür nötige Personal werde nicht gestellt. Das erklärt Verbandspräsident Klaus Wenzel (unterrichtete 34 Jahre an einer Hauptschule) und ergänzt: "Im Extremfall könnten sogar alle Klassen zusammengelegt werden. Die dafür aus unserer Sicht nötigen Lehrerstunden und Experten wie Sonderpädagogen werden aus finanziellen Gründen aber nicht eingesetzt."
Ausnahmen bei besonderer pädagogischer Bedeutung

Sachsen (Spitzenreiter): Hier gibt es in Sachen Klassenstärke sowohl Unter- (in Grundschulen 14 Kinder), als auch Obergrenzen (28). Davon kann in Ausnahmefällen abgewichen werden, beispielsweise wenn einer Schule eine besondere pädagogische oder regionale Bedeutung zu kommt.
Ideal: "16 bis 22 Kinder pro Klasse"
Wie groß sollte eine Schule also sein? Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Gymnasialdirektor Josef Kraus, wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht auf eine Zahl festlegen, sagte aber: „Ich habe Verständnis für Eltern, die ’Kurze Beine, kurze Wege’ fordern. Andererseits können größere Schulen von Förderunterricht bis zu Chor und Theater-AG ein breiteres Angebot machen. Außerdem profitieren Kinder von den vielen Sozialkontakten.“ Gleichzeitig bezeichnet er Klassengrößen von 30 Grundschülern und mehr als „jenseits vernünftiger pädagogischer Grundsätze.“ Eine sinnvolle Bandbreite von Schülerbeteiligung sei für ihn weder bei acht- noch bei 30-köpfigen Klassen gegeben. Ideal seien 16 bis 22 Kinder.

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