Nachruf zum Tod von Rüdiger Eis : Jurist aus Überzeugung

Rüdiger Eis hat  in den fast vier Jahrzehnten seines beruflichen Wirkens auf Sylt das Recht und die damit verbundene Kultur entscheidend geprägt.
Rüdiger Eis hat in den fast vier Jahrzehnten seines beruflichen Wirkens auf Sylt das Recht und die damit verbundene Kultur entscheidend geprägt.

Der Rechtsanwalt und Notar Rüdiger Eis schrieb ein Stück Sylter Rechtsgeschichte. Ein Nachruf von Andreas Wendt.

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27. November 2018, 17:50 Uhr

Sylt | Am 18. November dieses Jahres ist Rüdiger Eis zu Hause gestorben. Die Stille, mit der er im Alter von gerade 77 Jahren von uns gegangen ist, steht im Widerspruch zur Bedeutung und Größe seines Wirkens.

Rüdiger Eis kam 1978 nach Sylt, nachdem er bereits in Hamburg als Rechtsanwalt erfolgreich war, weil seine Frau Eike das Gästehaus ihrer Eltern in der Westerländer Rungholtstraße weiterführte. Beruflich trat er in die Kanzlei von Jens Peter Behrends ein, dessen Vater Dr. Hanns Behrends die Kanzlei bereits im Jahre 1926 gegründet hatte. Bis 1986 führten Jens Peter Behrends und Rüdiger Eis das Büro in Partnerschaft gemeinsam, bis sich Jens Peter Behrends aus dem Berufsleben zurückzog und Rüdiger Eis mit der Kanzlei in die Bismarckstraße, in das manchen Syltern noch bekannte Haus Sanio umzog, in der die Kanzlei bis heute ihren Sitz hat. In den Folgejahren kamen weitere Juristen als Partner hinzu, bis sich Rüdiger Eis 75-jährig im Jahr 2016 von seiner beruflichen Tätigkeit verabschiedete.

Rüdiger Eis war Jurist aus Überzeugung und Leidenschaft und hat als solcher in den fast vier Jahrzehnten seines beruflichen Wirkens auf Sylt das Recht und die damit verbundene Kultur entscheidend geprägt.

Er ist Vater der auf Sylt, in Norddeutschland und schließlich bundesweit bekannten „Miteigentümervereinbarung“, mit der die Verkehrsfähigkeit einzelner Wohnungen erreicht wurde, wenn alle Wohnungen - anders als beim Wohnungseigentum - in einem Grundbuch stehen müssen.

Den Sylter Gemeinden bot er mit dem Erbbaurechtsmodell die Möglichkeit, einerseits ihr Grundeigentum zur Bildung privaten Wohneigentums zur Verfügung zu stellen, ohne andererseits die Grundstücke endgültig aus der Hand zu geben, so dass zukünftige Generationen neu entscheiden können, was mit den Grundstücken geschehen soll.

Auch sonst war Rüdiger Eis innovativ. So schwebte ihm ein Architektenwettbewerb zum Bau eines „Sylter Hauses“ vor, damit Einheimische zu erschwinglichen Baukosten eigenes Wohneigentum erschaffen konnten.
Er unterstützte karitativ viele gemeinnützige Einrichtungen und Vereine. Er selbst gründete die Stiftung „Sylter Dank“ zur Unterstützung von Sylter Kindern und Jugendlichen zur Förderung gemeinnütziger Zwecke auf der Insel Sylt.

Rüdiger Eis fühlte sich dem Recht verbunden, das er an der Einhaltung der goldenen Regel erkannte: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu.“ Dabei stellte er dem „geschriebenen Recht“ das „gerechte Recht“ gegenüber, das bei ihm im Zweifelsfall den Vorrang hatte. Ihm schwebte eine Kanzleikultur vor, die er ausdrücklich von den heutzutage üblichen Geschäfts-Visionen für Unternehmen unterschied. Bei seiner Vision ging es nicht vordringlich um die Mehrung von Umsätzen, Senkung von Kosten und eine letztlich damit verbundene Erhöhung des Unternehmergewinns, sondern um die Schaffung von Rahmenbedingungen innerhalb des Unternehmens, in denen der Einzelne sein individuelles Glück finden konnte. Obwohl er das Glück eines Menschen und den Weg dorthin als Privatsache respektierte, sah er die Funktion des Unternehmers darin, das Unternehmen so zu gestalten, dass die darin arbeitenden Menschen fachlich und menschlich in ihrem persönlichen Streben nach Wohlbefinden und Glück gefördert würden.

Bei der Erreichung der sich selbst gesteckten Ziele und Anforderungen kamen Rüdiger Eis sein unglaublicher Fleiß, seine Gelassenheit und der Respekt vor den Auffassungen und der Person seines Gegenübers zugute. Zugesagte Rückrufe notierte er und beschloss den Arbeitstag nicht, bevor er alle Rückrufe und an ihn herangetragenen Bitten erledigt hatte.

Einmal soll Rüdiger Eis das Telefonat mit einer älteren Dame, die wieder und wieder trotz Beantwortung die gleichen Fragen stellte, beendet haben, worauf er dieser Dame am nächsten Tage folgenden Brief schrieb: „Höflichkeit und gute Sitten machen wohl gelitten. Ich bedaure, dass ich es bei unserem gestrigen Telefonat an beidem möglicherweise habe fehlen lassen. Als Grund kann ich leider nur einen übervollen, langen Arbeitstag angeben.“ Und dann beantwortete er die schon fernmündlich beantworteten Fragen nochmals schriftlich in allen Einzelheiten.

Die Würde des Menschen, deren Achtung und Schutz in Artikel 1 unserer Verfassung als Verpflichtung aller staatlichen Gewalt festgeschrieben wird, war für Rüdiger Eis unabdingbarer Maßstab aller Handlungen. Der Fleiß und die Hinwendung zu Mandanten, Mitarbeitern oder auch Gegnern führten dazu, dass oft wenig Zeit für seine Familie, seine geliebte Frau Eike und die beiden Kinder Björn und Hanne blieb. Stattdessen bezog er seine Familie und sein privates Domizil in seine Hingabe zu den in der Kanzlei tätigen Menschen ein. Viele Feiern und Jubiläen wurden in seinem privaten Hause mit seiner Frau und seinen Kindern zelebriert.

Alle, die an Rüder Eis´ Leben und Wirken teilhaben durften, an seinen unternehmerischen Visionen und seiner stillen Art, ein Stück Sylter Rechtsgeschichte zu schreiben, verneigen sich vor ihm, seiner Frau Eike und seinen Kindern Björn und Hanne in Dankbarkeit und Ehrfurcht.

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