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Sylter Rundschau

16. Dezember 2017 | 20:31 Uhr

Kirchen auf Sylt : Jung, modern und katholisch

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der letzte Teil der SR-Serie über die Geschichte und Architektur der Sylter Gotteshäuser widmet sich der Kirche St. Christophorus in Westerland.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Extrem modern, extrem zentral und extrem jung ist die katholische Kirche St. Christophorus. Mit ihrer auffälligen geschwungenen Ellipsen-Form unterscheidet sich das erst 15 Jahre alte Gotteshaus im Herzen Westerlands deutlich von den anderen Kirchen der Insel. Dabei handelt es sich bereits um die dritte katholische Kirche, die innerhalb von rund 100 Jahren in Westerland gebaut wurde. Die Geschichte, wie es zum ersten Kirchbau kam, ist eine sehr romantische.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es nur einen einzigen Katholiken auf Sylt: Der Steyrische Jäger Wenzel Wohner war mit anderen österreichischen Soldaten während des deutsch-dänischen Krieges nach Sylt geschickt worden. Dort verliebte er sich in eine Sylterin, die er 1867 heiratete. Nur selten konnte der Neu-Insulaner allerdings einen katholischen Gottesdienst besuchen – befand sich die nächste Kirche doch in Flensburg.

Mit Hinweis auf die vielen katholischen Urlauber erreichte es Wohner, dass ab 1869 sogenannte Strandpfarrer aus allen Teilen Deutschlands nach Sylt kamen, um Gottesdienste mit den Sommerfrischlern zu feiern. Die Messen fanden laut des Neuen Sylt Lexikons zunächst in Privathäusern statt. Später standen dann der Speisesaal der Dünenhalle, das Warmbadehaus und schließlich eine Baracke in Westerland zur Verfügung. Auf Dauer war das keine Lösung: Wie der Autor Frank Deppe in der SR-Serie Sylter Zeitgeschichte schreibt, wandte sich Wohner gemeinsam mit dem Westerländer Gemeinderat an den zuständigen Bischof, um eine Kapelle zu bauen. Der jedoch fiel aus allen Wolken: „Keinen Pfennig werden wir für diesen Plan bewilligen“, wehrte er ab und mutmaßte, dass „dieses Vorhaben doch nur dazu dienen soll, Katholiken zum Baden nach Westerland zu locken.“

Daraufhin begann ein Komitee katholischer Kurgäste damit, auf eigene Faust Geld für das neue Gotteshaus zu sammeln. Als Grundstock kamen 2 000 Goldmark zusammen. Daraufhin bewilligte der Westerländer Gemeinderat weitere 23 000 Mark. 1896 wurde die Herz-Jesu-Kapelle im neugotischen Stil in der Neuen Straße eingeweiht. Sie bot 160 Plätze, und 40 Jahre später erhielt Sylt dann mit Franz Augustin auch einen ständigen katholischen Seelsorger.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs gab es zeitweise sogar gleich mehrere katholische Geistliche, die als Militärseelsorger und Priestersoldaten auf Sylt tätig waren. Nach dem Ende des Krieges gab es dann einen italienischen Geistlichen für die Betreuung der italienischen Arbeiter, einen englischen Herz-Jesu Missionar für die Betreuung der englischen Soldaten in List und zwei polnische Priester für die rund 6 000 Polen auf Sylt. Zusätzlich wurde für die Flüchtlinge ein Pfarrer eingesetzt.

Bald wurde es in der Westerländer Kapelle durch den Zuzug von Flüchtlingen und die steigende Anzahl von Feriengästen zu eng. Sie wurde abgerissen und in der Elisabethstraße entstand zwischen 1955 und 1957 die Kirche St. Christophorus. Wie es im Neuen Sylt Lexikon heißt, beteiligten sich namhafte Künstler wie der Maler Emil Wachter aus Karlsruhe an der Gestaltung des Innenraums, der Fenster und der liturgischen Orte und Geräte. Genau 40 Jahre hielt das Gebäude dem aggressiven Nordseeklima stand – und war dann 1997 wegen gravierender Materialmängel so sanierungsbedürftig, dass sie abgerissen und bis 1999 komplett erneuert wurde.

Der Architekt des schiffsförmigen Gebäudes mit dem Turm als Mast war der Münsteraner Dieter Baumewerd. Die Kirche kann bis zu 400 Gläubige aufnehmen und kommt in ihrer ungewöhnlichen, ellipsenförmigen Raumgestaltung der Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils nach „tätiger Teilnahme“ nach, wie es in einer Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft heißt. Priester und Gemeinde stehen sich nicht gegenüber. Stattdessen stehen Lesepult, Taufbecken und Altar in einer Reihe im Zentrum der Kirche und die rundherum sitzenden Gemeindemitglieder haben nicht nur den Gottesdienst im Blick, sondern auch einander.

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