zur Navigation springen

Serie: Sylter Sounds : Jo Bohnsack: Mit ganzem (Musiker-)Herz Sylter

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Jo Bohnsack hat mit seinem Boogie-Woogie-Spiel am Klavier musikalisch die ganze Welt erobert. Trotzdem spielt der geborene Sylter am liebsten in seiner Heimat

So klingt die Insel: Unter dem Motto „Sylter Sounds“ wird die Sylter Rundschau in einer neuen Serie Musiker der Insel vorstellen. Sie vertreten ganz unterschiedliche Stilrichtungen, sie haben ganz verschiedene Sounds – doch gemeinsam bringen sie Sylt zum Klingen.

Am Gymnasium auf Sylt hat er 1969 seine Bühnenpremiere, bei einem Hausmusikabend spielte der kleine Jo ein Bach-C-Dur-Preludium. „Ich weiß noch, dass die beiden Kissen auf dem Klavierhocker nicht reichten, um an die Tasten zu kommen. Da bin ich ins Publikum und musste fünf Zuschauern ihr Kissen wegnehmen, da war die Stimmung schon mal super.“

Das Publikum auf seine Seite bekommen, das soll sich wie ein roter Faden durch sein musikalisches Leben ziehen.
Angefangen hat alles mit der Musik in alten Westernfilmen. Die Stücke, die im Saloon am Klavier gespielt werden, begeistern den Jungen aus Westerland. Ab dem achten Lebensjahr erhält er Unterricht auf dem Klavier, dass in seinem Zimmer steht, eine Leihgabe vom Zahnarzt der Familie. Mit 14 Jahren wechselt Bohnsack zur Gitarre, sitzt aber kurze Zeit später wieder hinter den schwarz-weißen Tasten.

Zuerst entdeckt er den Blues, dann einen Jungen in der Nachbarschaft, der exzellent Gitarre spielt. Zusammen mucken sie im Jugendzentrum, ausgerechnet im Frauenraum der Einrichtung. „Von Frauen wurde der Raum nur einmal die Woche benötigt. Und da stand nun mal das Klavier drin“, erklärt Bohnsack. Einen Übungsraum hatten die jungen Musiker gefunden, was Bohnsack hingegen noch fehlte, war die passende Musik, wo das Klavier als reines Solo-Instrument funktioniert. Eines Tages hört er den deutschen Boogie-Pianisten Vince Weber und die englische Band Emerson, Lake & Palmer und kennt fortan seine musikalische Marschrichtung: Boogie-Woogie, ein auf dem Blues aufgebauter Solo-Klavierstil.
Endgültig inspiriert für ein Musiker-Leben wird Bohnsack im Jahr 1978, da finden auf Sylt in seiner Erinnerung die „Weltfestspiele des Jazz“ statt, wo sich Größen des Jazz die Klinke in die Hand geben: Count Basie, Dizzy Gillespie, Oscar Peterson, Peter Herbolzheimer. Auch seinen späteren Freund und Mentor Champion Jack Dupree sowie den Hamburger Pianisten Axel Zwingenberger lernt er hier kennen, mit Zwingenberger gründet er Ende der Achtziger Jahre die Hamburg Boogie-Woogie Connection, die bis heute besteht.

„All die Größen des Jazz gingen nach dem Festival-Feierabend ins Compass auf der Friedrichstraße, da wurde gejamt bis der Arzt kommt.“ Und überhaupt: „Es gab noch viel mehr Live-Musik als heute.“ Parallel zu seinem Studium an der Musikhochschule Hamburg spielt er auf Sylt in der Piano Bar in Westerland, im Bogart’s in der Strandstraße und im Kampener „Dorfkrug“. „Im Dorfkrug war zu der Zeit wirklich der Affe los“ erinnert sich Bohnsack mit einem süffisanten Lächeln. „Da habe ich mit meinem rechten Beatfuß, mit dem ich stets beim Spielen den Takt stampfe, eine Delle in den Holzfußboden getreten. Wenn die den Boden nicht gewechselt haben, müsste die Kuhle heute noch da sein.“
1989 wird Jo Bohnsack auf das Jazz Festival in Den Haag eingeladen; ein Ritterschlag und zugleich eine Fahrkarte zu den Konzertflügeln der Weltbühne. „Da haben alle anderen Festivals ihre Künstler eingekauft, so kam ich ordentlich rum, habe unter anderem in der größten TV-Musiksendung der Welt in Mexiko vor 100 Millionen Zuschauern gespielt.“
Sylt bleibt er trotzdem immer treu. Noch heute hat er hier im Sommer viele Auftritte, unter anderem seine „Boogie in the church“-Konzerte in der Wenningstedter Kapelle und die „Be my guest“-Reihe im alten Kursaal. „Gerade meine internationalen Gäste sind total begeistert von der Insel, sie vermuten in Deutschland weder die lockere Atmosphäre, noch so ein begeisterungsfähiges Publikum. Dazu noch die Gastronomie, der FKK-Strand, die Natur, und die hiesige Gastfreundschaft: super.“
Besonders gern spielt er mit David Kaplan, dem amerikanischen Pianisten aus List. Mit dem kann er besonders gut „Frage-Antwort“ spielen. „Ich spiele: Däääng-Däääng. Und David antwortet: Däääng-de-Däääng. Oder ich spiele: dädel-de-däng-däng-do. Und David antwortet: dädel-de-däng-däng-do-do-do. Das macht schon richtig Spaß. Am besten auf zwei Flügeln. Dann ist das ein richtiger Motor, eine richtige Maschine, das bringt dann richtig Bock. Deshalb macht man das.“
Jazz, Blues und Boogie-Woogie sind für Jo Bohnsack fester Bestandteil vom Sylter Lebensgefühl. Er hat auf vielen Bühnen der Welt gespielt. Aber am Schönsten ist es aber immer noch zuhause: „Das Sylt- Feeling ist einfach magisch.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen