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Sylter Rundschau

17. Oktober 2017 | 00:51 Uhr

"Miris Sylt" : Jetzt wirds bunt

vom

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 07:56 Uhr

Kleine Rückblende: Ende März. Wenige Plusgrade. Arktischer Nordwind. Dazu Schneegriesel, oder war’s Nieselregen? Egal. Beides eklig. Und das den dritten Tag unseres fünftägigen Sylt-Kurzurlaubes. Ganz ehrlich: Da jagt man eigentlich nicht mal einen Hund vor die Tür. Ein Spaziergang länger als zehn Minuten? Unvorstellbar. Es sei denn ,man will sich für etwas bestrafen. Wobei meine Oma immer gesagt hat, dass eisiger Wind gut für den Teint ist. Dann lieber blass um die Nase.

Wir waren bereits in der Sauna der Sylter Welle, zum Sport und zur Massage im Syltness-Center, im Kino und wir hatten uns DVD’s ausgeliehen. Langeweile machte sich breit, beste Voraussetzungen also, Carsten zu einem ausgedehnten Shoppingbummel zu überreden. Er hat sich aufgrund der für ihn mangelnden Alternativen auch nicht gewehrt. Shopping- in diesem Fall für ihn allemal besser, als Beauty Daniel Craig ("Mein Name ist Bond, James Bond.") und meine Schwärmerei ("Er hat so wunderschöne blaue Augen.") in der Wiederholung der Wiederholung ertragen zu müssen. Also los.

So grau mir an diesem Tag die Westerländer Innenstadt vorkam, so kunterbunt waren ihre Schaufenster. Was selbst meinen bis dato sehr einsilbigen Ehemann ohne Modestudium zu dem Satz des Tages hinriss: "Der Sommer wird bunt." Sie müssen dazu wissen: Er stand auch direkt vor einem Ständer mit Jacken in knallblau, -grün, -orange, -pink und -gelb. Sehr hübsch. Wir also rein. "Ich würde gerne eine dieser bunten Jacken probieren. Und zwar die grüne." "Oh, da bin ich mir nicht sicher, ob ich die noch in ihrer Größe habe. Das ist schließlich die beliebte Sommerdaune. Die waren ganz schnell vergriffen", erklärte die Verkäuferin. SOMMERDAUNE. Großartiges Wort, großartige Erfindung. Diese Bezeichnung muss sich definitiv ein Insulaner ausgedacht haben. Sie impliziert "etwas Warmes für den Sommer, in dem auch gern mal eine kühle Brise weht". Auf diese Idee hätte ich, die Mutter aller Frostköttel, auch kommen können. Die Jacke war glücklicherweise noch in meiner Größe da, sagte sofort "Mama" zu mir und verschwand in der Tüte, die Carsten netterweise trug. Im nächsten Geschäft fand ich eine zitronengelbe Röhrenjeans.

"Dieser Sommer wird bunt", pries die Verkäuferin die Hose an. Wir grinsten. Vor der Tür fragte Carsten zögerlich: "Du wirst Hose und Jacke aber nicht zusammen anziehen?" Was für eine Frage. Natürlich wollte ich das. Meine Warnung, dass ich jetzt noch orangefarbene Turnschuhe suche, nahm er vorerst als Gag hin - bis ich sie schließlich fand und sie in der dritten Tüte verschwanden. Was für ein schöner und erfolgreicher Tag. Also für mich.

Abends erklärte ich Carsten, dass man das Mischen bunter Farben in Fachkreisen "Colour Blocking" nennt. So hatte dieser Tag für ihn wenigstens noch einen gewissen Lerneffekt.

Ich konnte es kaum abwarten, meine Errungenschaften zu tragen. Endlich weg mit den tristen dunkelblauen, grauen und schwarzen Klamotten und rein in die Bonbon-Farben. Jetzt, einen Monat später, schlendere ich erneut mit Carsten durch die Friedrichstrasse. Selbstverständlich in meiner grasgrünen, kuschelig warmen SOMMERDAUNE, meinem neuen "Liebling". Uns kommen Menschen in knallorangefarbenen und zitronengelben Jacken entgegen. Und ja: Sie tragen zudem bunte Hosen und Mützen. Und das, obwohl sie weder den holländischen Thronwechsel feiern, noch fest angestellte Postmitarbeiter sind.

Noch am gleichen Tag kauft Carsten sich eine grüne Hose und neongrüne Turnschuhe. Es wurde ihm zu bunt.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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