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Strandgut : Jetzt sind die guten, alten Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der wöchentlichen Glosse hat sich Frank Deppe Gedanken gemacht über Sylts Zukunft.

Sylt, quo vadis? Diese Frage quält uns heute mehr denn je. Da ist es angebracht, sich einmal Rat vom Fachmann zu holen: Von einem examinierten Wahrsager. Sein Weitblick reicht bis ins Jahr 2030 hinein, und die Erkenntnisse werden hier dokumentiert. In 16 Jahren sprechen wir uns dann nämlich wieder, guter Mann. Unterirdisch soll es auf unserem Eiland demnach 2030 nicht nur im Wenningstedter Denghoog, sondern auch anderweitig werden. Nachdem selbst sechsspurige Umgehungsstraßen und vierspurige Fahrradwege den rollenden Massen nicht mehr Herr wurden, sind die Sylter stolz auf die Rückkehr der guten, alten Inselbahn in Gestalt der modernsten U-Bahn Nordeuropas. Land und Bund spielen uns hingegen übel mit: Sie möchten für den Küstenschutz nicht länger in die Tasche greifen und bürden den braven Syltern einen Eigenanteil von 90 Prozent auf. Wir suchen nach kreativen Auswegen. In Hörnum etwa wird bei einer Haustür-Sammlung um Spenden gebeten. An die 20 Sack Sand kommen zusammen und werden vom Bürgermeister an der Odde ordnungsgemäß vorgespült.

Das Westerländer Kurzentrum gibt es nicht mehr. Stattdessen steht da ein Wolkenkratzer mit 72 Stockwerken nebst Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach und Swinger-Club im Keller. Doch es gibt durchaus noch einige Kulturdenkmäler zu sehen. In der Strandstraße zum Beispiel steht ein Haus aus dem Jahre 1996, das just unter Denkmalschutz gestellt wurde. List ist inzwischen eine Hallig. List heißt jetzt auch nicht mehr List, sondern Hallig Gosch. Am Hallighafen steht der Namenspate wie eh und je hinterm Verkaufstresen seinen Mann. Inzwischen besitzt er 470 Filialen, unter anderem in Archsum hinterm Deich, im Basislager des Mount Everest sowie in Cayenne (Französisch-Guyana). War sonst noch was? Ja. Einheimische sucht man 2030 leider nahezu vergebens. Sie sind fast restlos ausgewandert, nachdem auch das letzte Haus verkauft wurde und sich die Monatsmieten für eine Zwei-Zimmer-Wohnung (50 Quadratmeter, Sylter Maß) bei 6000 Euro eingependelt haben. Einzig in Morsum soll es noch einen aufrechten Friesen geben. Er wurde unter Naturschutz gestellt. Und die Moral der Geschicht? Jetzt sind die guten, alten Zeiten, nach denen wir uns in einigen Jahren wohl zurücksehnen werden.

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erstellt am 04.Mai.2014 | 13:22 Uhr

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