Blick in die Sylter Natur : Jetzt rasten die Zugvögel auf Sylt

Die unterschiedlichen Landschaftstypen machen die Insel so attraktiv für die Zugvögel. Das Rantum-Becken ist ideal für Beobachtungen.

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25. September 2020, 20:02 Uhr

Sylt | In diesen Wochen tanken Zehntausende von Sylt-Gästen ihre Kraftreserven auf, um auf eine weite Reise zu gehen. Sie schlafen im Freien, zahlen keine Kurtaxe und sind dafür ziemlich verfressen. Tatsächlich handelt es sich nicht etwa um unerwünschte Nassauer, sondern um gefiederte Gäste, die von Skandinavien, Sibirien und anderen Gebieten kommend auf ihrem Weg nach Afrika auf der Insel Rast einlegen. Es ist die Zeit des Vogelzugs.

Dank ihrer exponierten Lage bietet die Insel Sylt dieser Tage besten Anschauungsunterricht für ein globales Phänomen: Zu jedem Wechsel von der kalten zur warmen Jahreszeit oder umgekehrt gehen in aller Welt schätzungsweise 50 Milliarden Zugvögel auf Reisen. Jede Vogelart hat dabei ihren ganz persönlichen Zugrhythmus, also eine innere Uhr, die genau angibt, wann die Zeit zum Aufbruch gekommen ist.

Es seien die unterschiedlichen Landschaftstypen, die Sylt so attraktiv für die Zugvögel machen, weiß man bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt (NSG) in Braderup. Und die in Hörnum beheimatete Schutzstation Wattenmeer verweist dabei insbesondere auf das Wattenmeer, „wo sich zahllose Vögel Fettpolster für den Weiterflug anfressen“.

Um die Brut- und Rastplätze zu schützen, sind einige sensible Bereiche auf Sylt für Zweibeiner temporär gesperrt
Deppe
Um die Brut- und Rastplätze zu schützen, sind einige sensible Bereiche auf Sylt für Zweibeiner temporär gesperrt

Während Gänse und Enten das Gros bilden, kann man auf Sylt mit Glück aber auch die seltenen Uferschwalben und Dunklen Sturmtaucher ebenso beobachten wie stattliche Fischreiher und Kormorane auf der Durchreise. Besonders großen Appetit entwickeln die kleinen Knutts. Kein Wunder, denn nach Non-Stop-Flügen von bis zu mehreren tausend Kilometern kommen sie ausgehungert im Wattenmeer an und verdoppeln innerhalb von vier Wochen ihr Gewicht nahezu, um dann weiter zu ziehen.

Wo aber lassen sich die Vogelschwärme am besten beobachten? Das lohnendste Sylter Areal ist das eingedeichte Rantum-Becken, das mit seiner Größe von 560 Hektar zu den größten Vogelschutzgebieten Deutschlands zählt.

Aber auch der Ellenbogen in List, das Keitumer Kliff und die Hörnum-Odde sind ideale Beobachtungspunkte.
Ohnehin ist Sylt ein Paradies für gefiederte Genossen – und für Ornithologen.

Kaum anderswo in Deutschland ist die Artenvielfalt so immens: Insgesamt 320 Vogelarten konnten bislang nachgewiesen werden, 240 davon regelmäßig, von denen wiederum 90 auf Sylt sogar brüten.

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