Sandaufspülungen auf Sylt : Jetzt doch: Mehr Schutz für Sylts Südspitze

Bei der Strandbereisung wurde deutlich gemacht, wo auf der Insel Sand aufgespült wird.
Bei der Strandbereisung wurde deutlich gemacht, wo auf der Insel Sand aufgespült wird.

1,3 Millionen Kubikmeter Sand werden in diesem Jahr vor Sylt aufgespült. Wo er genau hin kommt, wurde am Donnerstag bei der Strandbereisung gezeigt.

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20. März 2014, 18:55 Uhr

Sylt | Ein kleiner Junge winkte begeistert, als er Donnerstag die Auto-Kolonne auf Höhe der Hörnum Odde an sich vorbei fahren sah. Auf zehn Autos verteilt saßen knapp zwei Dutzend Küstenschützer, Vertreter aus den Gemeinden und dem Landschaftszweckverband (LZV). Grund für den Ausflug an der Westküste war die jährliche Sylter Strandbereisung, bei der der Zustand der Strände und Dünen begutachtet wurde.

Sowohl für die Wenningstedter als auch für die durch die Sturmfluten des vergangenen Winters arg gebeutelten Hörnumer gab es nette Überraschungen: Wenningstedt bekommt nach Jahren erstmals wieder eine Sandaufspülung und das Tetrapoden-Längswerk im Inselsüden wird zum Schutz der Odde nicht nur um 150 Meter, wie angekündigt, sondern um zirka 400 Meter nach Süden verlängert.

Bevor es mit den Geländewagen an den Strand ging, überreichte Dirk Rasenack, Initiator der Aktion „Rettet die Sylter Südspitze“, 3700 Unterschriften an Dietmar Wienholdt, Abteilungsleiter der Obersten Küstenschutzbehörde des Landes. „Wir sagen danke für die in der Vergangenheit geleistete Küstenschutzmaßnahmen bei uns in Hörnum“, betonte Dirk Rasenack. Dennoch erhoffe er sich noch mehr – vor allem, dass wenigstens ein Stück der Odde gerettet werde.

Der Forderung der Intitiative rund um Rasenack, das Tetrapoden-Querwerk abzutragen, erteilte Dietmar Wienholdt jedoch eine klare Absage. „Mit der Verlängerung des Längswerks greifen wir schon massiv in die Natur ein, glauben aber, dass wir mit den Auswirkungen gut leben können.“ Damit spielt er auf den Erosionspunkt an, der dann zwangsläufig Richtung Südspitze wandert und dort demnächst Schäden verursachen wird. „Wir geben nicht die gesamte Hörnum Odde auf, aber ein Teil wird den Naturgewalten überlassen“, fügte Manfred Uekermann, Vorsitzender des LZV aus. Die kritischen Töne, die bislang aus Hörnum gegenüber dem Landesbetrieb Küstenschutz angeschlagen wurden, hörten sich gestern deutlich gemäßigter an: „Alles können wir nicht erreichen, was wir wollen, aber ich denke mit dem Vorschlag jetzt können wir gut leben“, so Bürgermeister Rolf Speth. Man müsse die Entwicklung an der Südspitze genau im Blick behalten und wenn die negativen Auswirkungen an irgendeinem Punkt zu stark werden, müsse man andere Maßnahmen ergreifen.

 

Arfst Hinrichsen, Fachbereichsleiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) für Sylt, zeigte anhand von Vermessungsdaten, dass der Sand, der einmal im System Sylt ist, nicht verloren geht. „Der Sand im Westen Hörnums verlagert sich nach Süden, der von Süden verlagert sich weiter Richtung Hafen. Der verschwindet nicht einfach.“ Wenningstedt sei dafür auch ein gutes Beispiel. „Die Gemeinde hat lange nichts bekommen, weil sie von den Kampener und Westerländer Vorspülungen profitierte.“ Jetzt allerdings sei der Klifffuß auf Höhe des Strandrestaurants „Wonnemeyer“ freigelegt, deshalb werden dort im Sommer 150.000 Kubikmeter Sand aufgespült.

Zweidrittel der Sylter Westküste haben unter den Winterstürmen stark gelitten. Teilweise ist der Strand sehr flach geworden, so flach, dass das Wasser bei jeder Flut bis an die Abbruchkante der Vordünen reicht. Überhaupt gibt es kaum noch Bereiche, in denen die Dünen einen natürlich Auslauf zum Strand haben. Kilometerlang ziehen sich teilweise bis zu sechs Meter hohe Abbruchkanten die Küste entlang.

Der Bereich Klappholttal wurde von Arfst Hinrichsen lobend hervorgehoben. Tatsächlich hat der Strand dort etwas von der  dänischen Nachbarinsel Röm und wäre ideal geeignet für Strandsegler. In List dagegen „stehen wir am Abgrund“, so Hinrichsen augenzwinkernd. Die Einbuchtung zwischen FKK- und Textilstrand hat sich deutlich weiter ausgebildet, so dass es auch als Nadelöhr beschrieben werden könnte. Neue Sandfangzäune wurden gesetzt und sanden bereits zu. Weitere sind in Arbeit. 160.000 Kubikmeter Sand werden dort in diesem Jahr aufgespült.

Der Neubau der völlig zerstörten Strandtreppen im Süden der Insel geht voran.
Der Neubau der völlig zerstörten Strandtreppen im Süden der Insel geht voran.
 

Einige längst in Vergessenheit geratene Holzbuhnen, weil immer von Sand bedeckt, wurden durch die Sturmfluten im Winter freigespült. Kein Grund betrübt zu sein, findet Arfst Hinrichsen. Diese, wie vor dem Söl’ring Hof zu sehen, seien aus dem vorletzten Jahrhundert. Das bedeute, dass das Strandniveau jetzt gerade mal den Stand von damals habe und deshalb kein Grund zur Besorgnis bestehe. „Der Strand hier ist zwar zu tief, aber wir haben noch einiges an Vordünen, so dass die Randdünen nicht gefährdet sind.“ Letztere bilden die Linie, die es aus Sicht der Küstenschützer zu halten gilt. Der Sand oder auch die Dünen im vorderen Bereich dienen als Puffer und sind quasi dazu da, vom Meer weggespült zu werden.

Für 2015 ist vor Rantum eine Vorstrandaufspülung geplant. Dabei wird der Sand nicht auf den Strand gespült, sondern vor das Riff, dass zirka 400 Meter vor der Westküste liegt. Durch den natürlichen Meeresstrom wird der Sand im Laufe der Zeit dann am Rantumer Strand ankommen. Vorteil dieser Maßnahme: Sie ist deutlich kostengünstig.

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