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Serie Sylter Sammler : Jede Tasse hat ihre eigene Geschichte

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Freundinnen Maike Sieglinski und Gitta Benzien haben eine ganz besondere Leidenschaft für Tassen. Allerdings dürfen es nur bestimmte Exemplare sein.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 05:36 Uhr

Nagellack-Fläschchen, Knöpfe, Fingerhüte: Sammeln kann man so ziemlich alles. Neben den klassisch bekannten Leidenschaften für Briefmarken, Münzen und Modellautos gibt es Sammler, die ihr Herz an Plastiktüten, Mickey-Mouse-Figuren, Kronkorken oder antike Schnupftabakdosen verloren haben. Der Wert einer Sammlung ist dabei oft ideell, in anderen Fällen muss für ein Objekt der Begierde aber auch mal tief in die Tasche gegriffen werden. Die Sylter Rundschau widmet sich in einer Serie den Sammelleidenschaften der Insulaner und ruft alle Sammelwütigen auf, sich zu melden und ans Licht zu holen, was sich in den Kisten, in den Kellern oder in den Vitrinen befindet.

 

Maike Sieglinski und Gitta Benzien sind Mugger. Dabei handelt es sich nicht etwa um Figuren aus einem Harry-Potter-Roman oder um Fans einer bestimmten Musikrichtung. Mugger sind Sammler sogenannter Mugs von Starbucks, den großen Tassen der Kaffeekette. Es gibt von diesen Bechern verschiedene Serien, die beliebteste ist laut der beiden Freundinnen allerdings die Icon-Serie. Das besondere: Die Tassen mit den aufgedruckten Orts-, Regionen- oder Ländernamen gab es immer nur in den Städten mit ihrer Aufschrift zu kaufen und - da es seit 2013 eine neue Serie gibt - werden die Tassen nicht mehr produziert.

„Immer wenn es eine neue Serie gibt, wird die Produktion der alten Serie eingestellt. Umso schwieriger wird es für uns natürlich Woche für Woche und Monat für Monat die Serie vollständig zu bekommen“, erzählt Benzien. Von der beliebten Icon-Serie hat sie bereits 359 von insgesamt 385 Exemplaren. „Teilweise sind die Tassen sehr sehr schwer zu beschaffen“, erzählt sie, „zum Beispiel gibt es auch Tassen von amerikanischen Air-Bases, auf denen es Starbucks gibt, wie zum Beispiel im japanischen Sapporo. Um an so eine Tasse zu kommen muss man schon einen amerikanischen Soldaten kennen, der dort stationiert ist.“

Maike Sieglinski hat es bisher auf 275 Tassen der Icon-Serie geschafft. Sie war auch diejenige, die ihre Freundin mit der Sammelwut angesteckt hat: „Ich habe zwar schon 1996 die ersten Starbucks-Tassen gekauft“, erzählt sie begeistert, „so richtig los ging es dann bei mir aber erst 2005.“


„Ihr habt nicht alle Tassen im Schrank“


 

Als sich die beiden Frauen ein Jahr später kennenlernten, wunderte sich Benzien zunächst etwas über die Sammelleidenschaft ihrer guten Freundin. Sie gab ihr dann aber einen entscheidenden Tipp: „Ich wollte mir aus einem Türkeiurlaub eine Tasse mitbringen und habe einfach keine gefunden. Also sagte mir Gitta: ‚guck doch mal auf Ebay‘“, erzählt Sieglinski, Ab da war dann auch das Interesse der Freundin geweckt, die prompt eine Tasse aus Kenia haben wollte, weil die Freundinnen dort einmal gemeinsam Urlaub gemacht haben. „So fing meine Leidenschaft eigentlich an“, erzählt Benzien, „ich wollte zunächst von meinen Reisen die Tassen mitbringen um eine Erinnerung zu haben. Als ich dann aber sah, wie viele andere schöne Tassen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt es noch gibt, wollte ich auch diese haben.“

Dass sie „nicht alle Tassen im Schrank haben“ hören die beiden von Freunden und Bekannten öfters. Dennoch helfen ihnen die meisten, ihre Sammlung zu vergrößern und bringen von Reisen die für die Freundinnen so wertvollen Tassen mit. „Sobald man hört, dass jemand in ein anderes Land fährt, fragen wir sofort, ob sie uns nicht eine Tasse mitbringen können.“

Um aber auch an Tassen zu kommen, die nicht so leicht zu beschaffen sind, sind die beiden in das Tauschgeschäft bei Facebook eingestiegen: In dem sozialen Netzwerk gibt es zahlreiche Gruppen, die untereinander die Tassen durch die ganze Welt schicken - natürlich nach bestimmten Mug-Verordnungen gut verpackt. Benzien, die selbstständig ist und mit dem MedContour Sylt eine Praxis für Medical Wellness in Wenningstedt hat, war zwischenzeitlich sogar bekannt als „Mug-Kontor Nord“, weil sie von Sylt aus etliche Tassen aus Aarhus verschickt hat und dafür im Tausch Tassen von anderen Sammlern aus aller Welt erhielt.

Für die Freundinnen erzählt jede Tasse ihre eigene Geschichte, „auch wenn die Motive schön sind, sind sie für uns gar nicht so wichtig“, stimmen beide überein, „aber wir wissen bei jeder Tasse, woher sie kommt und wie sie zu uns gelangt ist. Besonders die Tassen, die man selbst am Urlaubsort gekauft hat, bekommen so einen besonderen Wert.“

Dass sich die Sammelei lohnt, hat besonders Maike Sieglinski erfahren: Über ein Mugger-Forum hat sie ihren Freund, ebenfalls ein begeisterter Tassensammler, kennen- und lieben gelernt. Ohne ihre gemeinsame Leidenschaft hätten sich beide sonst wohl nie getroffen.

 

Sammeln Sie auch etwas, oder kennen Sie jemanden, dessen Herz für eine besondere Sammelleidenschaft schlägt? Melden Sie sich bei uns unter redaktion.sylt@shz.de oder der Telefonnummer 04651/98141384.

 

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