Serie Sylter Köpfe : Jan Finke – der Mann für die Sylter Dächer

Jan Finke und das Reet.
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Jan Finke und das Reet.

In der Serie Sylter Köpfe geht es um den Reetdachdecker, der den Inselhäusern immer wieder neuen Chic verleiht.

shz.de von
31. Januar 2015, 06:00 Uhr

Kein Zweifel: Dieser Mann steckt voller Tatkraft, Fachkompetenz und Engagement. Im Gespräch mit ihm wird das auf Anhieb schon an seiner Sprache deutlich. Wohl überlegte Sätze, bündig und knapp, transportieren dennoch eine Fülle an Informationen sowie vor allem einen durch Reflexion und berufliche Übung fundierten Standpunkt. Ihn aus dem Konzept zu bringen, das fällt schwer. Wenn überhaupt...

Die Rede ist von Jan Finke, Sylter Dachdeckermeister und Besitzer der seit drei Generationen auf der Insel tätigen Reetdachdeckerei gleichen Namens. Der 37-Jährige begann 1993 auf der Insel bei der Firma Gutschmidt seine Lehre, setzte sie bei einer festländischen Firma fort, um 1996 nach erfolgreich abgelegter Prüfung im väterlichen Bedachungsbetrieb als Geselle einzutreten. Nur folgerichtig, dass der junge Mann im Jahre 2000 den Weg nach Lübeck auf die dortige Meisterschule für das Dachdeckerhandwerk einschlug. Nach dem erfolgreichen Abschluss führt er seine renommierte Firma, die gegenwärtig 20 Mitarbeiter zählt. Sie ist sowohl im Westerländer Gewerbegebiet (mit großem Lager, Werkstatt und Fuhrpark) als auch in der Kampener Alten Dorfstraße mit einem schmucken Büro vertreten.

Nicht von ungefähr scheint die Platzierung des Firmenbüros in Kampen zu sein. Die gemeindliche Ortsgestaltungssatzung sieht bei Neubauten neben Sprossenfenstern und Rotstein eine Reetbedachung zwingend vor. „Uns wird deswegen in Zukunft die Arbeit nicht ausgehen,“ bekennt Finke freimütig. Und zum ersten Mal huscht dabei ein zaghaftes Lächeln über sein Gesicht. Im gleichen Atemzug verweist er auf Braderup, Wenningstedt oder gar auf Keitum – Orte mit vergleichbaren oder doch begrenzteren Satzungen bezüglich der Ortsgestaltung und -bebauung.

Was Besuchergruppen bei insularen Busrundfahrten oder Ortsführungen allwöchentlich von den Inselführern vermittelt wird, bestätigt der Fachmann aus berufenem Mund. Etwa den ökologischen Wert einer Reetbedachung beim friesischen Langhaus in seiner tradierten Bauweise (offener Boden bei lediglich einer Räumlichkeit, der Kapitänsstube). Oder die Haltbarkeit des Daches, die aus guter Überzeugung für eine Generation (30 – 35 Jahre) gelten kann. Finke: „Dann muss die kommende Generation für ein neues Dach sorgen“. Aber richtig ist auch, dass die dem Wetter entgegengesetzten Dachseiten gut eine Lebensdauer von 70 Jahren erreichen können. „Aber generell kann man das nie sagen,“ so der Fachmann, „denn jedes Haus ist ja anders. Es kommt eben auf die Lage an.“ Die von Sylt-Besuchern gerne und gezielt gestellte Frage nach den Kosten solch einer Bedachung, beantwortet er ebenso gezielt: „Das ist ähnlich teuer wie die Bedachung mit Naturschiefer!“

Klar, dass solch ein bodenständiger, mit Sylt fest und seit langem verwurzelter Betrieb so manches insulare Objekt unter seinen Fittichen hatte. Führe man kreuz und quer mit Jan Finke über die Insel, gäbe es von List bis in den Inselsüden der Haltepunkte viele. Neben den vielen Privatbauten darf hier so mancher insulare Fixpunkt, der fest und unnachahmlich zum Sylter Erscheinungsbild gehört, getrost genannt werden. Etwa die Kampener „Sturmhaube“, die Finke gegenwärtig neu eindeckt. Oder das „Altfriesische Haus“, das vor gar nicht langer Zeit ebenso zu seinen Baustellen zählte.

Ein leichtes Stirnrunzeln stellt sich ein, als das Gespräch auf den beruflichen Nachwuchs kommt. „Im vergangenen Jahr fanden wir keinen Auszubildenden, in diesem Jahr allerdings sieht es gut aus,“ erzählt der Firmenchef, der ausdrücklich auf die faire, tarifvertraglich festgeschriebene Bezahlung verweist. Hoffnungsvoll blickt er auch auf seinen mittlerweile 16-jährigen Sohn, der den Vater bereits hin und wieder auf die Baustellen begleitet.

Ob er denn selbst noch ab und zu wenigstens die Leiter erklimmt, um aufs Dach zu steigen? „Das kommt sehr, sehr selten vor,“ entfährt es ihm, denn dafür lässt die Arbeit im Büro mit ihrer stetigen Auftragslage fast kaum noch Zeit. Schließlich sei seine Berufssparte „eine absolut krisenfeste“.

Für manches andere aber muss dann doch Zeit sein: Der in seiner Innung Organisierte nimmt, „wenn möglich und kein unzumutbarer Reiseaufwand damit verbunden ist“, an den entsprechenden Zusammenkünften teil. Nicht zu schade ist er sich auch, das sei hier ausdrücklich vermerkt, interessierten Sylt-Besuchergruppen auf Anfrage auf einer seiner vielen Baustellen quasi „aus erster Hand“ über die Reetdachdeckerei zu erzählen. Da scheint er in seinem Element zu sein, und es gilt zu vermuten, dass er mit Sicherheit einen guten, engagierten Ausbilder oder gar (Berufsschul-)Lehrer auf seinem Fachgebiet abgegeben hätte.

Bei gutem Wetter, günstigem Wind und wenn betriebliche Belange nicht im Wege stehen, dann führt es Jan Finke (nein, nicht wie jetzt manch einer vermuten würde: aufs Dach), sondern aufs Wasser. Er ist seit 20 Jahren passionierter Wellenreiter, ist Mitglied im hiesigen Surf-Club und weiß sich auch als Skater zu bewegen und fit zu halten.


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