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Image-Frage : Ist Sylt für Dax-Konzerne uninteressant?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Liegt’s an Wulff? Aufgrund von Sponsoren-Absagen für den Wirtschaftsgipfel stellen sich die Veranstalter die Frage, ob sich das Image von Sylt für Konzerne negativ verändert hat.

„80 Prozent der Dax-Unternehmen halten den Namen Sylt mittlerweile für problematisch“, so eine Sprecherin des Wirtschaftsgipfel-CRM-Events. Seit 2009 lockte der Wirtschaftskongress im Rantumer Dorfhotel viele Führungskräfte auf die Insel und reizte damit etliche Konzerne, als Sponsor der Veranstaltung aufzutreten. Doch nun scheinen andere Zeiten angebrochen zu sein. „Für den Wirtschaftsgipfel 2014 haben uns alle DAX-Unternehmen eine Absage erteilt und auf Compliance-Konflikte verwiesen.“ „Compliance“ – das ist ein Begriff für die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen. Im Klartext hätten die Konzerne Sylt damit intern als Amigo-Insel, oder No-Go-Area gebrandmarkt. Haben der umstrittene Aufenthalt des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff oder die Diskussion über die Fluggastabgabe, wie der Veranstalter vermutet, dem guten Image der Insel geschadet?

„Mir ist von einer solchen Entwicklung nichts bekannt“, sagt dazu der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Carsten Kerkamm (CDU). Das große Sponsoreninteresse am Windsurf World Cup beweise genau das Gegenteil dieser Vermutung: „Die Veranstaltung war größer und stärker als je zuvor.“ Auch im Sylter Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hält man Befürchtungen über ein neues Negativ-Image für nicht richtig. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sylt in deutschen Unternehmen ein schlechtes Standing hat, viele Führungskräfte kommen ja auch regelmäßig privat auf die Insel“, so die Einschätzung des Dehoga-Vorsitzenden Stephan Beck. Ein Malus sei hingegen die schlechte Fluganbindung, räumt der Gastronom ein.

Befragt man nun einige der angesprochenen Dax-Unternehmen über ihr Verhältnis zu Sylt, so geben die Rückmeldungen wenig Grund zur Sorge. So etwa bei der Daimler AG in Stuttgart. Die Autobauer verweisen auf gute Beziehungen zur Nordseeinsel: „Wir haben diesen Sommer auf Sylt das neue Mercedes-Benz E-Klasse Cabrio und Coupé vorgestellt. Zudem haben wir eine fortlaufende Kooperation mit der Sansibar“, so Tobias Müller, Leiter Lifestyle-Kommunikation bei Mercedes-Benz.

Auch bei Siemens und Volkswagen hat man keine Insel-Scheuklappen auf: Die zwei im Dax gelisteten Konzerne traten bereits als Sponsoren auf Sylt in Erscheinung. Als Beleg für die neue Haltung gegenüber der Insel, geben die Veranstalter des Wirtschaftsgipfels an, die Telekom habe mitgeteilt, dass Mitarbeitern aus Compliancegründen Dienstreisen nach Sylt verboten seien. Bei der Telekom reagiert man auf solche Aussagen eher irritiert und dementiert die Existenz dieser Reiseverbote umgehend: „Eine solche Regelung gibt es nicht“, stellt Philipp Blank, Telekom-Sprecher für die Bereiche Corporate Issues, Regulierung Festnetz, Datenschutz und Datensicherheit klar.

Auch bei Verbänden aus Schleswig-Holstein hat das Sylt-Bild in den letzten Jahren offenbar keinen erkennbaren Schaden genommen: So kamen die Mitglieder der Zahnärztekammer in diesem Jahr bereits zum 54. Mal auf Sylt zusammen. „Die Veranstaltung ist regelmäßig sehr früh ausgebucht.“

Aufgrund der schleppenden Buchungen hatten die Veranstalter des Wirtschaftsgipfels die Gemeinde jetzt um Werbe-Hilfe gebeten (wir berichteten). Auch die Sylter Unternehmer und Dehoga trafen sich zu einer Sondersitzung, um über Vermarktungsstrategien für die Veranstaltung zu beraten.



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erstellt am 12.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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