zur Navigation springen

Almedalen auf Sylt : Ist die Insel nicht reif für Politikfestival?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Veranstalter kritisiert Ordnungsamt und Tourismus-Service. Bürgermeister und ISTS-Chef weisen Vorwürfe zurück.

von
erstellt am 02.Feb.2017 | 04:15 Uhr

Das für Anfang Juli erstmals in Deutschland geplante Politikfestival nach dem Vorbild der schwedischen Veranstaltung „Almedalen“ (wir berichteten) wird nicht auf Sylt stattfinden. „Wir haben uns mehrere Orte angesehen und mit den Bürgermeistern und Tourismusleitern gesprochen“, teilte Veranstalter Lutz Meyer von der Berliner PR-Agentur „Fullberry“ gestern der Sylter Rundschau mit. „Jetzt ist unsere Entscheidung gefallen: Sylt wird nicht Ort der Deutschland-Sommer-Veranstaltung.“ Unter dem Titel „Das Fest der Demokratie“ sollen an einem Wochenende mehrere Tausend Besucher mit prominenten Vertretern politischer Parteien sowie aus Wirtschaft und Medien zusammentreffen und in einen offenen Meinungsaustausch treten.

Laut Lutz Meyer sprechen vier Gründe gegen Sylt und hätten seiner Einschätzung nach die Durchführung des Politikfestivals auf der Insel unmöglich gemacht. Als Erstes nennt der PR-Manager „übertriebene Auflagen“ des Ordnungsamtes: „Wenn auf Sylt sogar Fluchttreppen ins Meer gebaut werden müssen, ist in der Ordnungsbehörde etwas aus dem Ruder gelaufen. Für uns Veranstalter bedeutet das unkalkulierbare Risiken und Kosten.“ Des Weiteren gebe es zu wenig freie Betten am Beginn der Hauptsaison, außerdem würden seitens des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) zu hohe Gebühren für die Nutzung öffentlicher Flächen wie zum Beispiel auf der Westerländer Kurpromenade gefordert. Meyer kritisiert auch, dass insgesamt das Preis-Leistungsverhältnis an vielen Inselorten nicht mehr stimme. „Ein Fisch in Selbstbedienung für 40 Euro und Personal aus Südosteuropa, das kein Wort deutsch spricht: Das passt nicht zusammen, und auch nicht zu Sylt.“

Er hätte sowohl mit Bürgermeister Nikolas Häckel als auch mit ISTS-Chef Peter Douven, aber ebenso mit „ausgewählten Politik-Vertretern“ der Insel gesprochen. „Dabei gab es ein gutes Feedback und von vielen auch ein Welcome auf Sylt“, so Meyer, „das konnte jedoch die Hindernisse, vor allem des Ordnungsamtes, nicht aufheben.“ Stattfinden solle das erste deutsche Politikfestival diesen Sommer aber auf jeden Fall – der Austragungsort würde in vierzehn Tagen bekanntgegeben.

Nikolas Häckel widerspricht den Vorwürfen des Veranstalters: „Es gab bislang mangels konkreter Planung und politischer Meinungsbildung keinen Kontakt mit meinem Ordnungsamt, also auch keine Auflagen des Ordnungsamtes“, so der Sylter Bürgermeister gegenüber der Sylter Rundschau. Auch habe es seitens der Verwaltung keine Aussagen zu Sondernutzungsgebühren öffentlicher Flächen gegeben. In wieweit der ISTS als GmbH Flächen zur Bewirtschaftung abgebe, sei allgemeine Geschäftstätigkeit in Verantwortung der Gesellschaft. „Soweit ich weiß, hatte Herr Meyer nach meinem einzigen Auftaktgespräch Kontakt zu Sylter Touristikern – die dortigen Statements sind jedoch keine Aussagen meines Hauses oder der Ordnungsbehörde“, erklärte Häckel weiter. „Ich habe Herrn Meyer aufgefordert, dies in seiner Öffentlichkeitsarbeit zu beachten und keine alternativen Fakten zu kommunizieren.“

Der Bürgermeister äußerte allerdings auch sein Bedauern, dass „ein so gutes Projekt“ an zu kurzer Vorbereitungszeit und viel zu wenig Abstimmungsgesprächen gescheitert wäre. „Die Entscheidung, wollen wir so ein Politikfestival, ist der Gemeinde, ist der Politik nun durch andere Akteure abgenommen worden – schade.“

ISTS-Chef Peter Douven erklärte auf Anfrage: „Da sucht ein Veranstalter einen ziemlich fragwürdigen Ausstieg, nachdem er feststellen musste, dass auf Sylt professionell gearbeitet wird. Offensichtlich ist man dort davon ausgegangen, dass hier beste Veranstaltungsflächen kostenfrei und mit keinen oder geringen Auflagen zur Verfügung gestellt werden.“ Die Treppenanlagen zum Surf World Cup ins Feld zu führen, sei „entlarvend“, da Lutz mitgeteilt worden sei, dass sie für punktuelle Diskussionsveranstaltungen zum Beispiel im Bereich der Musikmuschel nicht nötig wären.

Außerdem erhielten der ISTS oder andere Veranstalter erst dann Auflagen, wenn das Konzept prüffähig sei. „Davon kann keine Rede sein. Auch musste der Veranstalter offensichtlich überrascht feststellen, dass wir beteiligte Sponsoren kennen und genehmigen wollen, denn nicht jeder Sponsor passt in das jeweilige Umfeld“, so Douven. Über tatsächliche Kostengrößen wäre noch gar nicht gesprochen worden, weil es in Anbetracht eines fehlenden konkreten Konzeptes dafür viel zu früh gewesen sei. Für den ISTS-Geschäftsführer hinterlässt der „dünne Vorgang“ des geplanten Politikfestivals nur „den Eindruck einer unausgereiften Geschäftsidee“.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen