Polizei spricht von Serie : Internet-Betrug auf Sylt: Gäste für fremde Unterkunft abkassiert

Als Familie M. auf Sylt in der von ihnen gebuchten Wohnung ankam, war diese bereits belegt – von den rechtmäßigen Mietern,
Als Familie M. auf Sylt in der von ihnen gebuchten Wohnung ankam, war diese bereits belegt – von den rechtmäßigen Mietern,

Kriminelle kopierten Informationen von Sylter Appartement-Agenturen, täuschen Vermietung vor und kassieren ab.

shz.de von
03. August 2018, 05:40 Uhr

Für Familie M. aus dem Hamburger Umland begann der Sommerurlaub auf Sylt mit einem Desaster: Im Internet buchte das Ehepaar eine „traumhafte Doppelhaushälfte mit Sauna“, zwei Wochen für knapp 3000 Euro. Das Geld überwiesen sie vorab – da das nicht ungewöhnlich ist, machten sie sich darüber keine Gedanken.

Auf Sylt angekommen fuhren sie zu der angegebenen Adresse – doch trafen sie dort nicht auf den Vermieter, der mit dem Schlüssel auf sie wartete, sondern auf Mieter, die bereits in dem Objekt wohnten. So landeten sie irgendwann bei Rainer Frankenberg, dem 1. Vorsitzenden des Sylt Tourismus Verbands und dem echten Vermieter des Hauses. Und ihnen wurde klar, dass sie auf eine Betrugsmasche hereingefallen sind.

Betrüger lockt mit Preisnachlass

Wie sich nach einiger Recherche herausstellte, kopierte ein selbsternannter „Vermieter“, der sich „Ferienmeister Bergmann“ nannte, über einen längeren Zeitraum Fotos und Beschreibungen von Objekten verschiedener bekannter Sylter Agenturen aus dem Netz und füllte damit eine eigene Homepage. Bei einer Buchung wurde dem Gast ein zehnprozentiger Preisnachlass in Aussicht gestellt, sofern er den gesamten Reisepreis bereits vor Anreise überweisen würde. Ein Angebot, das auch Familie M. gerne wahrnahm.

„Auf diese Masche sind anscheinend zahlreiche Gäste hereingefallen“, sagt Rainer Frankenberg. „Vor Ort mussten sie dann feststellen, dass ihre Buchung ungültig und Herr Bergmeister nicht mehr zu erreichen war.“ Die Homepage ist mittlerweile aus dem Netz verschwunden nachdem Anzeige von verschiedenen Gästen erstattet worden ist. „Trotzdem ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Wochen noch Gäste anreisen werden, die bei ‚Ferienmeister Bergmann‘ gebucht haben“, so Frankenberg.

Auch der Sylter Kriminalpolizei sind solche Fälle bekannt. „Das ist eine ganze Serie“, sagt Erk Kessenich, stellvertretender Leiter der Kripo Sylt. Mehrere Urlauber hätten sich in diesem Jahr bereits betrogen gefühlt und Strafanzeige erstattet. Die Fälle seien auch nicht auf ein Portal beschränkt: „Scheinbar gibt es mehrere Personen, die auf dieser Welle reiten“, so Kessenich. Die Masche: Ferienhäuser werden im Internet mit einem Preisnachlass oder besonders günstig angeboten. Das Geld muss dann im Voraus auf meist ausländische Konten überwiesen werden. „Wenn die Gäste dann anreisen haben sie keine Unterkunft – außerdem ist das Geld weg“, so der Beamte.

Das Geld ist weg – aber wie schütze ich mich?

Es sei schwer, so ein Muster zu entlarven, weiß er. „Man könne vielleicht aufgrund der ausländischen Kontoverbindung stutzig werden“, allerdings gebe es auch sicherlich integre Vermieter, die in Holland, der Schweiz oder Österreich leben und von dort ihre Objekte privat vermieten. „Verallgemeinern kann man das also nicht“, sagt Kessenich. Dennoch: Bei einer ausländischen Bankverbindung sollten die Urlauber immer ein bisschen sorgfältiger prüfen, was das für eine Angebot ist und wer dahinter steckt. Vor allem, wenn es ein richtiges Schnäppchen ist. „Wer mit fünf Erwachsenen und zwei Hunden für eine Woche Sylt im Sommer 720 Euro bezahlen soll, der sollte skeptisch werden“, so Kessenich.

Der Polizist empfiehlt zudem, das Objekt, das man mieten will, zu googeln. „In einem angezeigten Fall gab es die angegebene Adresse gar nicht. Hier ist ein gesundes Misstrauen natürlich angebracht und die Frage, ob es das Objekt und auch den Vermieter überhaupt gibt.“

Den Geschädigten bleibt der Ärger und das verlorene Geld. Denn wenn der Betrag erstmal ins Ausland überwiesen ist, dann ist es weg, weiß Erk Kessenich. Und selbst, wenn der Verantwortliche des Kontos ermittelt werden kann, hat man so gut wie keine Möglichkeiten. Für die Gäste sei jedoch weniger das Geld, als vielmehr der immaterielle Schaden von Bedeutung: Der Urlaub ist weg und sie müssen oft direkt wieder nach Hause fahren, wenn sie nicht schnell eine neue Unterkunft finden.

Vorsicht bei Internetgeschäften

Die Betrugsmasche betrifft aber nicht nur Zimmervermietungen. Deshalb möchte Erk Kessenich bei allen Internetgeschäften zur Vorsicht raten. „Wir erleben enorme Zuwächse bei der Internetkriminalität. Die Leute überweisen blind viel Geld, obwohl sie nichts über den Menschen am Ende der Leitung wissen.“ Vorwürfe seien jedoch nur den wenigsten Geschädigten zu machen. „Die Seiten sind so professionell, da hat man wenig Chancen ein schwarzes Schaf zu erkennen“. Gerade aus diesem Grund müsse man ordentlich recherchieren, ob es sich um einen sicheren Geschäftspartner handelt. „Nur weil jemand im Internet schöne bunte Bilder hat, ist er nicht gleich vertrauenswürdig.

Für Familie M. war der Urlaub zum Glück nicht vorbei – auch wenn er um einiges teurer wurde, als geplant: „Wir konnten sie noch in einer freien Wohnung unterbringen“, sagt Rainer Frankenberg. „Aber den Preis dafür mussten sie natürlich voll bezahlen.“

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