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Flaggenlust auf Sylt : Insulaner hissen vor ihrem Haus gern die Syltflagge

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Draußen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: Ob Flagge oder Fahne, die bedruckten Stoffstücke sind auf der Insel sehr beliebt. Tier-und Piratenmotive werden auf Sylt gerne gehisst.

Sie flattern im Wind und sind oft schon von weitem zu sehen. Früher zeigten Flaggen vor dem Haus an, ob seine Bewohner daheim sind oder dienten auf See zur Anzeige der Nationalität. Auf Sylt weht heute vor fast jedem Haus ein Stück Stoff, einen offiziellen Zweck erfüllen die Flaggen allerdings nur noch selten. Weit verbreitet sind sie heute als Werbemittel oder Schmuck von Räumen und Gebäuden.

Besonders beliebt auf der Insel ist die Syltflagge mit dem Schriftzug „Rüm hart – klaar kiming“ (Weites Herz – klarer Horizont) auf der horizontalen Trikolore in Gold, Rot und Blau – der Flagge der Nordfriesen – sowie dem Fisch, sagt Silke Mazzurana, die in Westerland den „Flaggenshop-Sylt“ betreibt. Gemeinsam mit ihrem Mann Frank bietet sie seit 14 Jahren „die größte Flaggenauswahl im ganzen Norden“, wie sie sagt. Rund 4  000 Motive sind hier zu haben. Aber auch persönliche Wunschmotive, eigene Fotos, Familienwappen oder gemalte Bilder werden hier auf Ultra-Schiffsflaggentuch aus Polyester gedruckt.

„Jede Vorlage, die wir bekommen, fertigen wir an. Darauf sind wir spezialisiert“, sagt Mazzurana. Besonders skurril seien Bestellungen mit Fotos, die Liebespaare von ihrem Partner anfertigen lassen. Ob aus den USA, Australien oder Namibia: Aus der ganzen Welt würden die Menschen Flaggen im Online-Shop der Sylter bestellen. „Hühner und andere Tiere liegen gerade im Trend bei den Kunden“, sagt die Expertin. Aber auch Piraten-Flaggen – die ihr Mann zum Teil nach original historischem Vorbild anfertigt – würden gerne gekauft, die meisten von Touristen. Alle Flaggen werden in Deutschland produziert und fast alle Arbeitsschritte in der Werkstatt im Laden ausgeführt.

Zwischen 19,50 und 175 Euro kosten die Flaggen – je nach Größe der Stoffteile: 150 mal 90 Zentimeter ist die Standardgröße, zwischen insgesamt sieben Größen kann gewählt werden. Die Maße der Flagge müssen ganz genau auf den Mast abgestimmt sein, an dem diese später wehen soll. „Das sieht sonst sehr merkwürdig aus, wenn da so ein kleines Teil an einer sieben Meter Stange hängt“, sagt Mazzurana. Viele Leute würden sich beim Kauf zunächst verschätzen und eine zu kleine Flagge kaufen. Außerdem sollte der Fahnenmast nicht höher sein als das Haus, vor dem er steht.

Überall und unbegrenzt dürfen die meist farbenfrohen Teile auf der Insel aber nicht gehisst werden. Verboten ist es, Motive, die mit dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen, in die Luft zu ziehen. Beschwerden – zum Beispiel, weil die Flaggenbefestigung an den Mast schlägt und dadurch klappert, gebe es auf Sylt kaum, sagt Gabriele Gotthard, die Leiterin des Ordnungsamtes auf Sylt. „Zwei bis drei Mal ist das in den vergangenen Jahren vorgekommen – aber ansonsten läuft alles gut mit den Flaggen auf der Insel.“

Das Wort Flagge hat einen nordischen Ursprung und ist vermutlich im 17. Jahrhundert in England aufgekommen. Es stammt vom altnordischen Wort „flogra“ ab, was „flattern“ bedeutet. Um 1600, im Zuge der Entstehung von Nationalflaggen, hielt es in abgewandelter Form schließlich Einzug in den niederländischen und niederdeutschen beziehungsweise neu-niederländischen Sprachgebrauch und wurde so zur „vlag“ (niederländisch: „Schiffsfahne“).

Später wurde daraus im deutschen Sprachgebrauch dann Flagge. Eine weitere Herkunftvariante ist im alten sächsischen oder germanischen Wort Flaken oder Ffleogan zu suchen, was so viel wie „im Winde wehen“ bedeutet.

Wind und Regen zusammen sind der größte Feind der Flagge. Bei Starkwind und an einem Platz, an dem die Flagge bei jeder Windrichtung Angriffsfläche bietet, ist das Flatterding bis zu 70 Prozent früher „verbraucht“. Um die Lebensdauer zu verlängern, empfehlen Experten, die Flagge abends herunterzunehmen und erst morgens wieder zu hissen. „In jedem Fall muss eine Flagge oder Fahne ab Windstärke fünf eingeholt werden“, sagen die Flaggenshop-Betreiber.

Die Wörter Flagge und Fahne werden umgangssprachlich oft gleichbedeutend gebraucht. Eine Flagge ist im engeren Sinne ein Stück Tuch, das nach Verschleiß entsorgt und ersetzt werden kann, sie wird zu offiziellen Anlässen gehisst. Flaggen sind ersetzbar, sie werden in verschiedenen Größen und in hoher Stückzahl hergestellt. Eine Flagge wird oft an einem Mast oder Flaggenstock mit Leinen gehisst. Eine Fahne dagegen ist immer ein Unikat, sie ist ein Einzelstück (Truppenfahne, Vereinsfahne, Zunftfahne, Regimentsfahne). Die Fahne ist fest am Stock befestigt. In der Schweiz werden auch Flaggen „Fahnen“ genannt.

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erstellt am 05.Sep.2015 | 05:44 Uhr

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