Deutsche Bahn vor Rückkehr : Insider: Die NOB verliert die Sylt-Strecke

Die DB will zurück nach Westerland: Laut Branchenkennern wird sie künftig den Nahverkehr zwischen Hamburg und Sylt betreiben.
Die DB will zurück nach Westerland: Laut Branchenkennern wird sie künftig den Nahverkehr zwischen Hamburg und Sylt betreiben.

Künftig wird wieder die Deutsche Bahn den Personennahverkehr zwischen Hamburg und Westerland betreiben: Das glauben Branchen-Insider.

shz.de von
18. Mai 2015, 05:30 Uhr

Hamburg/Westerland | Fast 20.000 Menschen fahren jeden Tag mit einem Zug der Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg und Westerland. Seit 2005 betreibt das Unternehmen, ein Tochterunternehmen der Veolia-Verkehr, den Personennahverkehr auf dieser Bahnstrecke. Doch damit könnte bald Schluss sein: Laut Insidern und dem Branchenblatt Rail Business soll künftig wieder die Deutsche Bahn den Nahverkehr auf der 240 Kilometer langen Strecke übernehmen.

Ende Oktober vergangenen Jahres hatte das Land Schleswig-Holstein die Strecke europaweit ausgeschrieben: Die Verkehrsunternehmen Abellio, DB Regio und Nord-Ostsee-Bahn (NOB) hatten Angebote eingereicht, die von der zuständigen Nah.SH GmbH im Auftrag des Landes ausgewertet werden. Laut Branchenkennern hat die DB Regio dabei die Favoritenrolle eingenommen. Auch Rail Business schreibt: „Aus Bieterkreisen ist zu erfahren, dass DB Regio in Schleswig-Holstein für die Westküstenstrecke (Netz West) vorne liegt“. Abellio ist nach Angaben des Blattes auf dem zweiten Platz, die NOB abgeschlagen auf Platz drei. Auch Carsten Carstensen, Geschäftsführer des künftigen Syltshuttle-Betreibers Railroad Developement Deutschland (RDC) scheint sich sicher zu sein, dass die Entscheidung gefallen ist. Auf Facebook schreibt er: „Glückwunsch dem Gewinner der Ausschreibung, auch wenn ich persönlich auf einen Sieg meiner Ex-Kollegen von der NOB gehofft hatte.“ Im sozialen Netzwerk wurde der mögliche Wechsel von NOB zu DB gestern schon fleißig kommentiert – und nicht nur positiv gesehen: „Na dann wollen wir mal hoffen, dass es nicht ein Rückschritt in Sachen Dienstleitung wird. Unvergessen sind die Jahre vor der NOB und das war keine glorreiche Vorstellung der DB“, schreibt beispielsweise der Sylter Unternehmer Raphael Ipsen.

Inwieweit der aktuelle Kampf um den Autozug auch in die Vergabe der Marschbahn hinein spielt, ist momentan nicht ganz deutlich. Klar ist, dass die Deutsche Bahn ihre Position auf der Strecke – sowohl im Hinblick auf den Autozug, als auch im Nahverkehr – offenbar um jeden Preis halten oder verbessern will. Für eine Stellungnahme zum aktuellen Vergabeverfahren war dort gestern niemand zu erreichen.

Bei der NOB wollte man sich nicht ausführlich äußern: „Wir haben unser Angebot abgegeben und warten nun, dass das Land das Ergebnis der Ausschreibung verkündet. Welche Angebote die anderen Anbieter abgegeben haben, wissen wir nicht“, sagte ein NOB-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Die Nord-Ostsee-Bahn hatte die Strecke bei der ersten öffentlichen Ausschreibung des Landes im Jahr 2003 gewonnen, damals signalisierte das Unternehmen auch noch Interesse am Betrieb des Autozugs.

Ob der Zug für die NOB wirklich abgefahren ist, dazu wollte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Haase, gestern nichts sagen. Er verwies auf das noch laufende Verfahren. Nah.SH werde dem Ministerium in den kommenden Tagen einen Vorschlag unterbreiten, wie die eingegangenen Gebote zu gewichten seien, so Haase. Dieses „Ranking“ soll dann vom Verkehrsminister überprüft werden, danach werde über das Thema im Wirtschaftsausschuss beraten und anschließend entschieden, wer das Rennen auf der Marschbahn macht.

Dieses Unternehmen soll neben den bisherigen Verbindungen künftig auch Sprinterzüge an Sommerwochenenden fahren lassen, die die Strecke Hamburg- Westerland in gut zweieinhalb statt gut drei Stunden bewältigen können. Für die Fahrzeuge, die der künftige Betreiber einsetzt, hatte das Land vorab eine gesonderte Ausschreibung gestartet, die das Hamburger Unternehmen Paribus gewonnen hat. Paribus soll die bisherigen Reisezugwagen übernehmen und neue Dieselloks (Typ Bombardier)und Triebwagen beschaffen, die das Unternehmen dem Betreiber zur Verfügung stellt.

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