Circus Mignon : Inselcircus auf Sylt macht sich bereit für Saisonstart

Martin Kliewer in voller Montur vor seinem Inselcircus.
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Martin Kliewer in voller Montur vor seinem Inselcircus.

Der Inselcircus steht in den Startlöchern: Direktor Martin Kliewer erklärt, warum er das Schaustellerleben so liebt und wie es mit dem Circus weiter geht.

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01. Juli 2015, 05:07 Uhr

Wenn Martin Kliewer gefragt wird, wie lange der Circus Mignon schon im Sommer auf die Insel kommt, kann er sich ein kleines, stolzes Lächeln nicht verkneifen. Bereits im 18. Jahr, genau gesagt seit dem Sommer 1998, gastiert er mit seiner Entourage in Wenningstedt.

Angefangen hat die immer wiederkehrende Sommer-Liaison zwischen dem 1992 in Hamburg gegründeten Jugend-Zirkus und der Insel Sylt mit einem Gastspiel im Jahr 1997. Die Kurdirektion und der Bürgermeister von Wenningstedt sahen eine Darbietung von Kliewers Truppe, sie waren auf Anhieb begeistert und luden den Zirkus für das folgende Jahr mehrere Wochen auf die Festwiese in Wenningstedt ein, wo der Zirkus bis heute gastiert. Auch wenn es immer wieder Gerüchte gibt, dass der Zirkus nicht wiederkommt: Der Vertrag für den sommerlichen Betrieb ist vorerst bis zum Jahr 2018 gesichert, betont Kliewer. Und beide Seiten hätten bereits Interesse signalisiert, die Zusammenarbeit darüber hinaus zu verlängern. Die Gemeinde Wenningstedt-Braderup stellt den Platz sowie Strom und Wasser kostenfrei zur Verfügung und unterstützt den Zirkus finanziell bei der Anreise. Der Betrieb beginnt am 13. Juli mit dem ersten Mitmach-Zirkus.

„Einige Familien kommen sogar nur wegen des Zirkus nach Sylt und Wenningstedt“, sagt Direktor Kliewer. Über 50 Wagen stehen auf dem Platz, bis zu 60 Angestellte sind vor Ort um den Zirkusbetrieb am Laufen zu halten. Die großräumige Ansammlung von Zelten, Fahrgeschäften und Trailern wirkt wie ein kleines Dorf: es gibt Schlafwagen, ein Badehaus, einen improvisierten Waschsalon und ein eigenes großes Zelt fürs Personal, das wie der Dorfmittelpunkt wirkt. Die meisten Zirkusmitarbeiter sind Jugendliche oder junge Erwachsene. „Es kommt vor, dass einige Mitarbeiter Karten-Abreißer, Kellner und Artisten in Personalunion sind“, so Kliewer. Zwar muss der Zirkus gewinnorientiert arbeiten, die Grundprämisse heißt hier aber „Stark machen fürs Leben“, es gehe um das gemeinschaftliche Schaffen von Werten in einem aufregenden Kulturbetrieb, sagt Kliewer.

Für jede jugendliche Altersgruppe bietet der Zirkus zum Mitmachen das passende Programm: die Kleinsten ab drei Jahren können von Montag bis Freitag im „Flohzirkus“ erste Erfahrungen sammeln. Für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr ist der Mitmachzirkus da, am Freitagnachmittag präsentieren dann bis zu 160 Akteure im großen Zelt mit 400 Zuschauerplätzen ihre Darbietungen, die sie während der Woche einstudiert haben. Und die Youngsters ab 12 Jahren haben schon richtig was auf dem Kasten und zeigen ihr Können in der Freitagabend-Show.

Martin Kliewer liebt es, dieses klassische Schausteller-Dasein auf Zeit, genau gesagt für zwei Monate, Leben im Zirkuswagen aus Holz. „Dieses freiheitliche Leben außerhalb von Normen und das Arbeiten mit Heranwachsenden im Zirkusdorf ist einfach toll“. Auch wenn er seit November 2013 kürzer treten musste, da er gesundheitlich belastet ist, weiß er den Zirkus für die Zukunft in besten Händen. Sein ältester Sohn Mischa hat die Geschäftsführung übernommen, Sohn Roman ist Chefkoch vom dazugehörigen Restaurant „Circorante“. Die Töchter Nele und Greta leiten Restaurant, Kiosk und Kartenverkauf. „So kann ich mich langsam aufs Altenteil zurückziehen. Und im Zirkus beruhigt auf das beschränken, was mir einfach nur Spaß macht: Zirkus-Direktor sein und Shows moderieren.“


Der erste Mitmach-Zirkus startet in diesem Jahr am 13. Juli, am 16. Juli startet die Saison mit einer großen Einweihungsfeier und der Eröffnung des „Circorante“


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