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Sylter Traditionen : In Morsum gehen die Masken um

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Immer weniger Morsumer pflegen die Tradition des Maskenlaufs zu Silvester. Doch diejenigen, die noch dabei sind, haben einen Heidenspaß daran.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Wenn am 31. Dezember abends sechs vermummte Gestalten in Morsum an die Haustüren klopfen, brauchen die Bewohner nicht gleich das Schlimmste zu befürchten: Die Dunkelmänner wollen nicht etwa Hab und Gut rauben, sondern lediglich etwas vortragen. Birgit und Jan Decker, Britta und Martin Lehmann, Helgi Thevagt und Antje Mungard pflegen im östlichsten Inseldorf die Tradition des Maskenlaufens.

Als sich Helgi Thevagt vor 40 Jahren das erste Mal verkleidete, „waren in Morsum leicht über 150 Maskenläufer unterwegs“. Im vergangenen Jahr waren es keine 40 mehr. Umso mehr freuen sich gerade die älteren Mitbürger, wenn am Silvesterabend Maskenläufer ihre Aufwartung machen. „Uns macht es viel Freude – und wir wollen die Tradition hoch halten“, unterstreicht Birgit Decker. Nur einmal in all den Jahren haben sie und ihr Mann ebenso wie Britta und Martin Lehmann ausgesetzt: „Als wir zuhause Besuch von anderen Maskenläufern erhielten, kam schon etwas Frust auf und wir haben uns gesagt: Das machen wir nie wieder“, erinnert sich Britta Lehmann. Zum Maskenlaufen gehören nicht nur Kostüme, sondern auch flotte Verse, die sich mit den Geschehnissen des abgelaufenen Jahres im Dorf beschäftigen. Martin Lehmann übernimmt dabei die Rolle des Chronisten – „ab Januar notiere ich das ganze Jahr über, was in Morsum Besonderes passiert“. Gemeinsam mit Jan Decker textet Martin Lehmann dann die Strophen, wahlweise nach den Melodien von „Lili Marleen“ oder „An der Nordseeküste“.

Heute abend trifft sich das Sextett zur Generalprobe, schlüpft in Fischerhemden, zieht Masken über, setzt blumige Hütchen auf – und dann geht es hinaus in die Nacht: Von halb acht bis etwa halb eins dauert der Rundgang durchs Dorf, bei dem etwa zwanzig Adressen angesteuert werden. Die Wege sind indes weiter geworden: „Früher wartete man quasi in jedem Haus auf die Maskenläufer, heute ist das immer weniger der Fall“, bedauert Jan Decker. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen der Andrang so groß war, dass man anstehen musste: Während eine Gruppe Maskenläufer im Wohnzimmer agierte, wartete die nächste bereits im Flur und die dritte vor der Haustür. Dem Spaß der Maskierten wie ihrer Gastgeber aber tut der Schwund keinen Abbruch. „In einigen Wohnzimmern ist es proppevoll, wartet man schon mit Freunden und Nachbarn. In so großen Runden ist die Stimmung natürlich besonders gut“, weiß Birgit Decker.

Begeistert sind sie stets, wie liebevoll sie allerorts bewirtet werden: Schmalzbrote hier, heiße Würstchen da, Lachsschnittchen dort – „das ist wirklich grandios“, befindet Martin Lehmann. Doch diese Grundlagen braucht man auch, denn Maskenläufer werden für ihre geistigen Ergüsse stets mit hochgeistigen Getränken belohnt – „da muss man schon aufpassen, damit man beim Singen nicht ins Stottern kommt“. Wenn einer unter Maske geht, dann kann er was erleben: Einmal, erinnert sich Helgi Thevagt, war die Oma einer Familie schon auf dem Weg ins Bett. Kurzerhand wurden die Maskenläufer ins Schlafzimmer dirigiert, wo Oma sich auf der Bettkante sitzend die Verse freudig anhörte. Und auch Jan Decker wird eine Silvesternacht nicht vergessen: Als er in einer guten Stube dem Weihnachtsbaum mit den offenen Kerzen zu nahe kam, griffen die Flammen auf seine Kittelschürze über. Doch auch solch ein Zwischenfall kann einen Maskenläufer nicht erschüttern: Mit leichtem Brandschaden wurde der Weg fort gesetzt – und der feurige Vorfall wäre glatt eine Strophe für das nächste Silvesterwert gewesen.

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