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Jagd auf Sylt : In Kampen wird zur Jagd geblasen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am vergangenen Sonnabend lud der Hegering Sylt zur Fuchsjagd in Kampen, Wenningstedt und List. 45 Sylter Jäger folgten der Einladung.

„Hunde rein!“ ruft einer der Jäger laut. Auf dieses Signal haben die Hundeführer gewartet. Einer nach dem anderen lässt seinen Hund zum ersten Mal bei diesem Jagdausflug von der Leine, damit dieser das kleine Wäldchen am Pük Deel zwischen Braderup und Kampen, in dem die Jäger einen Fuchs vermuten, durchtreiben kann. Am Rande des Wäldchens warten die Jäger mit ihren geladenen Waffen konzentriert auf den Fuchs, doch so früh soll Reineke ihnen heute noch nicht vor die Flinte kommen.

Die Stimmung unter den etwa 45 Insel-Jägern ist gut, als sie sich am vergangenen Sonnabend zur Fuchsjagd in Kampen treffen. Neben den Jägern haben sich auch Medienvertreter und ein Fernsehteam vom NDR eingefunden, um über die Jagd zu berichten. Viele der anwesenden Waidmänner haben ihre Hunde dabei, die unüberhörbar mitjaulen, als die Bläsergruppe die Jagd mit dem Halali anbläst.


Füchse haben keine natürlichen Feinde


 

Zwei- bis dreimal jährlich findet auf Sylt laut Hegering die Jagd auf Rotfüchse statt. „Füchse haben keine natürlichen Feinde“, erklärt Wiebke Bleicken, die einzige Jägerin an diesem Tag. „Um das Niederwild, wie Kaninchen und Junghasen aber auch die Bodenbrüter zu schützen, muss daher der Fuchs gejagt werden“, sagt sie und konkretisiert: „Wenn es in einem Jahr zuviele Füchse gibt, merkt man das unter anderem daran, dass die Küken der Bodenbrüter nicht durchkommen oder die Hasen weniger werden.“ Außerdem sei der Fuchs ein Krankheitsüberträger. „Der kleine Fuchsbandwurm, an dem sich auch Hunde und im schlimmsten Fall Menschen anstecken können, wurde auch schon bei Füchsen in der Nähe Nordfrieslands festgestellt. Um diese Krankheit, aber auch andere wie Räude und Staupe zu bekämpfen, ist die Fuchsbejagung einfach notwendig.“


Füchse sind ganzjährig und unbegrenzt bejagbar


 

Felix bellt und zieht aufgeregt an der Leine. Der in die Jahre gekommene Rauhaardackel ist schon lange der treue Jagdbegleiter von Hans Sanders. Der Rentner bildet mit seiner Gruppe die Flügelleute. Anders als die Treiber, die durch das Wäldchen gehen, wartet er außerhalb mit Blick auf den Waldrand auf den Fuchs. Felix muss heute bei seinem Herrchen bleiben: „Wenn ich den jetzt losmache, dann kommt der nicht mehr wieder“, sagt der passionierte Jäger und schaut weiter konzentriert auf die Waldgrenze, um den Fuchs zu sehen wenn er herausgetrieben wird.

Füchse sind in Deutschland, bis auf die zur Aufzucht notwendigen Elterntiere, ganzjährig und unbegrenzt bejagbar. Im Jagdjahr 2013/2014 wurden in Schleswig-Holstein 12  255 Exemplare geschossen. Die Jäger richten sich in erster Linie dabei nach den Jagd- und Schonzeiten der dem Jagdrecht unterliegenden jagdbaren Tierarten.

Das nächste Signal ertönt: „Sammeln!“ ruft einer der Jäger laut. Sanders bricht seine Waffe und holt die Munition heraus. „Wenn der Fuchs in dem Wäldchen war, haben die Hunde und die Treiber ihn jetzt wahrscheinlich herausgetrieben“, erklärt er und die gesamte Gesellschaft macht sich geschlossen auf den Weg zum Wattenmeer - dahin, wo sie den Fuchs jetzt erwarten. Wieder postieren sich die Jäger: In Form eines großen Rechtecks stehen sie um eine Schilffläche, die an das Watt angrenzt. Vom anderen etwa zehn Meter entfernt sind einige oben auf den Dünen, andere auf dem erdigen Gehweg neben der Schilffläche.


Zuerst kommen die Hunde, dann die Treiber


 

Zuerst werden wieder die Hunde losgeschickt, kurz darauf folgen die Treiber, die auf einer Linie langsam durch das Schilf waten, um den Fuchs aufzuscheuchen. Und plötzlich geht alles ganz schnell: „Fuchs!“ ruft ein Jäger, der oben auf der Düne steht. Dr. Thomas Blanck, Hegeringsleiter der Insel Sylt, steht direkt vor dem Tier, legt das Gewehr an und schießt. Er hat Erfolg, der Fuchs fällt um und Blanck geht langsam zu dem erlegten Tier. Dann folgen ihm einige der Jäger, die in seiner Nähe standen. Es handelt sich um eine Fehe, also ein Fuchsweibchen. Mit Handschuhen wird die etwa zweijährige Füchsin zurück zum Treffpunkt gebracht. Das Anfassen mit bloßen Händen wäre zu risikoreich. In den kommenden Tagen wird sie im Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Husum auf Krankheiten untersucht.

Auf Sylt gibt es, so schätzt Hans Sanders, etwa 150 Jäger, von denen einige mehr und andere weniger aktiv sind. Eine der wenigen Frauen unter den Jägern ist Wiebke Bleicken. Die Morsumerin kommt aus einer Jägerfamilie, schon Vater und Großvater sind auf die Jagd gegangen. Für sie war es selbstverständlich, mit 16 Jahren den Jagdschein zu machen: „Ich bin mit der Jagd groß geworden“, sagt sie selbstbewusst, „das Zusammenspiel von Natur erleben und von der Natur zu leben spielt in meinem Leben eine ganz wichtige Rolle.“ Bleicken, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich in der Eidum Vogelkoje arbeitet, geht in ihrem Hobby voll auf und ist sowohl aktive Jägerin als auch Hundeführerin und Jagdhornbläserin.

Von Kampen macht sich die Gesellschaft schließlich auf den Weg nach List. Dort werden zwar noch zwei weitere Füchse gesichtet, die für dieses Jahr aber Glück gehabt haben und vor der Flinte entwischen konnten. Auch ohne weiteren Jagderfolg sind die Jäger zufrieden und nach einer Erbsensuppe und dem abschließenden Jagdhornblasen, dem sogenannten Verblasen, ist die Jagd dann offiziell beendet. Wiebke Bleicken freut sich über den Erfolg: „Es ist ein gutes Gefühl nach so einem Tag. Waidmannsheil hatten wir zum Glück, da freut sich der Jäger besonders für das Niederwild, das so geschützt werden kann.“

 

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erstellt am 09.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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