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Sylter Rundschau

13. Dezember 2017 | 21:50 Uhr

In Kampen lebts sich besser als gedacht

vom

Nirgends auf der Insel gibt es mehr Zweitwohnsitze und weniger Insulaner - trotzdem sind die restlichen Kampener relativ zufrieden

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kampen | Die Gemeinde Kampen gehört aufgrund ihrer attraktiven, von der West- bis zur Ostküste der Insel reichenden Lage sowie der Vielzahl von großen Reetdachhäusern und der fast geschlossenen Dorfstruktur zu den beliebtesten und bekanntesten Urlaubsorten Deutschlands. Seit Jahrzehnten ist Kampen einer der wichtigsten Zielorte von Vermögenden und Exklusivität Suchenden, sowohl als Urlaubsort als auch als Wohnort oder Zweitwohnsitz.

Die hohe Attraktivität für verschiedene, sehr zahlungskräftige Nachfrager schlägt sich in extrem hohen Bodenpreisen beziehungsweise Bodenrichtwerten nieder, die 2010 bei 2 350 Euro pro Quadratmeter im Ort beziehungsweise 4 700 Euro pro Quadratmeter bei Wattgrundstücken lagen. Insbesondere aufgrund der ausgeprägten Kampener Hotelbranche gibt es in Kampen in Relation zur ortsansässigen Bevölkerung sehr viele Arbeitsplätze (92 Beschäftigte am Arbeitsort pro 100 Einwohner gegenüber 52 auf der Insel). Zugleich ist der Anteil von Beschäftigten, die in die Gemeinde einpendeln (müssen) mit 83 Beschäftigten mit Arbeitsort Kampen besonders hoch. Von den im Sommer 2010 in Kampen Beschäftigten pendelten 47 Prozent aus anderen Sylter Gemeinden, 12 Prozent vom nordfriesischen Festland und 24 Prozent von weiter entfernten Gebieten ein, 17 Prozent waren ortsansässig.

Der Kampener Wohnungsbestand, der zu knapp drei Vierteln (73 Prozent) aus Wohnungen in 1-2-Familienhäusern und gut einem Viertel (27 Prozent) aus Wohnungen in Mehrfamilienhäusern besteht, nahm von 2000 bis 2010 leicht überdurchschnittlich zu (14 Prozent, Insel 12 Prozent). Kennzeichnend für die Bautätigkeit in Kampen ist dabei ein besonders hoher Anteil von Ersatzneubauten. Die Zahl der genehmigten Abgänge (Abrisse) an Wohnungen in den Jahren 2001 bis 2010 entsprach 10 Prozent des Wohnungsbestands (von 2000) und war damit mehr als dreimal so hoch wie auf der Sylt insgesamt oder 18-mal so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Den maßgeblichen Wert eines bebauten Grundstücks in Kampen stellt in der

Regel vor allem das Grundstück beziehungsweise der Marktzutritt und weniger das Gebäude dar. Für Zielgruppen der sozialen Wohnungsversorgung gibt es in Kampen nur wenige gebundene Wohnungen (6), deren Bindungen zum Ende dieses Jahrzehnts entfallen. Des Weiteren verfügt die Gemeinde über einen für den Ort nicht unerheblichen Bestand an kommunalen Wohnungen (circa 35 Wohnungen).

In Kampen waren Ende 2011 564 Personen mit Haupt- und 1 018 Personen mit Nebenwohnsitz (Zweitwohnsitze) gemeldet. Kampen ist demnach wie keine andere Sylter Gemeinde beziehungsweise kein anderer Sylter Ortsteil durch Zweitwohnsitze geprägt (Anteil Nebenwohnsitze 64 Prozent, Insel Sylt 31 Prozent). Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass nach Erhebungen des Inselbauamts bei den Hauptwohnsitzen in Kampen im Jahr 2009 ein überdurchschnittlich hoher Anteil an ortsfremden Eigentümern, die über einen weiteren Wohnsitz verfügen und bei denen es sich in der Regel ebenfalls um Zweitwohnsitznutzer handelt, vertreten war (15 Prozent gegenüber 7 Prozent auf der Insel insgesamt).

Die Zahl der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz ging in Kampen von 2005 bis 2011 mit 9 Prozent deutlich stärker zurück als auf der Insel insgesamt (-2 Prozent), da es sowohl Wanderungsverluste als auch eine negative natürliche Bevölkerungsentwicklung (Sterbefallüberschuss) gab.

Nach besonders starken Verlusten bis zum Jahr 2008 blieb die Bevölkerungszahl von Kampen seit 2009 allerdings relativ stabil. Dies wird seitens der Kommune auf verschiedene Projekte zur Stabilisierung des Dauerwohnens am südlichen Ortsrand zurückgeführt (Vergabe von Bauland in Erbbaurecht an Vermieter sowie Einfamilienhauseigentümer und Kauf von 24 Bestandswohnungen durch die Gemeinde).

Die Kampener Bevölkerung (mit Hauptwohnsitz) ist deutlich älter als im Inseldurchschnitt (49,1 Jahre gegenüber 46,4 Jahre). Während ältere Bevölkerung ab 60 Jahren in Kampen stärker vertreten ist (mit 38 Prozent gegenüber 32 Prozent Insel Sylt), hat der Ortsteil weniger junge Bevölkerung im Erwerbstätigenalter (20 bis unter 40 Jahre: 19 Prozent gegenüber 23 Prozent). Aufgrund seiner Altersstruktur beziehungsweise der relativ alten Bevölkerung hat Kampen künftig einen gegenüber dem Inseldurchschnitt deutlich stärkeren Rückgang der Bevölkerung aufgrund der natürlichen Bevölkerungsentwicklung zu erwarten.

Die Kampener mit Hauptwohnsitz wohnen zur Hälfte in 1-2-Familienhäusern (45 Prozent Insel Sylt) und zur Hälfte in Mehrfamilienhäusern oder sonstigen Gebäuden. Die dauerhaft in Kampen wohnenden Bewohner bewohnen damit in Relation zum örtlichen Gesamtwohnungsbestand (siehe oben) unterdurchschnittlich häufig 1-2-Familienhäuser. Wohnungen in 1-2-Familienhäusern werden demnach in Kampen vor allem als Ferien- und Zweitwohnungen genutzt.

Insgesamt weist Kampen ebenso wie die Insel Sylt eine sehr angespannte Wohnungsmarktsituation auf, die mit erheblichen Problemen bei der Wohnungsversorgung der Dauerwohnbevölkerung verbunden ist. Die dauerwohnende Bevölkerung in Kampen ist jedoch in etwas höherem Maße als die der Insel Sylt insgesamt von Eigentümerhaushalten (54 Prozent gegenüber 48 Prozent) und in etwas geringerem Maße von Mieterhaushalten (46 Prozent gegenüber 52 Prozent) geprägt. In Kampen sind die Haushalte mit ihrer Wohnsituation daher häufiger zufrieden als alle Sylter Haushalte (83Prozent gegenüber 73 Prozent); dementsprechend beabsichtigen auch weniger Haushalte umzuziehen (28 Prozent gegenüber 34 Prozent).

Das Angebot an Infrastruktureinrichtungen veränderte sich in Kampen zwischen 2005 und 2011 kaum. Jedoch konnte in Folge des Bevölkerungsrückgangs die drohende Einführung einer Pflichtfeuerwehr nur durch intensive Werbebemühungen vermieden werden und die Plätze des örtlichen Kindergartens werden wegen der wenigen Kampener Kinder zunehmend durch Kinder aus anderen Gemeinden belegt.

Dass über das Jahr insgesamt die Versorgung mit Infrastrukturangeboten eher gut/sehr gut ist, geben 56 Prozent der Kampener und damit ein geringerer Anteil als im Inseldurchschnitt (68 Prozent) an. Zugleich beobachten mehr Haushalte in den letzten fünf Jahren eine Verbesserung (39 Prozent) als eine Verschlechterung (29 Prozent) der Versorgung.Bezogen auf einzelne Angebotsformen besteht in Kampen im Vergleich zur Insel insgesamt kein einheitliches Bild. Zum einen wird die Versorgung etwa ähnlich gut eingeschätzt beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), Arzt sowie Schulen, Kindergärten und Freizeitangeboten. Zum anderen werden insbesondere Angebote von Post/Bank sowie weiteren privaten Dienstleistungen besonders schlecht bewertet.

Bei den Kennzeichen des Ortes als Wohngegend sieht eine sehr große Mehrheit Kampen als sichere Wohngegend (trifft voll zu 81 Prozent; Insel 59 Prozent). Dass gute Kontakte in der Nachbarschaft bestehen, sagen 44 Prozent und 35 Prozent stimmen dem nur teilweise zu. Noch weniger Befragte sehen in Kampen ein intaktes Leben Einheimischer (22 Prozent voll, 55 Prozent teilweise zutreffend) oder viele lokale Aktivitäten in der Wohngegend (ca. 12 Prozent voll/sehr geringe Fallzahl, 55 Prozent teilweise zutreffend). Die Anteile der positiven Bewertungen zu guten Nachbarschaftskontakten, zum intakten Leben Einheimischer und zu lokalen Aktivitäten entsprechen etwa dem Bild des Inseldurchschnitts, wobei die Nachbarschaftskontakte in Kampen etwas besser bewertet werden.

Vor dem Hintergrund der sehr hohen Anteile nur temporär anwesender Bevölkerung hätte in Kampen durchaus ein negativeres Bild zum Ortsleben erwartet werden können. Die Expertengespräche wiesen jedoch darauf hin, dass in Kampen gerade aufgrund der ausgeprägten Verdrängungssituation die "verbliebenen Ortsansässigen" ein Zusammengehörigkeitsgefühl besitzen, das sich beispielsweise in der Aufrechterhaltung der Freiwilligen Feuerwehr trotz hoher Bevölkerungsverluste ausdrückt.

In der Serie "Sylt in Zahlen" stellt die Sylter Rundschau Ausschnitte aus dem Wohnungsmarktkonzept vor, das die Inselgemeinden vom Berliner Institut für Stadtforschung erstellen ließen, um den Dauerwohnraum-Bedarf auf der Insel zu analysieren. Das vollständige Konzept gibts im Internet auf www.gemeinde-sylt.de

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