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"Elf Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss" : "In jeder Welle ein nackter Arsch"

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie „Elf Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss“ geht es heute um die Strandsauna.

Es gibt viele schöne, besondere und interessante Orte auf Sylt. 111 davon hat Autorin Sina Beerwald gesammelt und in dem Buch „111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss“ veröffentlicht. In einer Serie veröffentlicht die Sylter Rundschau in loser Folge elf Kapitel aus dem Buch. Heute geht es um die Strandsauna.

Sylt ist untrennbar mit Schlagworten wie Reichtum, Prominenz und Luxus verbunden, aber auch mit der Legalisierung der Freikörperkultur in Deutschland. Was Anfang des 20. Jahrhunderts noch polizeilich verboten war und in aller Einsamkeit als hüllenloses morgendliches Bad in den Wellen nicht nur Thomas Mann heimlich praktizierte, wurde 1927 erstmals mit einer Ausnahmegenehmigung für den Strandabschnitt Klappholttal legalisiert, wo sich das „Freideutsche Lager“ für Kinder- und Jugenderholung befand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr nicht nur die Wirtschaft einen Aufschwung, sondern auch das Nacktbaden. Um das Kind nicht beim Namen nennen zu müssen, behalf man sich anfangs mit Formulierungen wie »Außerhalb dieses Strandabschnittes ist Badekleidung zu tragen«. Bald schon zogen klangvolle Bezeichnungen wie Samoa und Nackedunien die FKK’ler an, und es entstand ein wahrer Kult, der Romy Schneider zu der Feststellung bewegte: „In jeder Welle hängt ein nackter Arsch.“ Es war ihr erster und letzter Besuch auf Sylt.

Nur konsequent allerdings auch die Errichtung von Strandsaunen in diesen Abschnitten, von denen die erste in den 1970er Jahren im Inselsüden am Hörnumer Weststrand entstand. Es folgten der Westküste entlang vier weitere Strandsaunen, wo heute in Blockhütten unterschiedlicher Größe der Duft ätherischer Öle durch die Hitze finnischer Saunen zieht oder sich im Lichtspiel moderner Biosaunen verteilt. In den Ruheräumen, auf der Terrasse oder in den saunaeigenen Strandkörben lässt sich herrlich entspannen. Ganz gleich, welchen Komfort die jeweiligen Saunaorte bieten, wenn bei Wind und Sturm ein Nackter aus den Dünen rennt und sich mit einem wohligen Aufschrei in die Fluten wirft, so befindet man sich stets in der Nähe einer Strandsauna. Dann zählt auch der Geldbeutel nicht mehr, denn vor Gott und in der Strandsauna sind sie alle gleich.

 

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erstellt am 29.Apr.2015 | 05:31 Uhr

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