Kultur auf Sylt : In der Sylt Quelle läuft nicht alles rund

„Könnte besser laufen“: So richtig gut geht es dem Meerkabarett und der Sylt Quelle nicht.
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„Könnte besser laufen“: So richtig gut geht es dem Meerkabarett und der Sylt Quelle nicht.

Defizite, die Suche nach Sponsoren und einem neuen Gastronomie-Angebot: Joachim Wussow hat in Meerkabarett und Co. einige Baustellen

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28. Januar 2015, 06:06 Uhr

Sylt | Ein wenig zweckoptimistisch wirkt es schon, wenn Joachim Wussow über die Zukunft des Meerkabaretts spricht. 75 Prozent hoch schätzt er die Chance ein, dass das sommerliche Kulturprogramm auch 2016 noch in der Sylt Quelle angeboten wird. Auch sonst läuft in dem Unternehmen mit Sitz am Rantumbecken nicht alles ganz glatt. Doch Geschäftsführer Wussow gibt nicht auf.

Suche nach Sponsoren
Damit das Meerkabarett mittelfristig überleben kann, braucht es mehr Geld. Momentan springt im Notfall die Gemeinde Sylt über den Haushalt des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) ein. Bis zu 50  000 Euro Verlust würde der ISTS jährlich ausgleichen – das hatten die Politiker der Gemeinde vor drei Jahren entschieden. Diese Zusage gilt allerdings nur noch für die diesjährige Saison. Für das Jahr 2013 musste Wussow diese Rückversicherung bereits in Anspruch nehmen. Wie viel Geld dem Meerkabarett tatsächlich gezahlt wurde, mag man weder dort noch beim ISTS verraten – mehr als 25  000 Euro seien es aber schon gewesen. Auch für 2014, deutet Wussow an, wird das Meerkabarett wohl auf die gemeindliche Verlustabdeckung zurückkommen müssen.

Damit sich das eventuell irgendwann ändert, ist Wussow auf der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten: „Für diese Saison sind wir noch auf der Suche nach Tagessponsoren“, sagt Wussow. Für ungefähr 1  000 Euro pro Veranstaltungsabend könnten die sich in der Syltquelle präsentieren und mithelfen, den Unterschuss auszugleichen.

Bekanntes im Programm
Trotz dieser finanziellen Engpässe: Für die Saison 2015 ist das Programmheft schon zu zwei Dritteln gefüllt. Neben Künstlern, die man auf der Insel aus den vergangenen Jahren kennt, wie Gedankenleser Thorsten Havener, die Klassik-Combo Salut Salon oder Sänger Stefan Gwildis, finden sich auch der eine oder andere Meerkabarett-Neuling. So wird der Schauspieler und Sänger Axel Prahl an zwei Abenden auf der Bühne stehen, die Chansonsängerin Ute Lemper kommt zum ersten Mal nach Rantum, genau wie der Hamburger Sänger Michy Reincke. Wirklich radikale Neuerungen gibt es also programmtechnisch bisher nicht. Auch in diesem Jahr soll es ein bis zwei unbestuhlte Konzerte geben, mit denen das jüngere Publikum angesprochen werden soll – wer dazu auf die Insel kommen wird, steht allerdings noch nicht fest.
Keine SHMF-Konzerte
Klar ist dagegen, dass das Schleswig-Holstein Musikfestival, das im vergangenen Jahr drei Open-Air-Konzerte auf dem Sylt Quelle-Gelände veranstaltet hat, 2015 nicht in Rantum aufschlagen wird. So wirklich überzeugend seien die Besucherzahlen bei Ina Müller, La Brass Banda und Dieter Thomas Kuhn unter freiem Himmel nicht gewesen, weiß Wussow. Das sei ohnehin so ein Grundproblem – auch, wenn man es nicht pauschalisieren könne: Die Sylter würden zwar gern ein abwechslungsreicheres, neueres Meerkabarett-Programm fordern, dann aber die Veranstaltungen selbst nicht besuchen. Der Geschäftsmann dazu: „Wenn man etwas nie unterstützt, muss man sich nicht wundern, wenn es irgendwann weg ist.“

Apropos weg: Wie Elke Wenning ersetzt wird, die seit diesem Jahr nicht mehr die Organisation des Meerkabaretts managet, sondern nun im Wenningstedter Kursaal Hoch Drei arbeitet, ist noch nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich werde die Stelle nicht mehr ganzjährig besetzt, so Wussow. Momentan befände man sich noch in Gesprächen.

Ähnlich ist der Stand hinsichtlich der Frage, in welcher Form es künftig ein gastronomisches Angebot auf dem Quellen-Gelände geben wird: Das Restaurant Il Ristorante mit Gastgeber Antonio Kabbani hatte das runde Quellenhaus im vergangenen Jahr verlassen. Eventuell wird es künftig nur noch im Sommer ein gastronomisches Angebot geben – die restlichen Monate könne das Quellenhaus für Tagungen und andere Veranstaltungen vermietet werden.

Ein Thema, das 2015 wiederbelebt werden soll, ist dagegen die Kinderuni: Momentan ist in Planung, dass in Zusammenarbeit mit dem Erlebniszentrum Naturgewalten an vier Terminen Kindern wissenschaftliche Themen altersgerecht nahegebracht werden.

Wie verkauft sich das Wasser?
Schlussendlich stellt sich die Frage, wie es denn mit dem – neben der Kultur – bekanntesten Produkt der Sylt Quelle so läuft: mit dem dort geförderten Mineralwasser. Geht es um die Zahl der Flaschen, die jährlich befüllt werden, hält sich Wussow bedeckt. Nur so viel: Der Absatz auf dem Festland steigere sich langsam, „auf der Insel kann es noch besser werden.“ Ein Grund, warum einige Gastronomen das Wasser mit dem Inselemblem nicht im Programm hätten, sei der Tatsache, dass einer der beiden Getränkegroßhändler der Insel das Wasser nicht im Programm habe. Doch auch in diesem Bereich gibt sich Wussow verhalten optimistisch: Der Inselumsatz des Wassers lasse sich möglicherweise noch steigern.

Alles in allem bleibt der Insel nur abzuwarten, ob die Sylt Quelle in diesem Sommer kulturell und damit auch finanziell richtig ins Sprudeln gerät.

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