Immobiliensuche

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Eine ganz normale 2-Zimmer-Wohnung mit kleiner Terrasse oder lüttem Balkon auf Sylt - das haben wir einst gesucht, Carsten und ich. "Das darf doch nicht so schwer sein, etwas Passendes zu finden", so unser Gedanke. Aber Pustekuchen! Die schlussendlich erfolglose Suche sollte sich über diverse Jahre und Makler hinziehen. Aber lustig war sie.

Damals glich der Markt noch einem Schlaraffenland. Es gab - für heutige Verhältnisse - unzählbar viele Häuser und Wohnungen. Diese verteilten sich auf ein paar alteingesessene Makler. Dann schossen solche Firmen auf der Insel wie Pilze aus dem Boden. Es gab plötzlich ohne Ende Makler, aber kaum mehr Immobilien. Verrücktes Sylt!

An eine unserer ersten Wohnungsbesichtigungen erinnere ich mich noch genau. Folgende Situation: Wir stehen vor einem Westerländer Supermarkt und haben kurz zuvor einem freundlichen Makler unser Interesse an einer Wohnung auf der Mailbox hinterlassen. Fünf Minuten später (wir stehen bereits an dritter Stelle in der Schlange der Wursttheke) klingelt Carstens Handy. Ich flüstere ihm aufgeregt zu: "Geh ran. Ist bestimmt der Makler." Er meldet sich leise und flüstert in den Hörer "Ich hätte gerne 500 Gramm Rinderhack." Er könne wahrlich mit allem dienen, aber Hack habe er derzeit nicht in seinem Sortiment, lacht der Makler. Zumindest hat Carsten bei der Frau am Fleischtresen nicht auch noch eine 2-Zimmer-Wohnung geordert.

"Wann hätten Sie denn Zeit für eine Besichtigung", fragt der nette Makler. "Jederzeit. Wir haben ja Urlaub", antwortet Carsten fröhlich. "Wie wär´s mit jetzt", schlägt er vor. Wie JETZT? Jetzt sofort? Wir einigen uns schließlich darauf, dass wir das Hackfleisch doch noch kurz in unseren Kühlschrank bringen dürfen. Das nenne ich mal geschäftstüchtig. Leider hat sich diese Spontaneität für keine Seite gelohnt. Weder für ihn noch für uns. Aber abends gab es zumindest eine leckere Bolognese im angemieteten Ferienappartement der Köthes.

Besichtigung einer 2- Zimmer Wohnung mit Warftgeschoss in Keitum. Ich frage Carsten vorab, was ein Warftgeschoss ist. Auch er weiß es nicht. Wir lassen uns also überraschen - und sind überrascht. Der Begriff Warftgeschoss hat quasi den Begriff Souterrain abgelöst ... und dieser wiederum den Begriff Keller. Der Makler sieht das anders. "Viele reden von Keller - zu unrecht. Hier findet man erholsamen Schlaf, es ist ruhig und im Sommer schön kühl", erklärt er mit dem Brustton der Überzeugung. Derselbe Makler hat uns übrigens Wochen später eine Wohnung unterm Dach mit der Begründung "viel schöner! Oder wollen Sie immer in so einem ollen Keller schlafen?" angepriesen.

In dem Warftgeschoss der Keitumer Wohnung liegt übrigens das (fensterlose) Schlafzimmer. Dieses erreicht man wie folgt: man tritt durch die Eingangstür. Zwei Meter dahinter auf der linken Seite ist ein Loch. Aus diesem Loch ragt eine selbstgezimmerte Holzstiege hervor, die ins Warftgeschoss führt. "Diese Wohnung darf man lediglich nüchtern betreten", schießt es mir durch den Kopf. Ich frage mich zudem wie dort jemals jemand einen Koffer heruntergewuchtet bekommen soll. Das Wohnzimmer erinnert mich an eine Puppenstube. Das können unmöglich 50 qm sein. Ich frage nach - und bin erleichtert. Ich habe nämlich Recht. Der Makler erklärt, dass die Wohnung zwar nur 38 Quadratmeter habe, er sie uns aber unbedingt zeigen wolle, weil sie aufgrund der guten Aufteilung wie 50 qm wirken würde. Nun ja ...

Eine andere Wohnung in Westerland dürfen wir erst nach einem halbstündigen Marsch durch die Umgebung mit Monolog des Maklers betreten. "Lage, Lage, Lage" predigt er zum x-ten Mal, während mir die Füße brennen. "Die Lage, also das Umfeld, muss stimmen. Die Wohnung kann man sich schließlich zurechtrenovieren". Ja, stimmt, aber das ganze Haus leider nicht. Im kompletten Straßenzug sind ausschließlich schöne gepflegte Häuser - bis auf eines. Als wir genau davor stehen, zückt er den Schlüssel und frohlockt: "Dann wollen wir mal".

Hiermit einen schönen Gruß an all unsere Makler. Auch wenn wir nie ins Geschäft gekommen sind: Wir hatten Spaß mit euch. Wir hoffen, ihr auch mit uns.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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