Letzte Aktion von Petra Reiber : Immobilienbranche kritisiert Beschlagnahmung der Klinik für Flüchtlinge

Enteignete Zweitwohnungen oder Ferienhäuser? Solch eine Vorstellung macht Sylter Maklern Angst.
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Enteignete Zweitwohnungen oder Ferienhäuser? Solch eine Vorstellung macht Sylter Maklern Angst.

Vergangene Woche leitete die ehemalige Sylter Bürgermeisterin die Beschlagnahmung der leer stehenden Klinik Haus Quickborn ein. Jetzt sind Gespräche mit der DAK wegen der Aktion geplant.

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07. Mai 2015, 18:24 Uhr

Es war die letzte Amtshandlung von Petra Reiber: Vergangene Woche leitete sie die Beschlagnahmung der leer stehenden Klinik Haus Quickborn ein (wir berichteten). Nun ist Petra Reiber nicht mehr Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt – doch ihr „Abschiedsgeschenk“ bewegt weiter die Gemüter.

Die Aktion ist auf der Insel nicht unumstritten. Während ihr Nachfolger – und mehr oder minder auch die Politik – die Aktion für richtig hält, wird aus der Immobilienbranche Kritik laut. Allen voran ärgert sich Reinhold Riel, für kritische Töne gegenüber Verwaltung und Politik nicht unbekannt, über das Verhalten der ehemaligen Bürgermeisterin und ihres Nachfolgers: „Diese Beschlagnahmung war eine sehr populistische Aktion von ihr, das war kein ordentlicher Abgang, das war Schaumschlägerei.“

Der Makler und Vermieter ist sicher, dass der Gemeinde trotz Wohnraumnot auch andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um Flüchtlinge unterzubringen. Beispielsweise lasse das Kommunale Liegenschafts-Management Wohnungen in der Wohnsiedlung Süd, die demnächst abgerissen werden sollen, seit einem halben Jahr leer stehen. Diese Möglichkeit Flüchtlinge unterzubringen war auch auf der jüngsten Sitzung des Wohnungsbauausschusses angesprochen worden (wir berichteten). KLM-Leiter Marcus Kopplin hatte damals unter anderem darauf hingewiesen, dass die Wohnungen im schlechten Zustand seien und – da zum Abriss bestimmt– keine sinnvolle Unterbringungsmöglichkeit böten.

Vor allem aber regt Riel auf, dass Petra Reiber im Videointerview mit unserem Verlag sagte, theoretisch bestünde im Notfall aus ihrer Sicht auch die Möglichkeit, dass die Gemeinde leerstehende Zweitwohnungen beschlagnahmt. Geht gar nicht, findet Riel: „Mich rufen Kunden an, die mit einem gewissen Ernst fragen, ob ich ihre Ferienwohnung nicht schnell belegen könnte, weil ja sonst die Beschlagnahmung droht“.

Etwas differenzierter sieht Rainer Frankenberg die Situation. Der Vermieter und Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Wenningstedt: „Grundsätzlich ist es natürlich so, dass die Gemeinde etwas tun muss, um die Asylbewerber unterzubringen.“ Gleichzeitig ist er aber auch der Ansicht, dass genau abgewägt werden muss, ob wirklich Privateigentum beschlagnahmt werden muss, oder ob es für die Gemeinde nicht doch andere Möglichkeiten gibt. „Es kommt natürlich nach außen schon ein bisschen negativ rüber, wenn die Sylter Bürgermeisterin hier Gebäude beschlagnahmt.“ So etwas könnte natürlich mögliche Interessenten abschrecken, die sich ansonsten vielleicht eine Immobilie auf Sylt gekauft hätten. Die Hintergründe, also die schwierige Wohnraumsituation auf der Insel, sei vielen Gästen ja gar nicht so bewusst.

Das sieht Bürgermeister Nikolas Häckel etwas anders: „Es muss auch den Sylter Zweitwohnungsbesitzern klar sein, dass sie hier Wohnraum belegen, während für uns Raumnot für Sylter und Asylsuchende herrscht.“ Er appelliere an das soziale Gewissen von Hausbesitzern, ihre Gebäude gegebenenfalls zur Vermietung zur Verfügung zu stellen: „Dass der mangelnde Wohnraum unser Kernproblem ist, wird jedem, der hier Eigentum besitzt, bewusst sein.“

Gleichzeitig stellt der Bürgermeister aber auch klar, dass eine Beschlagnahmung immer nur das „letzte Mittel“ sei, dass die Gemeinde natürlich nicht anstrebe. Auch im Falle des Hauses Quickborn könnte es noch zu einer gütlichen Einigung kommen: Demnächst werde sich die Gemeinde mit dem Eigentümer, der DAK, und dem interessierten Käufer, einem süddeutschen Investoren, an einen Tisch setzen. „Unser Ziel ist es schlicht, Raum für Asylbewerber zu bekommen“, sagt Häckel im Vorfeld dieses Gespräches. Vielleicht lässt sich die DAK dafür ja auf einen Deal ein, der eine Beschlagnahmung unnötig macht.

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