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Romantische Geste : Immer mehr Liebesschlösser auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

An verschiedenen Stellen auf Sylt werden von Paaren Liebesschlösser aufgehangen. Die Reaktionen darauf sind gespalten.

von
erstellt am 29.Jun.2015 | 21:15 Uhr

Es ist klein, wenige Gramm schwer – und es spaltet die Gemüter: Das Liebesschloss, auf Sylt immer populärer, lässt jeden entweder zum Zyniker oder zum Romantiker werden.

Beispiel: Ein Ehepaar bummelt auf den Steg am Wenningstedter Dorfteich, betrachtet die hunderte von mehr oder minder verrosteten Sicherheitsschlössern, die an den Draht rund ums Geländer gehängt worden sind. Sie: „Och, schön...“ Er: „Das ist doch sicher eine Werbemaßnahme von Abus, damit die mehr Schlösser verkaufen.“ So ganz unrecht mag er mit dieser These noch nicht einmal haben – zumindest in recht regelmäßigen Abständen werden die Schlösser in sämtlichen Farbvarianten inklusive Gravur im Sicherhaus Sylt verkauft. Auf der Insel hängen die meisten metallenen Liebesbeweise am Dorfteich, es wurden aber auch schon Schlösser in List, Tinnum oder an einer Metallbuhne in Hörnum gesichtet.

Dass die Liebe zum Schloss als romantische Geste aber nicht nur ein weiblicher Trend sind, beweist Sven Tiemeier. Der 40-Jährige aus Nordrhein-Westfalen hat vorm letzten Sylttrip mit seiner heutigen Frau ein Schloss gravieren lassen. Er lockte sie unter einem Vorwand an den Dorfteich und präsentierte sein Werk. „Sie fand das super. Ohnehin finden wir so kitschige Sachen manchmal ganz witzig.“ Und warum hängt das Schloss auf Sylt und nicht irgendwo in ihrer Heimat? „Unser erster gemeinsamer Urlaub ging auf die Insel – und Sylt ist einfach Teil unserer gemeinsamen Geschichte.“

So ähnlich formuliert es Jessica Berger aus Kassel – ihr heutiger Mann hatte ihr während des Surf Worldcups 2010 einen Heiratsantrag am Westerländer Strand gemacht. Im Sommer 2013 ließen sich die beiden Journalisten im Westerländer Rathaus trauen und schlossen anschließend ihr Liebesschloss am Wenningstedter Dorfteich fest. „Wir wollten einfach, dass ein Stück von unserer Beziehung auf Sylt bleibt, dass wir einen Ort haben, den wir dort besuchen können.“ So ganz ist dieser Plan allerdings nicht aufgegangen: „Letztes Jahr hing es leider nicht mehr dort – vielleicht hat es die Gemeinde abnehmen lassen oder es ist abgefallen.“

Die Tradition der Liebesschlösser ist übrigens eine recht junge: Erst seit den 90er Jahren hängen verliebte Paare in Deutschland Metallschlösser an Brücken – besonders bekannt ist die Hohenzollern-Brücke in Köln. Ursprünglich soll der Brauch aber aus Italien kommen. Wirklich populär geworden ist er auch dort wohl erst durch den 2005 erschienenen Bestseller „Drei Meter über dem Himmel“ des italienischen Autors Federico Moccia. Seine Protagonisten hängen ihr Schloss an die Milvische Brücke und werfen den Schlüssel gemeinsam mit dem Ausspruch „Per sempre“ („für immer“) in den Tiber.

Während in der einen oder anderen deutschen Stadt darüber diskutiert wird, ob die Schlösser Schäden an den Brücken anrichten können und die Pariser Stadtverwaltung Anfang dieses Monats angekündigt hat, sämtliche Schlösser in der Stadt entfernen lassen zu wollen, hat sich der Gemeinde Wenningstedt diese Frage bisher noch nie gestellt. „Die Schlösser am Dorfteich waren in der Gemeinde nie Thema – weder positiv noch negativ“, sagt Bürgermeisterin Kathrin Fifeik. Sie selbst allerdings würde „keinesfalls“ so ein Liebesschloss abschließen.

In List allerdings, wo die Schlösser meist nach einer Schiffstrauung von Paaren an der Hafenmole festgemacht werden, soll demnächst etwas unternommen werden. „Die Nordmole trägt nicht so viele Schlösser“, erklärt Boris Ziegler, Kurdirektor der nördlichsten Inselgemeinde, „maximal eine Last von 30 Tonnen. Da dort auch die Schiffe über eine Kran zu Wasser gelassen werden, wollen wir lieber nichts riskieren.“ In List wurde laut Ziegler jetzt ein großes Herz aus Metall bestellt, das am Hafen aufgestellt wird um die Liebesschlösser dort zu kanalisieren.

Im Internet ist die Stimmung zu dem Brauch gespalten: „Bitte sofort Schild aufstellen: VERBOTEN“, schreibt eine Leserin der Sylter Rundschau auf Facebook, „... bitte nicht auch noch diese Sebstverwirklichung auf Sylt !“ Ein anderer ist der Ansicht: „Das ist eine dummerhaftige Mode-Erscheinung“, während andere sich über diese öffentlich zur Schau gestellte Form von Romantik freuen.

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