Drohnen auf Sylt : Im Tiefflug über die Insel

Der Copter von Moritzen ist aus vielen Einzelteilen zusammengebaut. Die Bilder von oben macht eine 16-Megapixel-Kamera.
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Der Copter von Moritzen ist aus vielen Einzelteilen zusammengebaut. Die Bilder von oben macht eine 16-Megapixel-Kamera.

Atemberaubende Bilder aus außergewöhnlichen Perspektiven: Immer mehr Menschen lassen auf der Insel ihre Drohne in die Luft steigen. Was die Faszination ausmacht und welche Vorschriften beachtet werden müssen.

shz.de von
27. Juli 2015, 16:05 Uhr

Ferngesteuerte Drohnen sind nicht nur bei Modellflug-Fans ein beliebtes Hobby geworden: Es gibt keine Altersbeschränkung, die Geräte können betriebsbereit im Handel gekauft werden und die Preise sind in den vergangenen Jahren stark gesunken.

Copter-Pilot Mario Moritzen auf dem Gelände des Modellflug-Vereins Sylt. Hier darf er nach vorheriger Anmeldung beim Tower seine Drohne steigen lassen.
Foto: Nieß
Copter-Pilot Mario Moritzen auf dem Gelände des Modellflug-Vereins Sylt. Hier darf er nach vorheriger Anmeldung beim Tower seine Drohne steigen lassen.
 

Die Flugroboter mit bis zu acht Rotoren sind aber mehr als nur Spielgeräte: In der Industrie, der Fotografie oder zur Landvermessung kommen sie längst zum Einsatz. Auf Sylt lassen Immobilienmakler gerne die zum Verkauf stehenden Häuser von den fliegenden Kameras fotografieren, um ihren Kunden die Objekte in ihrer vollen Pracht zeigen zu können. Außerdem können Schäden an Dächern ohne großen Aufwand dokumentiert werden.


„Drohne“ – ein irreführender Begriff

Für einen Flugroboter, wie er von Hobbypiloten und Fotografen auf der Insel eingesetzt wird, ist der Begriff „Drohne“ streng genommen irreführend. Vor allem in Modellfliegerkreisen wird diese Bezeichnung nur ungern gehört. Hintergrund ist, dass es sich bei einer Drohne eigentlich um ein militärisches Flugobjekt handelt und eine Assoziation zu den zivilen Coptern nicht entstehen soll.
Fantastischer Blick in den Inselsüden: Der Parkplatz am K4, am Horizont die Hörnum-Odde.
Foto: Moritzen
Fantastischer Blick in den Inselsüden: Der Parkplatz am K4, am Horizont die Hörnum-Odde.
 

Bei den meisten zivilen Drohnen handelt es sich eigentlich um sogenannte Multicopter, die sich anhand ihrer Motoren in unterschiedliche Kategorien klassifizieren lassen. Die Piloten der Flugroboter sprechen dabei hauptsächlich von „Quadrocoptern“ oder „Quadcoptern“, „Hexacoptern“, „Octocoptern“, einfach nur „Coptern“ oder eben „Multicoptern“. Der Fachmann der Luftfahrbehörde Schleswig-Holstein in Kiel spricht übrigens vom „Unbemannten Luftfahrtzeug“ oder „UAV“ für unmanned aerial vehicle.

Die Unterscheidung in der Bezeichnung erfolgt vor allem hinsichtlich der Rotorenzahl. Quadrocopter haben vier, Hexacopter sechs und Octocopter acht Rotoren, die für verschiedene Nutzungsarten Bedeutung gewinnen. Auch in den technischen Bereichen der Ausstattung gibt es Unterschiede: Flugdauer, Flughöhe und Flugreichweite variieren je nach Modell. Bild- und Videoaufnahmen gehören wie das GPS-gestützte Flugsystem dabei schon nahezu zur Grundausstattung.

Der Lister Leuchtturm aus Drohnen-Perspektive.
Foto: Moritzen
Der Lister Leuchtturm aus Drohnen-Perspektive.
 
Ein Trend mit Schattenseiten

Der Trend zum Copter ist sehr jung. Er nahm seinen Anfang zu Beginn des Jahrtausends mit kommerziellen Produkten für fliegende Kamera-Inspektionen. Die Hobby–Piloten konnten 2005 ihre ersten Systeme fliegen lassen, als erste Firmen relativ günstig zu erwerbende Spielzeuge mit vier in der Waagerechten angeordneten Propellern auf den Markt brachten. Erst die heutige Mikroprozessortechnologie, welche Sensoren zur Lagestabilisierung auswerten und die Drehzahlen der Motoren entsprechend verändern kann, erschloss dieses Thema dann für den Modellbau.

Doch der Trend hat auch Schattenseiten: Piloten der Luftrettung fürchten eine wachsende Bedrohung für Rettungshubschrauber durch unkontrolliert herumschwirrende Hobby-Drohnen. Außerdem kann der Absturz eines solchen Geräts erhebliche Schäden anrichten, für die nur eine spezielle Versicherung einspringt.

Dennoch erobern die unbemannten Luftfahrzeuge seit einigen Jahren auch ganz neue zivile Einsatzfelder. Aufsehen erregte zuletzt der Vorstoß von Amazon, in den nächsten Jahren zumindest einen Teil ihrer Pakete mittels ziviler Drohnen zustellen zu wollen. Bis zur Umsetzung dieser Pläne dürfte es allerdings noch viele Jahre dauern.

lle Drohnen gelten als  Luftfahrzeuge und unterliegen strengen Vorschriften. Werden sie zu gewerblichen Zwecken in die Luft gelassen, muss sich der Pilot vorher um eine Aufstiegserlaubnis bei der Luftfahrtbehörde kümmern.  Drohnen, die unter fünf Kilo wiegen und zu Sport- und Freizeitzwecken genutzt werden, brauchen keine Genehmigung. Allerdings dürfen auch deren Steuerer ihre Flugroboter auf der Insel nicht überall fliegen lassen.

Das Ausmaß der Zerstörung der Keitum-Ruine ist aus der Vogelperspektive gut zu sehen.
Foto: Moritzen
Das Ausmaß der Zerstörung der Keitum-Ruine ist aus der Vogelperspektive gut zu sehen.

Das müssen Drohnen-Piloten auf Sylt beachten

„Auf Sylt gelten schärfere Regeln als in anderen Teilen Schleswig-Holsteins“, erklärt Manfred Menzel von der Luftfahrtbehörde in Kiel. „Das besondere ist, dass ein großer Teil der Insel  Flugkontrollzone ist – und in dieser ist ist der Aufstieg der unbemannten Luftfahrzeuge eigentlich unzulässig.“ Die Flugkontrollzone des Flughafens erstreckt sich auf Sylt über den gesamten Insel-Osten (eingeschlossen sind die Orte Westerland, Wenningstedt, Kampen, Munkmarsch, Keitum, Archsum und Morsum) und endet im Norden unterhalb von List und im Süden kurz vor Rantum (siehe Karte). Hier werden allerdings in Einzelfällen Erlaubnisse erteilt. Dafür muss der Pilot vor jedem Flug dem Sylter Tower seinen Standort und seine Absicht  mitteilen. In der Regel darf der Flugroboter dann in die Luft gehen.

Grobe Skizze  der Sylter Naturschutzgebiete (grün) und der Flugkontrollzone (rot).
Grobe Skizze der Sylter Naturschutzgebiete (grün) und der Flugkontrollzone (rot).

Streng verboten  ist das Fliegen über dicht besiedelten Gebieten, Industrieanlagen, Menschenansammlungen, Unglücksorten sowie Katastrophengebieten. Dieses Verbot ergibt sich, weil die Sicherheitsmindesthöhe über diesen Orten 300 Meter , die höchste erlaubte Flughöhe der Copter aber nur 100 Meter beträgt. Grundsätzlich dürfen Drohnen nur „auf Sicht“ geflogen werden, also im Umkreis von rund 100 Metern um den Piloten und bis zu einer Flughöhe von 100 Metern.

Eine weitere Besonderheit sind auf Sylt auch die Naturschutzgebiete. Drohnen sind in Schutzgebieten (Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete, FFH- und EU-Vogelschutzgebiete) grundsätzlich unzulässig. In diesen Bereichen sind Drohneneinsätze im Einzelfall zwingend mit der Naturschutzbehörde abzustimmen. Davon ausgenommen sind lediglich touristisch intensiv genutzte Bereiche (etwa  Hauptstrände).

Ein striktes Verbot  gilt auch für das Wattenmeer. Die Naturschutzbehörde  ist dort innerhalb einer 150 Meter breiten Zone zuständig und  Drohnenflüge sind  dort grundsätzlich unzulässig. Bei Nichteinhalten der Vorschriften oder ungenehmigten Drohneneinsätzen droht dem Piloten ein Bußgeld. Eine weitere Vorschrift: Ohne ihr Einverständnis gefilmte oder fotografierte Menschen können eine Veröffentlichung   untersagen. Deswegen sollte man am besten vorher um Erlaubnis fragen. Was gar nicht geht: Nachbarn oder andere Menschen mit der Drohne beobachten oder ausspionieren,  indem man durch fremde Gärten oder vor Fenstern fliegt. Auf einem Privatgrundstück braucht man die Erlaubnis des Grundstückseigentümers. Außerdem ist eine spezielle Versicherung für Luftfahrzeuge obligatorisch. An die vorgegebenen Vorschriften halten sich nicht alle Copter-Nutzer:  „Unser Problem sind nicht die Profis“, sagt  Manfred Menzel von der Luftfahrbehörde, „unser Problem sind die Piloten, die ihr Fluggerät zu Sport- und Freizeitzwecken in die Luft gehen lassen und die Regeln nicht kennen.“

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