Im Schottenrock über die Insel

McGurk auf einem Friedenslauf nach Münster
McGurk auf einem Friedenslauf nach Münster

Benefizläufer John McGurk nutzt den Syltlauf als "Warm-up" / Dabei wird er auf seinen traditionellen Kilt nicht verzichten

shz.de von
10. März 2012, 03:59 Uhr

Sylt/Warschau | Die Vorstellung von Männern in Röcken auf Sylt mag ungewöhnlich sein, aber nicht unrealistisch: Ein gebürtiger Schotte wird am Syltlauf teilnehmen - und das auch noch in seinem rot-blau karierten Kilt. Die Rede ist von John McGurk. Der Osnabrücker ist erster Vorsitzender des Vereins "Sportler 4 a childrens world e.V." und Benefiz- und Friedensläufer. Die Hobbyläuferin Sabine Kemme vom Osnabrücker Sportverein hat McGurk bei einem Treffen auf den Syltlauf angesprochen und ihn davon überzeugt, teilzunehmen.

Der leidenschaftliche Läufer aus Osnabrück nimmt aber nicht nur aus Freude am Sport teil, sondern auch, weil er sich auf einen Benefizlauf nach Warschau vorbereitet und die 33,333 Kilometer nutzt, um Spenden für das Projekt in Polen zu sammeln. Kemme und ihr Laufkamerad Bernd Altenkirch aus Osnabrück wollen das unterstützen und McGurk mindestens 3 333,33 Euro mit auf den Weg geben. Einen Tag vor Startschuss befinden sich bereits 3 000 Euro in dem Sammelbeutel der Hobbyläufer. "Den Rest kriegen wir schon irgendwie zusammen und nach oben sind natürlich keine Grenzen."

Nachdem John McGurk sich gemeinsam mit seinem Lauf-Partner Sven Kösters auf Sylt warm gelaufen hat, startet er einen Benefizlauf, um für das Warschauer Projekt noch weitere Spenden zu "erlaufen". Die Strecke: 1 200 Kilometer von Münster nach Warschau. Der gesamte Erlös soll an das christliche Jugendwerk des Berliner Pastors Bernd Siggelkow "Die Arche" gehen, die mit der Hilfe der Lukas-Podolski-Stiftung eine Kinderarche in dem Warschauer Stadtteil Praga entstehen lassen will.

Gemeinsam mit sechs Hauptläufern seines Vereins, der 2008 in Osnabrück gegründet wurde, startet der 50-Jährige am 30. Mai am Flughafen in Münster, drei Wohnmobile werden die Läufer begleiten, die Tag und Nacht laufen, nach zehn Kilometern wird gewechselt, "dann hat jeder fünf Stunden Pause, in denen er massiert wird und entspannen kann."

McGurk hat schon viele Kilometer hinter sich gelegt und dabei Geld für hilfsbedürftige Kinder gesammelt: Über 600 000 Euro hat der Benefiz- und Friedensläufer bereits "erlaufen". 2007 fand der "G8-Lauf" von Osnabrück nach Rostock statt, bei dem McGurk für an Aids erkrankte Kinder in Afrika sammelte.

Der Wille, Kindern und Menschen in Armut zu helfen, zieht sich bereits durch McGurks gesamtes Leben. "Ich bin in Armut aufgewachsen und meine fünf Geschwister und ich sind in verschiedenen Kinderheimen groß geworden. Als ich Ende der 80er-Jahre von dem Massensterben im Sudan hörte, wollte ich helfen." McGurk entschied sich dazu, längere Strecken zu laufen und dabei Geld zu sammeln. Damals war er noch Kettenraucher - "ich habe zwei Schachteln am Tag geraucht" - und übergewichtig. Um jedoch die benötigte Aufmerksamkeit zu bekommen, griff der aus Glasgow stammende McGurk zu seinem traditionellen Kilt. Auf diese Weise wurden die Medien auf den im Kilt laufenden Schotten aufmerksam. "Das ist jetzt mein Markenzeichen, da komme ich nicht mehr raus."

In Ländern wie Frankreich und der Schweiz ist er auch schon gewesen - auf Sylt jedoch noch nie. "Die Insel war schon immer ein Ziel von mir, denn ich liebe das Meer."

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