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Sylter Rundschau

14. Dezember 2017 | 07:48 Uhr

Selbstversuch : Im Kajak Richtung Kampen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seekajaks - bei Flaute kann man mit ihnen auf Sylt Kilometer weit an der Küste entlang paddeln. Journalist Martin Tschepe probiert die Kajaks im Selbstversuch aus und merkt: Bei ordentlich Wellengang sind sie für Anfänger nichts.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 00:00 Uhr

Die Surfer sind skeptisch, das sagen sie auch ganz unverblümt. Ein paar Urlauber, die in ihren Standkörben fläzen, gucken interessiert zu. Also los, wir ziehen die orangefarbenen Seekajaks trotz aller Warnungen vom Strand in Richtung Brandung. Der Wind bläst ordentlich von Südwesten auf Westerland zu. Die Wellen sind geschätzt eineinhalb Meter hoch.

Die beiden Praktikanten von Hans Heinicke, dem Chef der Surfschule Westerland, bemühen sich redlich. Doch sie können sich wegen des Wellengangs maximal ein paar Sekunden auf den sogenannten Sit-on-top-Kajaks halten. Dann purzeln sie immer wieder ins Meer - und geben schließlich auf. Die speziellen Paddelboote sind mit Luft gefüllt, sie haben einen für Sylt entscheidenden Vorteil: sie können nicht sinken. Der Paddler sitzt auf dem Kajak, nicht im Kajak. Nun, an diesem Tag sitzen der 15-jährige Praktikant aus Karlsruhe und sein etwas älterer Kollege von den Malediven immer nur für einen kurzen Moment, dann schwimmen sie.

Nach ein paar Versuchen gelingt es mir schließlich, die sich brechenden Wellen am Ufer zu überwinden. Wenige hundert Meter vom Strand entfernt schaukeln die Wellen das Kajak zwar immer noch ordentlich durch - mit ein bisschen balance-technischem Geschick und kräftigem Einsatz der Armmuskulatur lässt sich das Seekajak aber prima nach Norden in Richtung Kampen bewegen. Der Rückweg wird beschwerlicher - denn der Wind bläst nun von schräg vorne.

Kajak fahren auf Sylt - für Anfänger jedenfalls ist das bei ordentlich Wellengang nichts. Die Surfer hatten Recht. Zurück am Strand lacht Hans Heinicke aus seinem wettergegerbten Gesicht. Der 66-jährige Senior ist immer noch fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Nach der kleinen Ausfahrt sitzen wir in seinem Restaurant Sunset Beach direkt am Wasser, und der Surflehrer erzählt eine Geschichte nach der anderen. Von seiner Übersiedlung von Hamburg auf die Insel vor mehr als 30 Jahren, vom Start mit der Surfschule 1987, von den vielen Weltcup-Rennen, die er mit organisiert hat, und von den ungezählten Wintermonaten, die er im Süden verbracht hat, etwa auf Hawaii, auf Barbados und auf den Kanaren, wo er sich einst beim Surfen eine lebensgefährliche Verletzung zugezogen hat.

Die Sache mit den Seekajaks hat Heinicke vor gut zehn Jahren angefangen, auf Wunsch des Tourismusservice Westerland, wie er sagt. Seither vermietet die Surfschule nicht nur Bretter, Boards, Wasserski und Kites sondern auch knapp ein Dutzend Kajaks. Mit den Paddelbooten könnten die Gäste ganz prima „Sylt erkunden“, so Heinicke. Viel zu erklären gebe es eigentlich nicht, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker und Abenteurer. Wenn zwei Paddler auf dem Kajak sitzen, „dann der Stärkere vorne, und der Hintere lenkt“. Das habe er auf Hawaii so gelernt. Alles ganz einfach.

Ein paar Tage später, nächster Versuch - diesmal bei Flaute. Die Nordsee zeigt sich von ihrer schönsten Seite, jedenfalls für Paddler. Das Meer ist ruhig und schimmert dunkelblau in der Sonne. Diesmal wollen wir von Westerland in Richtung Süden fahren. Heinickes Mitarbeiter sind wieder skeptisch. „Fahrt bloß nicht so weit raus“, heißt es diesmal. Die meisten Paddler blieben unmittelbar vor der Surfschule.

Der Start ist jetzt überhaupt kein Problem. Ein paar kräftige Paddelzüge und das Kajak saust los. Der Wind bläst ganz leicht von Nordwesten. Wieder dürfte der Rückweg etwas beschwerlicher werden. Egal.

Es ist eine ganz neue Perspektive: Der Sylter Strand aus zwei- oder dreihundert Metern Entfernung sieht völlig anders aus. Die Strandkörbe, die Bettenburgen direkt hinter der Promenade in Westerland, die Menschen - alles wirkt wie Spielzeug. Plötzlich taucht links ein Schweinswal auf und verschwindet sofort wieder. Gelegentlich müssen wir tollkühnen Schwimmern ausweichen, die weit raus gekrault sind. Wieder ein Schweinswal, diesmal rechts. Nach gut einer Stunde eine kurze Rast in Rantum beim Campingplatz. Dann geht's zurück zur Surfschule.

Informationen: www.sunsetbeach.de


Der Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Anfang der 70er-Jahre in Hörnum auf Sylt zur Schule gegangen. Er besucht mindestens einmal im Jahr die alte Heimat, meistens schwimmt er dann tagtäglich ein paar Kilometer im Meer. Kanu gefahren ist er zuletzt Anfang der 80er-Jahre vor Hörnum.
 

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