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E-Mobilität auf Sylt : „Ich würde sogar den Strom bezahlen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Kampener Unternehmer Markus Wenzel will, dass E-Mobilität auf Sylt selbstverständlicher wird.

Sein Fuhrpark umfasst bereits fünf E-Autos. Auf seinem Firmen-Parkplatz fällt die prägnant designte Ladesäule für elektrisch betriebene Autos sofort ins Auge. Als sie vor fünf Jahren aufgestellt wurde, war sie die erste E-Tankstelle auf der Insel. Seit seiner Jugend ist der in der Nähe von Gorleben aufgewachsene Markus Wenzel ein leidenschaftlicher Fan der E-Mobilität. Und wenn er über die Fahrten in einem BMW i3 oder gar im Tesla erzählt, dann kommt der Mann, der von sich selbst sagt, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz ihn bewegen, regelrecht ins Schwärmen. „E-Autos sind besser als normale. Sie funktionieren zu 150 Prozent. Es gibt keine Schwächen. Es ist geiler, damit zu fahren, weil sie schneller und leiser sind und es einfach Spaß macht“. Und damit nicht nur der Chef Spaß am E-Autofahren hat, fördert er seinen Angestellten den „Kauf eines neuen und auf Sylt zugelassenen E-Autos mit 1  800 Euro“. Vor wenigen Tagen durfte sich darüber eine Mitarbeiterin seines Unternehmens freuen.

Für den Inhaber der Kampener Vermietungsagentur „Appartements & Mehr“ geht es bei der E-Mobilität aber nicht nur um Fahrspaß. „Für Sylt kann die E-Mobilität ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein, passen doch hier die Distanzen, die man mit einer aufgeladenen Batterie zurücklegen kann, hervorragend zu den Entfernungen zwischen Inselnorden und Inselsüden oder von West nach Ost.“ Der Unternehmer ist nicht der Erste und nicht der Einzige, der die E-Mobilität als die Chance für die Insel sieht, sich im Klima- und Umweltschutz klar zu positionieren, doch die Entwicklung dahin geht nur schleppend. Markus Wenzel kritisiert, dass auf der Insel „niemand etwas tut. Hier passiert gar nichts.“

Er freut sich über das Engagement der SVG, einen E-Bus einzusetzen, findet die Aktion der EVS gut, die Anschaffung eines auf Sylt zugelassenen E-Autos mit 1  500 Euro zu fördern, sieht aber als größtes Hindernis „die nicht vorhandene Infrastruktur für E-Autos. Ich stelle mir das so unkompliziert und flächendeckend vor wie beispielsweise in Kopenhagen, wo es viele Parkplätze mit zwölf und mehr Steckdosen für das Laden der Batterien gibt. In der Westerländer Innenstadt ist gerade die einzige E-Tankstelle weggefallen, weil der Parkplatz am Bahnhof wegen einer Baumaßnahme geschlossen wurde.“

Doch die Hoffnung, dass sich auf Sylt in puncto E-Autos noch einiges bewegen kann, will der 46-Jährige nicht aufgeben. Um aber wirklich Schwung in die Bewegung zu bringen, denkt Markus Wenzel, dass es zum Beispiel gut wäre, „im Westerländer Parkhaus – und zwar an der schlechtesten Stelle – mindestens acht Parkplätze mit entsprechenden Steckdosen auszurüsten, keine opulenten Säulen. Ich würde sogar den Strom bezahlen und die EVS baut es dahin. Damit es endlich mal losgeht. Denn wenn es eine verlässliche Versorgung, also ein Ladenetz und freies Parken gibt, dann würden sich auch und gerade Sylter Unternehmer, die ihre Mitarbeiter zum Bahnhof fahren lassen, für die Anschaffung eines E-Autos entscheiden. Die könnten dann über Nacht die Autos laden lassen und tagsüber für die Touren über die Insel nutzen. So müsste es anfangen, aber es fehlt der Impuls. Auch der Sylt-Shuttle könnte einiges zur Förderung der E-Mobilität tun, indem er am Port eine Ladevorrichtung oder sogar einen Sondertarif für E-Autos anbietet. Irgendwas für E-Autos. Es wäre perfekt fürs Image der Insel.“ Auf der Syltfähre konnte Markus Wenzel „schon eine Ladestation für E-Autos entdecken“.

Er weiß aber auch, dass die Anschaffungskosten für E-Autos immer noch unattraktiv weil sehr hoch sind. Die Ankündigung der Bundesregierung, den Erwerb mit mehreren tausend Euros zu fördern, könnte die Nachfrage steigern. Dieser Effekt dürfte sich auch einstellen, wenn die Automobilindustrie die Pläne umsetzt, die sie vielfach angekündigt hat. So hieß es erst kürzlich aus der Daimler-Zentrale, dass man dort den Anteil der verkauften Autos mit Elektroantrieb in den kommenden Jahren deutlich ausbauen will und weitere Modelle plant. „Bis 2020 wird Elektromobilität bei Daimler sechsstellig“, sagte Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Er hält den Markt für Elektroantriebe für reif. „Wir sind überzeugt, dass der Markt jetzt so weit ist“ – obwohl er einräumte, dass kein Hersteller derzeit Geld damit verdiene. „Ich glaube, dass die Kaufprämie dazu beitragen kann, die Masse zu unterstützen.“ Entscheidend sei aber der Aufbau der Infrastruktur für E-Autos. Und ein VW-Sprecher lässt wissen: „Grundsätzlich gilt: Wir haben die Elektromobilität in die Mitte des Konzerns geholt und umfangreiche Kompetenzen aufgebaut.“ Volkswagen habe sich das Ziel gesetzt, bis 2018 Marktführer in der E-Mobilität zu werden.

„Leider sind ja die Versuche, hier auf Sylt gemeinsam mit VW oder anderen Automobilherstellern E-Autos in den Verkehr zu bringen, gescheitert“, stellt Markus Wenzel mit Blick auf „die öffentlichen Kooperationen“ fest. Er sieht allerdings auch, dass einige Sylter Spitzen-Hotels oder der Autovermieter „Syltcar“ schon eine gewisse Zahl an E-Autos auf die Inselstraßen bringen. Von einer richtig breiten Bewegung, die das E-Auto aus dem Exotenstatus hebt und es so normal sein lässt wie ein Dieselfahrzeug, „sind wir hier aber noch sehr weit entfernt.“ Der Ruck, der gerade durch die Autoindustrie geht, die Sorge, mit Dieselmotoren schon in naher Zukunft keine Autos mehr verkaufen zu können, dürfte auch die Marketingstrategen in den Autokonzernen neue Wege beschreiten lassen. „Wäre ja toll, wenn es jetzt einen Neuanfang zwischen der Insel und den Produzenten geben könnte. Wir sind doch der super Standort für E-Autos: leise, exklusiv und umweltschonend.“ 

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erstellt am 23.Jun.2016 | 05:30 Uhr

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