Flüchtlinge auf Sylt : „Ich wollte arbeiten. Unbedingt!”

Endlich eine unbefristete Arbeitserlaubnis: Nach einem halben Jahr als Gärtner arbeitet Salih Shekan (25) nun seit sechs Monaten in der Küche des Hotels „Benen-Diken-Hof”.
Endlich eine unbefristete Arbeitserlaubnis: Nach einem halben Jahr als Gärtner arbeitet Salih Shekan (25) nun seit sechs Monaten in der Küche des Hotels „Benen-Diken-Hof”.

Wie leicht ist es als Flüchtling auf Sylt einen Job zu bekommen? -Arbeitgeber und Betroffene haben auf der Insel unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

shz.de von
22. Mai 2015, 05:30 Uhr

Sie haben Lust zu arbeiten, doch ihnen sind die Hände gebunden. Obwohl sie eine Arbeitserlaubnis haben, müssen einige Flüchtlinge auf Sylt mehrere Wochen darauf warten, bis sie loslegen können. Bewerben sie sich auf eine Stelle, wird zunächst geprüft, ob es deutsche Mitbewerber oder Interessenten aus dem europäischen Ausland gibt. Dieses Verfahren kann rund drei Monaten dauern – bis dahin kann der angestrebte Sommerjob schon wieder weg sein. Aber nicht immer muss es so lange dauern, auch dafür gibt es Belege.

Seit einem Jahr ist der Asylbewerber Salih Shekan im Hotel „Benen-Diken-Hof” beschäftigt – im Herbst wird der junge Afghane dort eine Ausbildung beginnen. Der 25-Jährige hatte, nach einigen Problemen am Anfang, selbst die Initiative ergriffen, deutsche Bücher gelesen, einen Deutschkurs besucht: „Ich wollte arbeiten. Unbedingt”, sagt der junge Mann. Vor einem Jahr bot sich dann die Chance. Die Besitzer des „Benen-Diken-Hof“, Anja und Claas-Erik Johannsen, stellten ihn ein. Anschließend wechselte er in die Küche des Hotels, erhielt zudem eine unbefristete Arbeitserlaubnis. „Dies alles war allerdings nur dank des unkomplizierten Zutuns des Arbeitsamtes möglich, das eine befristete Arbeitserlaubnis ausstellte”, erklärt der Chef den unkomplizierten Weg.

Die Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) prüft die Anträge der Flüchtlinge, erklärt Martin Slopianka, Sprecher des Kreis Nordfriesland - Arbeitsmarkt-Vorrangprüfung nenne sich das. “ Das kann auch länger dauern, da es vor Kurzem eine Gesetzesänderung gab, und die Behörde daher überlastet ist.“ Häufig müssten die Bewerber noch Unterlagen nachreichen, das dauere dann. Nach 16 Monaten Aufenthalt in Deutschland, verkürze sich das Prozedere etwas. „Dann können sich die Menschen ohne die Arbeitsmarkt-Vorrangprüfung einen Job suchen, trotzdem laufe die Bewerbung noch über die ZAV“, erklärt Slopianka.

„Das Thema spielt eine große Rolle in der Gastronomie und für die Unternehmen“, sagt Claas-Erik Johannsen, der auch Sprecher der Dehoga auf Sylt. Der Tenor sei, dass es unglaublich viele Leute gibt, die Lust haben zu arbeiten und „denen sollten wir diese Chance auch geben“. Er habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht: Insgesamt zwei Flüchtlinge hat Johannsen im Hotel Benen-Diken-Hof in Keitum eingestellt. Salih Shekanim vergangenes Jahr, einen weiteren in diesem Frühjahr. „Das Verfahren hat rund acht Wochen gedauert, es hat alles gut funktioniert und wir haben uns sehr gut unterstützt gefühlt“, erklärt er die Prozedur vom ersten Gespräch bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn. In Keitum seien er einer der wenigen Arbeitgeber, der Flüchtlinge beschäftigt, sagt der Dehoga-Sprecher.

Von nicht ganz so reibungslosen Abläufen berichtet Andrea Krüger, vom Teehaus Janssen, die sich seit mehreren Monaten für die Neuankömmlinge einsetzt. Rund zweieinhalb Monaten dauere es im Durchschnitt, ehe die Menschen ihren Job antreten konnten, so ihre Erfahrung.„Das sind ganz tolle Leute, die arbeiten wollen, das ist so schade, dass das alles so lange dauert“, sagt die junge Frau. Das Problem sei vor allem bei befristeten Sommerjobs ausgeprägt. Für Spüler, Küchenhilfe oder Putzkraft, sei dass Verfahren zu lang, die Jobs dann schon an andere vergeben oder schon fast wieder zu Ende, noch bevor die Arbeitswilligen die Stelle antreten können. Die Behörden seien aufgrund der starke Nachfrage im Moment auch sehr überlastet, zeigt Krüger Verständnis für deren Lage. Einige auf der Insel hätten auch relativ unbürokratisch eine Arbeit in ihren erlernten Berufen als Fliesenleger oder Dachdecker gefunden. Auf Sylt sei die Integration von Flüchtlingen gerade durch die Unterstützung von Menschen wie Bernd Frühling und der neuen Flüchtlingskoordinatorin Tina Haltermann, auf einem sehr guten Weg, zeigt sich Slopianka zuversichtich.

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