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Neujahrsempfang in der Gemeinde Sylt : „Ich will Tempo rausnehmen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Alle warteten auf die Rede des neuen Bürgermeisters. Doch Nikolas Häckel überraschte seine Gäste

von
erstellt am 08.Jan.2016 | 18:58 Uhr

Viele der rund 500 Besucher des Neujahrsempfangs waren Donnerstagabend mit großen Erwartungen ins Westerländer Rathaus gekommen und waren insbesondere gespannt auf die Ansprache von Nikolas Häckel. Doch der vor fast einem Jahr neu gewählte Bürgermeister der Gemeinde Sylt hielt gar keine Rede – sondern er ließ sich zur großen Überraschung aller Anwesenden bei seinem ersten öffentlichen Auftritt 2016 interviewen. Als Fragesteller griff der 18-jährige Sylter Gymnasiast Martin Röttger zum Mikrofon und zeigte, immer freundlich-souverän, auch keine Scheu vor kniffelig-kritischen Themen.

Wie denn das Verhältnis zu seinen Mitarbeitern in der Verwaltung sei, wollte er zum Beispiel vom Bürgermeister wissen: „Kommen Sie mit allen gut zurecht?“ Nikolas Häckel antwortete ohne Zögern: „Ein ganz klares Nein.“ Mit allen Mitarbeitern, geschweige denn mit allen Menschen, könne und werde man nie gut klarkommen. „Aber ich will lernen, zuzuhören und auch versuchen, besser zu verstehen“, sagte Häckel. Nächste Frage: „Haben Sie im ersten Amtsjahr Fehler gemacht? Gab es Versäumnisse?“ Er sei wohl sehr schnell, oft zu schnell, gestand der Bürgermeister ein. „Ich werde 2016 versuchen, Tempo rauszunehmen, mein Umfeld besser mitzunehmen.“ Die viele Unruhe im vergangenen Jahr – in der Öffentlichkeit, der Presse, der Politik, aber auch verwaltungsintern – sei für ihn vor allem ein Impuls, auf viele Themen noch mal neu drauf zu schauen. Insgesamt könne er aber sagen: „Ja doch, die Arbeit macht mir auch Spaß.“

Ob er denn überhaupt wieder gut in seine alte Heimat Sylt zurückgefunden habe, fragte Martin Röttger den Bürgermeister. „Hm, eine schwere Frage“, antwortete Häckel nach kurzem Zögern. „Alles ist anders, als es gewesen ist. So manches ist auch Neuland, es gab und es gibt viele Premieren. Aber ja, doch: Ich habe mich gut wieder eingelebt.“ Nikolas Häckel betonte, er sei „keine Rampensau“. Öffentliche Auftritte müsse er noch immer üben und ebenso, diese durchzustehen. „Ich habe mir sagen lassen, dass ich eher ein ‚Typ des zweiten Blicks‘ bin. Ich werde wohl nicht immer gleich wahrgenommen.“ Es gebe bei seinen Kontakten aber auch „komische Erwartungshaltungen“, die er weder erfüllen möchte noch werde. Zum Abschluss des Interviews kam dann doch ein Appell des neuen Bürgermeisters: „Wir sollten in allen Veränderungen auch das Positive sehen“, so Häckel. „Lassen Sie uns aktive Sylter sein.“

Eine Rede im klassischen Sinne gab es beim Neujahrsempfang aber doch noch, als Bürgervorsteher Peter Schnittgard ans Rednerpult trat. Er dankte allen Ehrenamtlichen, den Gemeinde- und Bürgervertretern und den Mitarbeitern der Verwaltung für die engagierte Zusammenarbeit im Jahr 2015 – ausdrücklich auch Bürgermeister Nikolas Häckel. „Wir kommen beide miteinander gut klar“, so Schnittgard. „Dabei spielt es keine Rolle, ob es Themen mit unterschiedlicher Meinung gibt oder nicht.“ Aber so manches Thema, so manche Entscheidung brauche noch nachträgliche Diskussions- und Interpretationsrunden. Als Beispiele nannte der Bürgervorsteher die Verwaltungszentralisierung, die Unterbringung der Flüchtlinge, die Abrisse von Halle 28 und Keitum-Therme oder die Quotenregelung für das künftige Verhältnis von Dauer- und Ferienwohnraum. „Der Begriff 40/60 hat ja beste Chancen, zum Unwort des Jahres gekürt zu werden.“

Über viele Sylter Kuriositäten hätten sich besonders die Medien gefreut, nicht nur auf der Insel. Eine Saure-Gurkenzeit, ein Sommerloch habe es 2015 nie gegeben, sagte der Bürgervorsteher und erinnerte an die Themen Bordell-Umzug, Klohäuschen in der Neuen Mitte, den „Schlangenweg“ oder die „Mogelpackung“ der Sylter Autozug-Betreiber: „Der eine bietet Abenteuerurlaub zu Fernverbindungspreisen bis Bredstedt an, der andere hält Ausschau nach Transport-Equipment aus den 1950er Jahren.“ Bereits zu Beginn des neuen Jahres sei klar, das viel auf Politik und Verwaltung zukomme. „Rund 65 Gemeinde- und Ausschuss-Sitzungen, zirka 18 Ortsbeiratssitzungen – der Kalender 2016 hat es schon jetzt in sich“, so Schnittgard. „Damit leben wir unseren jüngeren Mitbürgern den Alltag der Politik vor. Man kann nur hoffen, es ist Anreiz genug vorhanden, einmal das Erbe der Väter und Mütter anzutreten. Denn wir brauchen dringend die junge, die nächste Generation. Überall auf der Insel, nicht nur in der Gemeinde Sylt.“

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