„Ich war sofort verliebt in die Insel“

Bestseller-Autorin Claudia Thesenfitz während ihres jüngsten Sylturlaubs in List.
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Bestseller-Autorin Claudia Thesenfitz während ihres jüngsten Sylturlaubs in List.

Bestseller-Autorin Claudia Thesenfitz erzählt von ihrem neuen, etwas anderen Sylt-Roman „Mit James auf Sylt“

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29. März 2019, 16:38 Uhr

„Mit James auf Sylt“ heißt der neue „Glücksroman“ von Claudia Thesenfitz. Diesmal ist es nicht die typische Liebesgeschichte, die man von einem Sylt-Roman erwarten könnte. Denn der „Mann“, der das Herz der Protagonistin erobert, ist James – ein Hund. Im Interview mit der Sylter Rundschau verrät die Autorin, warum diesmal ein Hund die tragende Rolle ihres Romans übernimmt, was Sylt so klischeehaft erscheinen lässt und wie schmal der Grat zwischen Liebe und Hass sein kann.

Frau Thesenfitz, in Ihrem neuen Roman „Mit James auf Sylt“ ist der Begleiter der Protagonistin diesmal kein Mann, sondern der Neufundländer James. Wie kam es, dass diesmal die Beziehung zu einem Tier im Vordergrund steht?

Na ja, James ist ja mein Hund, der leider vor eineinhalb Jahren verstorben ist. Den Roman habe ich sozusagen für ihn geschrieben. Insofern ist auch einiges, was Jana im Roman mit James erlebt, mir mit meinem James passiert.

Die Rolle des Hundes ist an „ihren“ James angelegt und Jana, die Protagonistin, weist auch einige Parallelen zu Ihnen auf. Wie viel Claudia steckt in Jana?

Also, das bin nicht ich, das ist klar. Natürlich stecken dennoch Teile von mir automatisch in Jana. Ich kann nicht vermeiden, dass ich mich mit meinen Figuren identifiziere. Oder dass ich ihnen Charaktereigenschaften gebe, die ich an mir selbst vielleicht sogar neurotisch finde, die der Figur Farbe geben.

Zu Beginn des Romans hat Jana ein äußerst klischeebeladenes und schlechtes Bild von Sylt. Es ist ihr „zu schicki, zu kalt und viel zu viel Wind“. Wie kommt es, dass Sie als Sylt-Liebhaberin die Geschichte ausgerechnet so starten lassen?

Ich glaube, es gibt viele Menschen – besonders in meiner Generation – für die Sylt einfach etwas Elitäres, Teures an sich hat, was sie nicht unterstützen wollen. Dazu das ganze Theater mit der Bahn. Das sind Gründe, weswegen man Sylt eher kritisch sieht und stattdessen lieber nach Amrum oder St. Peter-Ording fährt. Natürlich dient das Ganze auch dem Spannungsaufbau – Jana muss Sylt erstmal richtig doof finden, damit sich daraus etwas entwickeln kann: Und tatsächlich stellt sie ihre Vorurteile sofort ein, nachdem sie das erste Mal am Strand war. So geht es, denke ich, den Meisten. Es heißt ja auch: Entweder man ist verliebt in die Insel oder man reist sofort wieder ab. Bei mir war es ähnlich ...

Wie haben Sie Sylt bei ihrem ersten Besuch denn wahrgenommen?

Ich habe die Insel erst vor neun Jahren kennengelernt. Das war im Sommer. Damals reiste ich an, weil ich hier für jemanden eine Biografie schreiben durfte. Direkt nach meiner Ankunft bin ich zum Strand, um den Sonnenuntergang anzuschauen und war sofort vollkommen geflasht: Von dem milchigen Licht, von der grünen Brandung – überhaupt von der Brandung, die ich aus meiner Heimat nicht kenne. Ich war sofort verliebt. Abgesehen davon mochte ich auch das etwas Schickere. Dadurch waren die Restaurants und das Essen einfach sehr gut. Auch an Westerland, das da liegt wie eine kleine Stadt mitten in der Natur, fand ich Gefallen. Ich fand das damals alles sehr charmant.

Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen: Das Ende ließe Platz für eine Fortsetzung – haben Sie vor, die Geschichte von Jana weiter zu erzählen?

Ich bin immer gerne bereit, Fortsetzungen zu schreiben. Das ist allerdings ein bisschen abhängig vom Verlag und von den Reaktionen auf den Roman. Eine Idee, wie es weitergehen könnte, habe ich auf jeden Fall.

Der Roman lebt von Klischees: Über die Insel, über die Menschen. Es gibt die coolen und toughen Surferjungs und die schnöseligen, arroganten und wohlbetuchten Zweitwohnungsbesitzer, die sich am liebsten in Kampen rumtreiben. Wieso haben Sie sich dafür entschieden, Sylt so zu porträtieren?

Der Hundetrainer-Surfer-Typ ist, denke ich, gar nicht so klischeebehaftet. Viele Hundetrainer habe ich einfach so erlebt und wahrgenommen.

Ich hatte oft ausgeflippte Trainer, die sich wirklich nur mit Hunden beschäftigt haben. Und die andere Kategorie habe ich auf Sylt einfach tatsächlich oft gesehen. Mir gefiel die Idee, zwei so starke Antitypen zu erschaffen.

In ihrem letzten Interview mit der Sylter Rundschau haben sie verraten, dass sich ihre Geschichten grundsätzlich mit ihren Lebensphasen decken. Bedeutet das, dass auch Sie schon mal eine Hassliebe wie die zwischen Hundetrainer Ben und Jana erlebt haben?

Nein, so nicht. Das ist eher ausgedacht. Ich fand die Vorstellung aber spannend und konnte mir die Situationen gut vorstellen. Ich habe schon oft erlebt, dass die zwei, drei Leute, die man in Gruppen auf den ersten Blick nicht mag, am Ende die sind, mit denen man sich am besten versteht und die größte Verbindung hat. Das finde ich total irre. Es ist eben tatsächlich so, dass emotionale Ausschläge in egal welche Richtung irgendetwas zu bedeuten haben und auch ganz leicht kippen können. Dazu gibt es auch diese bestimmte Zeile in einem Song der Pretenders: „It’s a thin Line between Love and Hate“.

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