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Ole von Beust : „Ich vermisse ein Leitbild für Sylt“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust sprach auf Einladung der Sylter Rotarier über seine Sicht auf die Insel und ihre Entwicklung.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 05:32 Uhr

„Für Hamburger ist Sylt mehr als nur ein Urlaubsort. Die Insel spricht die maritime Seele der Hanseaten an, ihre tiefe Verbindung zum Meer. Aber die Hamburger sehen in den Syltern auch immer noch die ‚Strandräuber’, deren Geschäftstüchtigkeit legendär ist“. So Ole von Beust am Donnerstagabend in der Galerie des Westerländer Hotels Stadt Hamburger. Auf Einladung des Rotary Clubs Sylt schilderte der jugendlich wirkende 62-Jährige ebenso launig wie fundiert seinen „Blick eines Hamburgers auf Sylt“. In der voll besetzten Stadt Hamburg Galerie - die Rotarier hatten auch die anderen Service-Clubs der Insel wie die Lions und Round-Tabler zu dem Vortrag eingeladen - erzählte von Beust zunächst von seinen sehr persönlichen Bindungen zu Sylt. Von seinen Aufenthalten als Hamburger Jung in Puan Klent, von der für ihn bis heute anhaltenden Faszination, die schon der Geruch auslöst, „sobald ich auf dem Hindenburg-Damm bin“.

Seit vielen Jahren besitzt der ehemalige Politiker, Jurist und Berater eine kleine Wohnung auf der Insel. Ein Rückzugsort, eine Kraft-Tankstelle, eine Chance des Zu-Sich-Kommens, die er vor allem in den Zeiten als aktiver Politiker sehr zu schätzen wusste. „Sylt ist meine zweite Heimat“, sagt Ole von Beust, der in Hamburg aber auch in Berlin weitere Wohnungen hat. Städte die für ihn und seine jetzige Tätigkeit als Consulter mit einem eigenen Beratungsbüro wichtig sind. Er ist Mitgesellschafter der Ole von Beust Consulting GmbH & Co KG, die Strategie- und Kommunikationsberatung für Unternehmen und Verbände anbietet. In dieser Funktion berät er aktuell die Gemeinde Hörnum bei der Frage, wie zukünftig mit dem (maroden und zum Verkauf stehenden) Hafen des Inselsüdens umgegangen werden sollte.

„Es gibt viel Positives zu Sylt und der Entwicklung der Insel zu sagen, aber auch einiges Negative“, gab von Beust seinem Vortrag – nach seinen persönlichen, von spürbarer Leidenschaft für die Insel getragenen Schilderungen – eine Wendung, die später zu angeregten Gesprächen führen sollte. Denn Ole von Beust überschrieb diesen Teil seines Blicks auf Sylt mit der Feststellung, „dass ich nicht erkennen kann, wo die Insel in Zukunft hin will. Ich vermisse ein Leitbild für Sylt“. Zwar sieht von Beust, „dass die Insel in den vergangenen zehn Jahren in vielen Bereichen erkennbar an Qualität gewonnen hat. Die Pflege der Natur hat sich verbessert, die Qualität der Unterkünfte, die Gastronomie und Kulinarik der Insel ist geradezu phänomenal“. Der Qualitätsschub sei angesichts der Entwicklungen im Tourismus sicher auch notwendig, doch damit allein könne die Insel nicht ihre Zukunft als herausragendes Urlaubsziel als Premium-Destination gestalten. „Mir fehlt ein organisierter Prozess“, kritisiert der professionelle Berater. Von Beust erinnerte an seine Amtszeit als Hamburger Bürgermeister. „Damals standen wir auch vor der Aufgabe, für die Stadt ein Leitbild zu entwickeln. Sicher keine einfache Aufgabe bei all den sich widersprechenden Interessen. Aber es ist gelungen. Und was in Hamburg möglich war, müsste doch auch auf Sylt machbar sein - obwohl es hier fast so viele widerstreitende Interessen gibt wie in der Hansestadt“.

Der Blick, den von Beust dabei auf die Insel lenkt, fokussiert sich auf „Fehlentwicklungen“, die er zum Beispiel im Bereich der Großveranstaltungen sieht. „Weiße Pagodenzelte, die den Blick aufs Meer versperren, braucht ein Sylt-Urlauber so wenig wie dröhnende Motorräder, die ihm die Ruhe rauben, die er hier sucht“. Wichtiger aber als die Betrachtung einzelner Kritikpunkte ist es ihm, dass die Insel Ideen entwickelt, wie sie den sich jungen Menschen – „den Gästen von morgen“ – und ihren Ansprüchen öffnet. „Meine Leidenschaft für Sylt wurde durch Puan Klent genährt. Warum bemüht sich die Insel nicht um all diese Einrichtungen, in denen junge Menschen oft ihre ersten Sylt-Erfahrungen machen? Erlebnisse, die sie für die Insel begeistern können. Warum bemüht sich die Insel nicht um Auto-freie-Zonen? Nicht um den verstärkten Einsatz von E-Mobilität? Und warum lässt die Insel die katastrophalen Zustände auf den Schienen zu?“, fragte von Beust, um sich selbst die Antwort zu geben. „Es herrschen offensichtlich zu viele Einzelinteressen. Es fehlt ein gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen der Insulaner, damit sie ihre Forderungen auch politisch umsetzen. Es fehlt das Leitbild!“

In der anschließenden Diskussion bestätigte sich diese Analyse, wurde schnell klar, dass viele der Zuhörer sich ebenfalls ein solches Leitbild wünschen würden, auch wenn nicht alle die gleichen Forderungen oder die selben Ideen und inhaltlichen Schwerpunkte teilen. „Das ist immer so. Aber deshalb ist es wichtig, dass ein solcher Prozess möglichst von Außenstehenden moderiert wird, die nicht in insularen Interessenskonflikten verstrickt sind“. Auch wenn einige unter den Zuhörern sich an viele andere Diskussionsrunden erinnert fühlten, in denen es ebenfalls um die Zukunft der Insel und die Analyse ihres aktuellen Zustandes ging, hörte man Stimmen, die dem Referenten deutlich zustimmten und zugleich die Hoffnung äußerten, dass es doch möglich sein müsste, ein gemeinsames Leitbild für Sylt zu entwickeln. 

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