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Sylter Gästeführerin Silke von Bremen : „Ich liebe es, Geschichten zu erzählen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fragen an Silke von Bremen zur 10. Auflage ihrer „Gebrauchsanweisung für Sylt“.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2017 | 04:42 Uhr

Vor sechs Jahren erschienen die „Gebrauchsanweisung für Sylt“. Das gut 220 Seiten umfassende Buch hat sich seitdem zu einer der meistverkauften Sylt-Bücher entwickelt. Gerade ist deshalb die 10.Auflage des Reiseführers, der eher ein Erzählband von literarischer Qualität ist, erschienen. Im Interview gibt die kenntnisreiche Autorin Silke von Bremen, die auf Sylt längst zu den bekannten Persönlichkeiten zählt, Auskunft über die Eigenarten des Buches und ihr besonderes Verhältnis zur Insel.

Frau von Bremen, Bücher über Sylt, literarische Ergüsse sowie Rat- und Reiseführer über die Insel gibt es fast so viele wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Ihr Buch scheint in diesem Büchermeer besonders beliebt zu sein. Was haben Sie richtig gemacht, dass jetzt die 10.Auflage notwendig wird?

Das ist eine gute Frage! Denn im Gegensatz zum Piper-Verlag, der mich damals überreden musste, stand ich dem Projekt ausgesprochen skeptisch gegenüber. Dass die „Gebrauchsanweisung Sylt“ heute zu den Top-Sellern innerhalb der über 100 Veröffentlichungen der Reihe „Gebrauchsanweisung für ...“ gehört, hat dann aber auch den Verlag verblüfft.

Der Erfolg ist sicher der Tatsache geschuldet, dass Sie locker schreiben können, sehr viel Humor in Ihre Wahrnehmungen packen, die Texte authentisch sind und viele Sylt-Interna erklären.

Das haben Sie sehr nett gesagt. Danke!

In Ihrem Buch gibt es kein einziges Foto, nur puren Text. Das liegt nicht gerade im Trend bei Reiseführern. Haben Sie das entschieden oder der Verlag?
Das ist das Konzept der Gebrauchsanweisungen, die keine Reiseführer im klassischen Sinn sind. Sondern, wie bei einem Menü, eher als gute Vorspeise daherkommen und unbändige Lust auf das machen sollen, was dann noch kommt.

Als Gästeführerin kennen Sie die Fragen der Sylt-Touristen, die sie mit Bezug auf die Insel haben. In wieweit hat diese Arbeit, Ihre Erfahrung mit den Gästen, die Arbeit am Buch beeinflusst?

Fragen wie „Was heißt Rüm Hart?“ oder „Wie lange hält ein Reetdach?“ habe ich meinen Gästen zu verdanken. Aber man kann ja nur nach Dingen fragen, von denen man weiß. Doch die Gäste – und zahlreiche Sylter – wissen oft nicht sehr viel. Und ich bin eine klassische Geschichtensammlerin und liebe zudem „story-telling“, also erzähle sehr gern Geschichten. Ich habe absolute Schwierigkeiten mir zu merken, wie hoch die Düne xy ist, wie groß die Insel oder wie lang der Hindenburgdamm ist. Dafür habe ich einfach keine Synapsen. Aber wenn mir jemand erzählt, in diesem Haus lebte eine Familie, die in nur vier Wochen alle ihre sieben Kinder an Diphterie verlor, oder hier ist der Operettensänger Rudolf Schock nach seinem Herzinfarkt in Meer gerannt und hat lauthals gesungen „Freunde, das Leben ist lebenswert“ kann ich mir das verblüffender Weise merken. Und ich bin in der Lage, diese kleinen Geschichten mit der großen Geschichte zu verknüpfen und so bekommt vieles plötzlich einen Sinn. Davon zu lesen macht einfach Spaß, auch wenn man mit Geschichte eigentlich gar nichts am Hut hat.

Das heißt, auch Sylter lesen ihr Buch, obwohl Sie eine Zugereiste sind?

Ja, mit zunehmender Tendenz. Und sie verschenken es gerne! Meine Lektorin, Frau Kirsch, ist der Ansicht, dass gerade – wie sie sagt – mein humorvoller Blick von außen so erfrischend ist. Ich sehe anders auf die Insel, als wenn ich hier geboren wäre. Nichts desto trotz schwingt viel Heimatliebe mit. Frau Kirsch meinte nach der Lektüre: „Durch Ihr Buch möchte ich unbedingt nach Sylt. Obwohl ich noch nie dort war, habe ich das Gefühl irgendwie dazuzugehören.“

Welche Themen und Fragen interessiert die Sylt Gäste am stärksten? Und wie haben die Themen und Fragen sich im Laufe der letzten 20 Jahre verändert?

Darüber habe ich beim Schreiben nicht eine Sekunde nachgedacht, was die Leser interessiert. Ich erzähle jene Dinge, die ICH einfach total spannend, kurios und schräge finde. Und wenn der Leser meine Wellenlänge hat, dann hat er mit dem Buch verdammt viel Spaß.

Die erste Ausgabe der Gebrauchsanweisung für Sylt erschien 2010. Hat sich die Insel in den letzten Jahren wesentlich verändert?

Ich würde mir manchmal wünschen, dass sich grundlegend etwas ändert. Aber es ist immer dasselbe: Wir bauen weiterhin auf Teufel komm raus, die Verkehrsprobleme kriegen wir nicht in den Griff, und obwohl wir alle wissen, wie wichtig Natur und Naturschutz sind, werden Gastronomiebetriebe in sensiblen Bereichen gefördert und Kindergärten und Schulen geschlossen obwohl klar ist, dass damit die Entvölkerung der Insel beschleunigt wird.

Wie stark mussten Sie Ihr Buch für die 10.Ausgabe überarbeiten?

Es mussten Fakten aktualisiert werden, so haben wir ja keine 20  000 Einwohner mehr, sondern nur noch knapp 18  000 und ähnliches. Letztendlich habe ich aber in den letzten Jahren weiterhin Geschichten gesammelt und die schönsten sind im Buch gelandet.

●Silke von Bremen, Gebrauchsanweisung für Sylt – 14,99 Euro, 224 Seiten, Flexocover mit Klappen,ISBN: 978-3-492-27600-9

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