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Ildikó von Kürthy im Interview : „Ich liebe an Sylt das, was alle lieben“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy spricht über Dating-Regeln, ihre Insel-Liebe und was an ihr echt langweilig ist.

Frau von Kürthy, Sie werden am Freitag im Keitumer Friesensaal aus Ihrem Roman „Sternschanze“ lesen. Darin kommt Sylt ja auch am Rande vor: Ihre Heldin besucht die Insel, um sich hier mit ihrem Lover zu treffen, das Date läuft dann aber nicht so gut. Da frage ich mich natürlich – wie sind denn Ihre eigenen Sylt-Erfahrungen so?
Von Kürthy: Oh, ich habe auf Sylt eine ganz besonders wunderbare Erfahrung gemacht – ich habe dort geheiratet. Erst nur zu zweit im Standesamt in Westerland, und dann haben wir uns bei Traugott Giesen in St. Severin seinen Segen abgeholt. Außerdem war Sylt nach den Sommerurlauben mit meinen Eltern auf Borkum meine erste Ferieninsel. Borkum und Sylt – das sind meine inländischen Inselerfahrungen. Ich habe also eine sehr innige, sehr verliebte Beziehung zu Sylt und habe immer des Gefühl, mit jedem Atemzug, den ich dort mache, verlängert sich mein Leben um zehn Minuten.

Seit ihrem ersten Buch „Mondscheintarif“, der 1999 erschienen ist, sind ihre Protagonistinnen Roman für Roman ein wenig gealtert. Geht das so weiter - wird es also auch einen Ildiko-von-Kürthy-Roman geben, der im Altersheim spielt?
Das will ich hoffen! So habe ich es zumindest geplant - schreiben bis zur Kiste. Und ich hoffe auch, was bisher tatsächlich gelingt, dass meine Leserinnen gemeinsam mit mir älter werden. Die Probleme verändern sich im Laufe des Lebens ja auch: In „Sternschanze“ habe ich erstmals auch ernsthaftere Themen angesprochen. Denn ab 40 werden die Probleme einfach existenzieller: Man verliert die Eltern, man verliert Hoffnungen – im Fall meiner Protagonistin die Hoffnung auf ein eigenes Kind ...

Normalerweise werden Sie in die Kategorie „freche Frauenromane“ geschoben. Passt die angesichts der zunehmenden Ernsthaftigkeit überhaupt noch? Oder, anders gefragt, hat die aus Ihrer Sicht je gepasst?
Ach, Kategorien passen ja immer mehr oder weniger gut. Mir ist das gleich – Hauptsache, meine Romane stehen auffällig im Bücherregal. Außerdem kann man bekannterweise ja auch gleichzeitig frech und nachdenklich sein.

Die Botschaft von „Mondscheintarif“ war ja einst, dass sich Männer und Frauen nicht von vermeintlichen Dating-Regeln verrückt machen lassen sollen – also dass man nicht zwanghaft drei Tage warten muss, bis man den anderen anruft. Hat die Menschheit das in den vergangenen 15 Jahren gelernt?
Das Einzige, was sich geändert hat, ist, dass man jetzt immer erreichbar ist. Man muss nicht mehr, wie in „Mondscheintarif“, zu Hause sitzen und auf einen Anruf warten, während das Leben an einem vorbei rauscht. Es ist allerdings fragwürdig, ob das nun besser ist, weil man ja jetzt nicht nur überall erreichbar ist, sondern auch überall warten muss. Und meine Erfahrung mit Frauen in meinem Alter, die verliebt sind, die Affären oder Liebeskummer haben, ist, dass sich bei ihnen ganz wenig geändert hat: Da wird immer noch taktiert, interpretiert, dramatisiert. Das finde ich erstaunlich – und gleichzeitig irgendwie erfreulich. Ich glaube, da wird sich wahrscheinlich auch bis 80 nicht viel ändern. Da ist man als Omma noch bei WhatsApp und fragt sich: Verdammt, warum war der Typ das letzte Mal gestern online?

Das finde ich persönlich irgendwie deprimierend.
Warum? Ich finde das schön. Man kann erwachsen werden und sich streckenweise wie ein Teenager benehmen. Na und? Herrjee, ja, wir warten immer noch auf den Anruf des Geliebten. Ist das so schlimm? Ist es besser, kein Herzklopfen mehr zu haben? Nein. Nicht mehr zu warten, sondern stattdessen irgendwas Sinnnvolles zu tun, das ist schlimm!

Vor kurzem haben Sie den Betreibern einer Online-Dating-Plattform ein Interview gegeben. Ist Ihnen Online-Dating nicht zu unromantisch?
Wenn ich auf Partnersuche wäre, würde ich das sofort machen. Es ist doch auch nicht unromantischer, als sich an eine Bar zu stellen und jeder weiß warum. Außerdem habe ich so viele gute Erfahrungen über Online-Dating mitbekommen – ich glaube, es ist nur wichtig, dass man das virtuelle Kennenlernen schnell aus Unromantik befreit, und in die Realität holt. Ich habe neulich ein Paar auf einer Party kennengelernt und gefragt, wie sie sich kennengelernt haben. Da sagte sie: Ganz normal eben, übers Internet. Das hat ja zum Glück gar nichts Befremdliches mehr. Es ist außerdem eine wunderbare Plattform für die tollsten Geschichten: Ich schreibe gerade ein Theaterstück, in dem die Partnersuche im Internet eine große Rolle spielt – es gibt dort eine großartige Welt der Verwicklungen, die sich mir als Autorin eröffnet.

Wenn Sie gerade von Ihrem neuen Projekt erzählen – wie gut lässt sich eigentlich Schreiben, wenn man Mutter zweier kleiner Kinder ist?
Sehr gut. Ich lebe aber auch in einer sehr privilegierten Situation: Mein Mann arbeitet ja auch als freier Journalist. Kaum jemand kann es sich leisten, sich seine Zeit so frei einzuteilen, wie wir. Das ist ein großer Luxus.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch mal auf Sylt zurück kommen. Haben Sie persönliche Lieblingsorte auf der Insel?Ich bin so uninteressant, was Sylter Lieblingspunkte angeht, dass es mir schon fast peinlich ist. Ich kenne keinen Geheimtipp. Ich liebe genau das, was sowieso in jedem Reiseführer steht: Die Keitumer Kirche und die Sansibar. Sie sehen, ich bin immer da, wo alle rumhängen. Ich bin generell nicht so der Typ für Geheimtipps – ich mache das, was alle anderen machen. Wenn irgendwas „in“ ist, mache ich das auch. Nicht als Erste natürlich. Als letzte. Ich habe den perfekten Massengeschmack. Was ich lese, höre, wähle, wohin in ich in den Urlaub fahre, ist immer mehrheitstauglich. Das Schöne daran ist vielleicht, dass deshalb so viele Menschen meine Bücher lesen.

Ildiko von Kürthy liest gemeinsam mit Jörg Thadeusz aus ihrem Roman „Sternschanze“ am Freitag, dem 22. August, um 20 Uhr im Kulturhaus Sylt, Friesensaal Keitum, Am Tipkenhoog 14a. Karten sind in der Westerländer Badebuchhandlung, bei allen Sylter Vorverkaufsstellen des ISTS sowie unter www.kulturhaus-sylt.de erhältlich.
 

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erstellt am 20.Aug.2014 | 09:56 Uhr

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