Sylt hat gewählt : „Ich hätte gerne im Vorfeld mehr erfahren“

Sylter Erstwählerin: Sophie aus Westerland hat gestern das erste Mal die entscheidenden Kreuze gemacht.

Sylter Erstwählerin: Sophie aus Westerland hat gestern das erste Mal die entscheidenden Kreuze gemacht.

Sophie aus Westerland war gestern eine von 780 Sylter Erstwählern. Vom Wahlkampf der Parteien ist die 16-Jährige enttäuscht.

shz.de von
07. Mai 2018, 10:22 Uhr

Gestern war ein besonderer Tag für viele junge Sylter: 780 Erstwähler durften das erste Mal ihr Kreuz machen, darunter 287 Minderjährige zwischen 16 und 18 Jahren. Eine davon: Sophie aus Westerland. Die 16-Jährige besucht die elfte Klasse des Sylter Gymnasiums und hat gestern zum ersten Mal ihre Stimme abgegeben. „Soll ich die Zettel falten oder besser nicht?“, fragte sie noch etwas unsicher die Wahlhelfer, als sie aus der Kabine kam. Doch alles in allem wirkte sie sehr souverän – auch, wenn die erste Wahl für sie schon etwas Außergewöhnliches sei, wie sie gegenüber der Sylter Rundschau sagte.

Damit sich die Schüler des Sylter Schulzentrums eine eigene politische Meinung bilden konnten, sei die Wahl auch Thema im Unterricht gewesen, berichtet Sophie. „Anhand eines Zeitungsartikels haben wir eine Tabelle mit den Parteien und dem, wofür sie stehen, angefertigt.“ Dann hätten die Schüler überlegt, wie sie zu diesen Themen stehen und Übereinstimmungen angekreuzt – mit einem für Sophie überraschenden Ergebnis: „Mit der Partei, die bei mir herauskam, hatte ich absolut nicht gerechnet“, sagt die Erstwählerin lachend.

Ihre politische Einstellung habe die Unterrichtsstunde jedoch nicht beeinflusst, vielmehr sei für sie ihre Familie politisch prägend. „Wir haben zuhause immer wieder über die Wahl gesprochen, das hat mir bei meiner Entscheidung geholfen.“ Generell seien aber viele unterschiedliche Meinungen hilfreich, ihre eigene zu festigen, glaubt Sophie. Mit Sylter Kommunalpolitikern habe sie sich im Vorfeld der Wahl aber nicht ausgetauscht. „Ich habe natürlich die vielen Plakate wahrgenommen“, erzählt sie. Einige der Namen und Gesichter kannte sie aus der Zeitung, die meisten waren ihr aber unbekannt. „Ich kenne eher die Politiker auf Bundesebene. Über die erfährt man in den Medien einfach mehr“, sagt die 16-Jährige.

Was sie sich in einem künftigen Wahlkampf wünschen würde? Ausführlichere Gespräche mit den Parteien. „Ich hätte gerne schon jetzt im Vorfeld mehr erfahren, nicht nur im Wahlkampf“, sagt sie. Denn da lerne sie zwar, was die Parteien alles verändern wollen – sie wisse allerdings nicht, wie sie diese Ziele genau umsetzen wollen. „Toll wären dafür ein paar offizielle Termine – ähnlich einer Messe – wo alle Parteien an Ständen gleichzeitig ihre Wahlprogramme vorstellen“, sagt sie. „Denn das ist alles gar nicht so einfach im Internet herauszufinden“. Ebenfalls hilfreich gerade für die jungen Wähler wäre eine kurze Tabelle, vielleicht sogar als App, in der steht, wofür die Parteien stehen, was sie machen wollen und wie sie ihre Ziele umsetzen wollen. „Damit man sich nicht auch noch 24 Seiten Wahlprogramm durchlesen muss.“

Dass die insularen Kommunalpolitiker nicht hauptberuflich sondern ehrenamtlich tätig sind, stört sie nicht. „Ich denke, sie sind durchaus in der Lage, Entscheidungen für uns zu treffen“, sagt die 16-Jährige. Zudem betont sie, dass es vielleicht gar nicht schlecht sei, nicht ausschließlich Politiker, sondern auch berufstätig zu sein, denn „vielleicht bleiben sie dann auch ein bisschen näher an den Problemen und Wünschen der Bürger dran“. Auch, dass manche Kommunalpolitiker fünf Mal so alt sind wie sie selbst, macht Sophie nichts aus. Denn ob ein Politiker jung oder alt sei, würde noch nicht aussagen, ob er ein guter oder ein schlechter Politiker wäre.

Sophie selbst kann sich nicht vorstellen, politisch aktiv zu werden. „Dazu braucht man ein paar spezielle Charakterzüge“, sagt sie. Man müsse sich zum Beispiel gerne interviewen lassen, Diskussionen mögen, immer wieder Leute für sich gewinnen und seine Ziele auch umsetzen können. „Ich interessiere mich zwar für Politik, aber dass ich Politikerin werde, habe ich für mich abgeschrieben.“

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