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Reaktionen auf Hörnums Einwohnerversammlung : "Ich dachte, die Hörnumer sind schlauer"

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nachdem die Hörnumer Bürger gegen die Flüchtlingsunterbringung im JAW-Heim gestimmt haben, sind die Reaktionen auf der Insel gespalten.

Wo und wie sollen Flüchtlinge künftig auf Sylt leben? Nachdem Bürger der Gemeinde Hörnum am Dienstag auf einer Einwohnerversammlung dagegen gestimmt haben, dass bis zu 80 Flüchtlinge im Hörnumer JAW-Heim untergebracht werden können, nimmt die Diskussion über die Flüchtlingsunterbringung auf Sylt wieder neue Fahrt auf. Über 400 zusätzliche Flüchtlinge sollen nach Kenntnis des Ordnungsamts in diesem Jahr noch auf die Insel kommen.

Wenningstedts Bürgermeisterin Katrin Fifeik zeigt sich empört über Nikolas Häckel. Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt und Leitende Verwaltungsbeamte würde sich zu sehr in politische Entscheidungen der amtsangehörigen Gemeinden einmischen. Häckel hatte sich von der Hörnumer Entscheidung, nur 36 Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, enttäuscht gezeigt und angedeutet, dass die Insel nun Flüchtlinge eventuell in Turnhallen unterbringen müsse. „Das ist eine Frechheit“, findet Fifeik. Sie habe die Verwaltung seit Monaten wiederholt darauf hingewiesen, dass es möglich wäre, kurzfristig mobile Holzhäuser zu bestellen. Dieser Vorschlag werde aber „vollständig ignoriert“, dabei könnten die mobilen Häuser später „einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt werden, zum Beispiel zur Unterbringung von Saisonkräften oder Auszubildenden“.

Kampens Bürgermeisterin Stefanie Böhm sagt, ihr falle es schwer, über die Hörnumer Entscheidung zu „richten“ – schließlich habe Kampen selbst keine Möglichkeit, Flüchtlinge unterzubringen. „Hörnum hat nun zugesagt, dass sie 36 Flüchtlinge aufnehmen können. Das ist für so einen kleinen Ort doch auch eine gute Zahl.“ Generell müsse man jetzt schauen, welche weiteren Lösungen es gibt: „Das Ordnungsamt hat bisher immer gute Wege gefunden und macht einen super Job.“

Lists Bürgermeister Ronald Benck sagt, er habe vollstes Verständnis für Hörnum – und bietet gleich eine Alternative zum JAW an: In einem Block der ehemaligen Marineversorgungsschule (MVS) könnten demnach 70 Asylsuchende einziehen, wenn der Platz in den anderen Inselorten nicht ausreiche. Das hätten Ordnungsamt und Inselbürgermeister Ende Februar auf einer Begehung am früheren Bundeswehrstandort entschieden, so Benck. Für „völlig unnötig“ halte er es, die Lister vorher danach zu fragen, ob sie damit einverstanden sind, dass in ihrem Inselort Flüchtlinge beherbergt werden. „Ich bitte Sie, wir reden hier von 70 Menschen, die bemerkt man doch kaum, wenn sie hier wohnen“, sagt er. Im Moment leben im Inselnorden rund zehn Asylsuchende in einzelnen Wohnungen.

Deutlich weniger gelassen als die Bürgermeister der amtsangehörigen Gemeinden reagieren die Vorsitzenden der drei stärksten Fraktionen der Gemeinde Sylt auf die Hörnumer Einwohnerversammlung. Wolfgang Jensen (CDU) ist „enttäuscht“ und findet: „So wie das gelaufen ist, ist es nicht in Ordnung.“ Schließlich sei die Sylter Selbstverwaltung im Glauben gelassen worden, die Gemeinde Hörnum fände die Nutzung des JAW in Ordnung. „Hätten wir früher gewusst, dass dem nicht so ist, hätten wir uns Arbeit und Kosten sparen können.“ Zwar habe die Gemeinde Sylt immer betont, nur mit dem Einverständnis des Inselsüdens Flüchtlinge im JAW unterzubringen. „Vielleicht aber müssen wir diese Freiwilligkeit jetzt noch mal genauer unter die Lupe nehmen“, deutet Jensen an. So oder so: Jetzt müsse schnellstmöglich geklärt werden, wie viele Flüchtlinge 2016 wirklich nach Sylt kommen und wie sie gesamtinsular untergebracht werden können.

Noch schärfer äußert sich Gerd Nielsen (SPD). Er sei „entsetzt und traurig“ über das Ergebnis der Einwohnerversammlung: „Ich hätte gedacht, dass die Hörnumer Bürger vielleicht ein bisschen schlauer sind als die Hörnumer Politik.“ Hörnums Bürgermeister Rolf Speth habe sein Einvernehmen doch bereits signalisiert – „und jetzt kommt diese Kehrtwende“. Dieses Verhalten werte er als „Unverschämtheit“. Auch, weil die Gemeinde Sylt schon rund 70  000 Euro in das JAW investiert hat. Ohnehin müssten die anderen Inselgemeinden nun auch einen Beitrag zur Flüchtlingsunterbringung leisten. Schließlich habe die Gemeinde Sylt sogar ihr Wohnungsbauprogramm für Insulaner zurück gestellt, um Flüchtlinge unterzubringen zu können. Die Idee von Bürgermeister Häckel, Flüchtlinge gegebenenfalls in Turnhallen unterzubringen, unterstütze er unter den gegebenen Umständen jedenfalls nicht: „Für mich ist das JAW nicht vom Tisch.“

Erik Kennel von der SWG ist dagegen der Ansicht, dass es keinen Sinn mache, die Unterbringung in Hörnum gegen den Willen der Bevölkerung zu erzwingen. Damit die Verteilung der Flüchtlinge auf der gesamten Insel künftig funktioniere, so Kennel, müsse man aus seiner Sicht an einer neuen Quotenregelung arbeiten: Bisher weist der Kreis Nordfriesland nicht einzelnen Inselgemeinden, sondern Sylt insgesamt eine bestimmte Zahl von Menschen zu. Kennel findet, es müsse darauf hingearbeitet werden, dass diese Quote auf die einzelnen Inselorte herunter gebrochen wird. Dann müssten auch Inselorte wie Wenningstedt und Kampen, in denen bisher gar keine Asylsuchenden leben, Flüchtlinge unterbringen.

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erstellt am 26.Mär.2016 | 05:05 Uhr

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