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Sylter Köpfe : „Ich bin in jeder Hinsicht glücklich“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Engagierter Sylter: Björn Christiansen ist Leiter des Bauhofs der Gemeinde Sylt, engagiert sich in Vereinen, bei der Feuerwehr und findet trotzdem noch Zeit für seine Familie.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2013 | 18:54 Uhr

Von der Terrasse des Neubaus fällt der Blick auf das alte Leben. Nur einen Steinwurf von seinem Elternhaus entfernt hat Björn Christiansen sich und seiner Familie im vergangenen Jahr ein Heim geschaffen. „Ein Glücksfall, dass das Grundstück meinen Eltern gehört – sonst wäre es uns wohl so wie vielen anderen Sylter gegangen“, sagt Björn Christiansen. Glück, das spielte in seinem Leben immer wieder eine Rolle. Ebenso wie anderes – Heimat etwa oder auch Dankbarkeit.

Der jüngste Sohn krabbelt die kleine Rutsche empor, Ehefrau Elke huscht mit dem Wäschekorb am Strandkorb vorbei, der die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres aufsaugt, und Björn Christiansen vermittelt die Aura eines Menschen, der trotz seines noch jungen Alters von 42 Jahren in sich ruht. „Ich bin“, sagt der Familienvater, „wirklich in jeder Hinsicht glücklich. Alles ist gut so, wie es ist.“

Drüben, auf dem Grundstück der Eltern, rauscht ein Dutzend hoch aufgeschossener Fichten im Wind. Damals, als Björn Christiansen noch Kind war, da erschienen sie ihm riesig und waren doch nicht höher als eine Hecke. Heute streben sie wohl 15 Meter hoch in den Himmel.

Behütet sei er aufgewachsen. Gemeinsam mit den anderen Kindern aus dem Dorf haben sie in den Gräben Stichlinge geangelt, im Watt gebadet und in Büschen Höhlen gebaut. „Den ganzen Tag sind wir rum gestromert.“ Dann, als man älter wurde, dehnten sich die Erkundungstouren mit dem Fahrrad aus. Zunächst bis nach Keitum, zur „Teestube“ ins Pastorat, später dann nach Westerland, das Nachtleben erkunden im „Thommy's“ oder im „Pesel“.

Nach dem Abitur und dem Wehrdienst in der Marineversorgungsschule List verließ der junge Sylter das vertraute Umfeld – allerdings nicht allein: Mit seiner späteren Ehefrau Elke, der er im Konfirmationsunterricht zum ersten Mal begegnet war, siedelte Christiansen nach Hannover über. Sie arbeitete dort als Krankenschwester, er absolvierte ein Studium für Bauingenieurswesen.

Danach strebte das Paar wieder gen Norden – Wedel nahe Hamburg wurde die neue Heimat, als Bauleiter einer großen Baufirma war Christiansen fortan viel an der Westküste unterwegs.
Geheiratet wurde im Jahr 2000, die Flitterwochen führten auf ein einsames Eiland. Die Fidschis im Südpazifik womöglich – oder aber die Komoren im Indischen Ozean? Björn Christiansen lacht: „Es ging nach Hallig Gröde, wo ich die Bauleitung für einen neuen Anleger hatte. Nun ja, meine Frau war nicht wirklich begeistert.“ Später Trost: Während manch andere Ehe, deren Hochzeitsreise in die Karibik führte, schon längst geschieden ist, schuf die Hallig ein festes Fundament für die Partnerschaft, aus der drei Söhne erwuchsen.

„Die Zeit außerhalb der Insel war wichtig und gut. Dennoch stand für mich schon immer fest, dass ich eines Tages ganz zurück kehren würde.“ Das war 2007 der Fall, als Björn Christiansen die Leitung des Westerländer Bauhofs übernahm. Wieder ein Glücksfall: „Ich würde keinen anderen Job machen wollen.“

Es blieb nicht bei dem beruflichen Engagement – nach und nach wurden dem Heimkehrer ehrenamtliche Posten angetragen. Heute ist Björn Christiansen Vorsteher des Deich- und Sielverbands, Jagdvorsteher, Gruppenführer in der Archsumer Feuerwehr und auch im Kirchenvorstand präsent. All das kostet Zeit, die Christiansen daheim manchmal fehlt, „obwohl ich ein absoluter Familienmensch bin“. Dennoch: „Ich halte es für wichtig, sich für die Gemeinschaft einzubringen. Und meine Generation ist jetzt nun mal am Ruder.“

Tief verwurzelt ist der Archsumer in seiner Heimat, auch wenn diese etwas fremd geworden ist. Früher, da kannte im Dorf jeder jeden. Heute ist die Mehrzahl der Häuser in fremdem Besitz, der sorgsam abgeschirmt wird. „Als ich Kind war, konnte man noch kreuz und quer über die Grundstücke laufen. Heute siehst du nur überall noch Hecken und Wälle mit dichtem Bewuchs – die Leute wollen für sich sein und ihre Ruhe haben.“

Doch dann ist da auch Vertrautes geblieben. Wie damals er durchstreift heute der älteste Sohn Bjarne mit seinen Kumpels die Gegend und der Familienvater will das weiter geben, was er einst selbst erfahren hat: „Ich möchte, dass meine Kinder behütet aufwachsen.“ Björn Christiansen nippt an der Kaffeetasse und blickt hinauf in das tiefe Blau des wolkenlosen Himmels. „Ich bin zufrieden und dankbar“, sagt er. „Das gleiche Glück wünsche ich meinen Kindern.“




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