Bürgermeisterwahl auf Sylt : „Ich bin der politischste Kandidat“

Lars Schmidt sieht sich als den politischsten Kandidaten.
Lars Schmidt sieht sich als den politischsten Kandidaten.

Lars Schmidt ist einer von drei Syltern bei der Bürgermeisterwahl / Er zieht zwar eine düstere Bilanz für die Insel, blickt dennoch positiv in die Zukunft

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10. Dezember 2014, 06:00 Uhr

„Vielleicht“, sagt die Besucherin tröstend, während sie sich im leeren Saal des Westerländer Restaurants Luzifer umsieht, „vielleicht sind die Leute ja einfach Wahlkampf-gesättigt.“ Die Frau mittleren Alters, die lieber nicht will, dass ihr Name in der Zeitung steht, ist eine von fünf Besuchern, die zur letzten Wahlkampfveranstaltung des Sylters Lars Schmidt gekommen ist. Zwei der anderen Besucher sind Schmidts Eltern. Er selbst gibt sich von den leeren Stuhlreihen unbeeindruckt: „Ich bin überzeugt davon, dass ich meine Wähler erreicht habe.“ Mit der kleinen Gruppe, die heute dort ist, diskutiert er nun bei grünem Tee und Wasser seine Thesen.

Lars Schmidt, der Sylter Kaufmann, der sich schon in verschiedenen Parteien auf der Insel engagiert hat, sieht sich als den politischsten aller Bürgermeisterkandidaten. Er weiß, sollte er Bürgermeister der Gemeinde Sylt werden, muss er sich an die Gemeindeordnung halten, muss die Beschlüsse, die die Politik fällt umsetzten. Trotzdem, sagt Schmidt, könne er durch die Vorlagen, die die Verwaltung erarbeite, starken Einfluss nehmen. Und ohnehin sei der Bürgermeister direkt gewählt und damit vor allem den Bürgern verpflichtet. Die müssten wieder viel stärker in die politischen Entscheidungen eingebunden werden, auch per Bürgerentscheide. Vater Alfred Schmidt signalisiert Zustimmung: „ Auch das Volk hat Rechte, nicht nur so eine gewisse Klientel.“ Im Moment, findet er, würden auf Sylt zu viele Entscheidungen gefällt, ohne dass die Öffentlichkeit rechtzeitig informiert werde: „Zum Beispiel, dass die beiden Seniorenheime von der Gemeinde gekauft wurden.“ Das sei zwar nicht unbedingt eine falsche Entscheidung – man hätte sie aber offen kommunizieren müssen, bevor elf Millionen ausgegeben werden. Ein mehr oder minder ausgeprägtes Misstrauen gegen „die da oben“ und Frust darüber, dass Sylt nicht mehr so sozial sei, wie sie es in Erinnerung haben – diese Haltung eint zumindest an diesem Abend die Schmidt-Fans. „Lars Schmidt ist einer, der fürchtet sich nicht vor den Manipulatoren“, sagt ein Besucher mit Schirmmütze und Insel-Emblem, der seinen Namen nicht nennen will: „Bin ein Mensch wie alle anderen. Da ist der Name egal.“ Und unsere anonyme Besucherin vom Anfang, ist nach 30 Jahren auf der Insel nun der Ansicht, dass „das NF auf den Kennzeichen vor allem für das Wort Neidfaktor steht“. Sie wünscht sich einen Bürgermeister, der ein soziales Zusammenhaltsgefühl auf der Insel stärkt. Dass er das hinkriegen könnte, da ist sich Lars Schmidt sicher. Ohnehin sei er ein „gnadenloser Optimist“, auch wenn ihm das einige aufgrund seiner eher düsteren Bestandsaufnahme nicht abnehmen würden. Die besagt, verkürzt, dass die Insel sich immer weiter hin zu einem „Vergnügungspark“ entwickle, von dem nur wenige Prozent der Bevölkerung profitieren. Der Rest bleibe schnell auf der Strecke: „Mir geht es um dieses Gefühl, dass jetzt so mitschwingt, über das aber keiner sprechen mag: Das Gefühl, dass ich, wenn ich schwach werde, von der Insel gehen muss.“

Eine der Maßnahmen, mit der Schmidt gegen diesen Trend vorgehen möchte, ist eine Bürgerstiftung, durch die unter anderem bezahlbarer Wohnraum oder eine neue Geburtshilfe auf der Insel finanziert werden soll. Jeder, der „von der Insel profitiert“, soll einen Prozent seines Umsatzes freiwillig an die Bürgerstiftung zahlen, Hausbesitzer, die hier nicht dauerhaft wohnen, sollen sich ebenfalls einmalig mit einem Prozent ihres Immobilienwertes einbringen. Vielleicht würde all dies nur schrittweise funktionieren. Doch dass sich Menschen generell bereit erklären würden, (auch finanziell) stärker für Sylt zu engagieren – daran glaubt Schmidt. Einer müsse nur mit gutem Beispiel voran gehen, die anderen motivieren.

Dass er bei der Wahl am Sonntag einer der beiden Kandidaten sein könnte, der am 11. Januar in die Stichwahl kommt, das kann sich Schmidt recht gut vorstellen. Seine liebste „Gegnerin“ wäre Gabriele Pauli. Sie und Bernd Reinartz – die beiden hält Schmidt ohnehin für die einzigen anderen politischen Mitkandidaten in diesem Wahlkampf. „Aber keiner hat seine Positionen so klar gemacht wie ich.“

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