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Sylter Rundschau

22. August 2017 | 19:02 Uhr

Ice, Ice, Baby

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Strandstraße in Westerland, vergangenes Wochenende. Als mein Gehirn das Unabwendbare bereits wusste, habe ich es noch versucht - ich habe noch mit peinlichen Ruderbewegungen meiner Arme gegenan gesteuert, aber es war ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Mein Gleichgewichtssinn hatte sich klar von der Schwerkraft schlagen lassen. Krawumm, da lag ich also. Mitten auf dem Weg zum Taxistand.

Himmelhergott, war das glatt letztes Wochenende. Die Innenstadt Westerlands glich Samstag Nacht an vielen Stellen einer einzigen Eisfläche. Ich kam von der Unternehmer-Party im Congress Centrum Sylt, auf ca. 13 Zentimetern, mit durchgetanzten Füßen und, ja, auch ein wenig Alkohol im Blut. Und dann das. Den Weg von der Partylocation zum Classic Club (ein letzter Absacker muss schließlich sein, zumindest rede ich mir so was um 2 Uhr nachts unsinnigerweise gerne mal ein) habe ich noch prima gemeistert. Allerdings verständlicherweise in keiner rekordverdächtigen Zeit (20 Minuten). Ich bin auf meinen hohen Hacken storchengleich Schritt für Schritt voran stolziert. Sooo glatt war es. Aber, soweit so gut.

Blöd nur, wenn man all das schon eine Stunde später beim Verlassen des Classic Clubs vergessen hat. Als ich mich nach meinem Sturz fast selbstständig (an dieser Stelle danke ich den weißen Fahrradständern vor dem Hotel Stadt Hamburg) aufgerichtet habe und erhobenen Hauptes („hat sicher niemand gesehen“) Richtung Taxistand geschlittert bin, begrüßte mich die nette Taxifahrerin mit den Worten: „Steigen Sie schnell ein. Es ist superglatt“. Ach herrjeh, wirklich?!

Als ich warm und sicher saß, schossen mir vor Lachen die Tränen in die Augen. Ich hatte ein Déjà-vu: Taxi, Glatteis, Sturz. Vor einigen Jahren waren wir Anfang Januar mit einer großen Clique zum legendären Morsumer Feuerwehrball. Es war wie immer ein fantastischer Abend. Es wurde getanzt, gelacht, gefeiert, auch hier bis in die frühen Morgenstunden - bis zum Verlassen des Muasem Hüs. Während ein befreundetes Pärchen schon auf dem Weg aus der Tür hinter dem Gebäude Richtung Taxi war, waren wir noch bestimmt gut und gerne fünf Minuten mit Verabschiedungszeremonien zu Gange: „Ja, das war ein toller Abend. Ja, wir hören. Ja, wir nehmen jetzt auch ein Taxi“. Schon bevor wir um die Ecke des Hauses bogen, hörten wir ein lautes Gespräch unserer Freunde. Nein, es war kein Gespräch, es klang wie ein Streit. Dabei waren sie doch gerade noch so fröhlich.

Wir bogen um die Ecke und hörten unseren Freund rufen. „Carsten, Miri! Bleibt, wo ihr seid. Es ist sauglatt hier. Eine pure Eisfläche“. Wir bleiben abrupt stehen und hakten uns automatisch sicherheitssuchend ein. Ich sah unseren Freund geklammert an die Hintertür des Taxis. Der Fahrer selbst klammerte sich an die Beifahrertür. „Wo ist deine Frau?“, rief ich unserem Freund zu? „Ich bin hier!!! Schatz, könntest du mir jetzt endlich hier raus helfen!!??“, hörte ich zwar ihre wütende Stimme, sehen konnte man sie dennoch nicht. Dann die aufklärenden Worte ihres Mannes: „Sie liegt UNTER dem Taxi. Sie ist bei dem Glatteis darunter gerutscht und wir haben keinen Halt, um sie rauszuziehen.“

Bitte stellen Sie sich das mal bildlich vor. Schlussendlich haben wir zu viert versucht, sie zu befreien. Mit Erfolg. Und heute können wir über die Story gemeinsam lachen.

Vielleicht sollte ich im Winter auf Sylt neben Lippenstift, Geld und Schlüssel noch ein wenig Platz für Streusalz in meiner Handtasche lassen.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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