Hörnum auf Sylt : Hunderettung in letzter Minute

Sven Rurup wagte sich auf einem Katamaran, bewaffnet mit Schaufel und Stange, aufs Eis.
Sven Rurup wagte sich auf einem Katamaran, bewaffnet mit Schaufel und Stange, aufs Eis.

Hundedame Koshi brach im Hörnumer Hafen ins Eis ein. Ihr Retter machte sich mit einem Katamaran, Schaufel und Stange aufs Eis, um den Hund zu Retten.

shz.de von
02. März 2018, 13:37 Uhr

Sabine Varga steigen die Tränen in die Augen, wenn sie sich an den vergangenen Donnerstag erinnert: Die Hundebesitzerin war gerade mit ihren vier Shar-Peis am Hörnumer Hafen spazieren, als es passierte. „Wir wollten Richtung Strand laufen als plötzlich eine Möwe unseren Weg kreuzte“, erinnert sie sich. Alles ging ganz schnell und Koshi, ihre auf den Tag genau siebenjährige Shar-Pei-Dame, sprang übermütig dem Vogel hinterher – direkt in das dünn mit Eis und Schnee bedeckte Hörnumer Hafenbecken. „Ehe wir uns versahen war sie auch schon im Eis eingebrochen“, sagt Verga.

Zur selben Zeit war Sven Rurup, neuer Inhaber des Crêpe-Stands am Hörnumer Hafen, mit Umbauarbeiten in seiner Bude beschäftigt. „Ich hörte eine Frau schreien und bin losgerannt um zu gucken, was passiert ist“, erzählt er. Aufgelöst machte ihn Sabine Varga auf den Hund im Wasser aufmerksam und Rurup lief ums Hafenbecken um nach Hilfe zu suchen. Er fand schließlich einen Katamaran vom Sylter Catamaran Club und wagte sich, bewaffnet mit einer Schaufel und einer Stange und mit Hilfe von einigen Freiwilligen und der Hörnumer Feuerwehr vorsichtig aufs Eis. Nach etwa 30 Minuten in der Kälte konnte Rurup die Hundedame auf den Katamaran hieven und sie - nachdem er mit einem Seil zurück zum Hafen gezogen wurde - der überglücklichen Besitzerin übergeben. „Es war wirklich kurz vor Schluss. Wäre Sven nicht gewesen, wäre Koshi gestorben“, sagt die Hundebesitzerin aus Mettmann in Nordrhein-Westfalen. Fast ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit für den Sylter Gastronom, für den sein Einsatz „völlig selbstverständlich“ war.

Moment der Rettung: Sven Rurup zieht die Shar-Pei-Dame aus dem Wasser.
Moment der Rettung: Sven Rurup zieht die Shar-Pei-Dame aus dem Wasser.
Hundedame Koshi hatte am Tag ihrer Rettung Geburtstag und ist sieben Jahre alt geworden.
Hundedame Koshi hatte am Tag ihrer Rettung Geburtstag und ist sieben Jahre alt geworden.

Mit dem Hund fuhr Sabine Varga direkt zu Tierärztin Stephanie Petersen nach Wenningstedt-Braderup, die bei dem Tier nur noch 33,6 Grad Körpertemperatur messen konnte. „Sie meinte, der Hund wäre mit so einer Temperatur eigentlich klinisch tot“, sagt Varga. Aber Koshi, die am Tag der Rettung Geburtstag hatte, habe ein starkes Herz und sei zäh und gesund, wie ihre Besitzerin betont. Nach zehn Minuten sei sie wieder schwanzwedelnd durch die Praxis gelaufen. Zur riesigen Freude von Sabine Varga, die Shar-Peis züchtet und auch Koshi auf die Welt gebracht hat. „Die ganze Geschichte geht mir so nah, auch noch einen Tag danach“, sagt sie immer wieder.

Die Hundedame erholte sich weiter schnell und einen Tag nach dem Unfall war sie wieder ganz die alte: „Am Donnerstagabend hatte sie wieder Normaltemperatur und am Freitag hat sie sich auch schon wieder für die Hasen interessiert.“

Die Hörnumer und die Westerländern Feuerwehr waren vor Ort. Auch die Polizei rückte an.
Die Hörnumer und die Westerländern Feuerwehr waren vor Ort. Auch die Polizei rückte an.
 
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