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Erlebnisbericht von Mensch und Tier : Hunde-Parcours: Würstchen, Tricks und Pipi-Pause

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Redakteurin Julia Nieß nahm mit Hund Cora beim Vorbereitungstraining für den Sylter Hundstage-Cup teil.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2016 | 05:33 Uhr

Gestern endeten die Wenningstedter Hundstage mit dem Hundstage-Cup, bei dem Hund und Herrchen auf einem aus mehreren Stationen bestehenden Parcours zeigen, was sie können. Slalom um Hütchen laufen, den Hund durch eine gelbe Röhre locken und ihn über Hindernisse springen lassen: Sylter Rundschau Kollegin Julia Nieß und Hund Cora haben an einem Vorbereitungstraining auf den Cup teilgenommen und berichten jeweils aus ihrer Sicht von der Veranstaltung.

Hund Cora: Was mache ich hier eigentlich? Komische Veranstaltung, zu der mich das Freizeit-Frauchen hier hingeschleppt hat. Eigentlich ziehe ich sie doch sonst nur am Strand hinter mir her, da ist sie immer ganz locker. Und jetzt guckt sie mich auf einmal ganz vorwurfsvoll an, macht einen auf autoritär, hält einen Finger in die Luft und ruft: „Sitz“. Ich glaub’, es hackt. Und warte mal lieber noch ein bisschen ab, bis ich dem Befehl folge. Sie soll erstmal das Würstchen aus ihrer Tasche holen, die ich längst erschnuppert habe. Ich hab nämlich das Gefühl, dass es heute für mich leicht wird, so richtig satt zu werden.

Julia Nieß: „Sitz“ sage ich laut und gucke von oben in die fragenden Augen meines ausgeliehenen Hundes. Cora reagiert nicht. „Sitz“ wiederhole ich - diesmal mit erhobenem Zeigefinger - und greife langsam in meine Jackentasche, um ein Stück Würstchen zu greifen. Der Geruch von kleingehäxeltem Fleisch im Naturdarm scheint zu wirken: Als sei es das selbstverständlichste der Welt, setzt sich der Hund augenblicklich vor mich hin und bekommt das Würstchen. Ich habe in diesem Moment nicht das erste Mal an diesem Abend das leise Gefühl, dass nicht ich den Hund überlistet habe, sondern der Hund mich.

Es ist Donnerstagabend und Cora und ich stehen durch eine Leine verbunden auf der Wiese des Gebrauchshundesportvereins (GHSV) in Keitum. Um mich herum sind viele andere Hundebesitzer - alle scheinen ihre Vierbeiner gut im Griff zu haben. Nur meiner macht erstmal völlig unbeeindruckt Pipi auf den Rasen. „Das kostet jetzt aber“, ruft mir Sandra Brandt, ehrenamtliche Hundetrainerin beim GHSV, lachend zu. Alle Blicke richten sich auf mich. Da ich das erste Mal hier bin, komm ich um den Pipi-Euro, den die Mitglieder des GHSV normalerweise zahlen müssen, wenn ihr Hund auf den Rasen macht, gerade noch rum. Um das unangenehme Gefühl leider nicht.

Ich möchte an diesem Abend an einem Vorbereitungskurs für den Hundstage-Cup teilnehmen. Zweimal im Jahr findet die Veranstaltungsreihe für Hunde und Herrchen auf der Insel statt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Warum das so ist, möchte ich am eigenen Leib herausfinden. Den Hund kenne ich gut und gehe seit drei Jahren mit ihm spazieren – oder vielleicht besser gesagt: er mit mir. Heute soll sich aber in Sachen Autorität etwas ändern. Mit dem besten Argument bewaffnet, einer ganzen Tüte voll Würstchen, geht es auf den Parcours.

Der Slalom um die roten Hütchen scheint Cora Spaß zu machen. Sogar ohne Fehler kommen wir bis ans Ende der Reihe. Ich empfinde das als großen Vertrauensbeweis und sehe uns schon leinenlos in den Sonnenuntergang tanzen. Doch das nächste Hindernis hat es in sich, ich nenne es die „Röhre des Grauens“. Mit einem Hundetrainer an meiner Seite versuche ich, Cora durch den Schlauch zu locken. Immer mehr rosa Würstchen-Enden landen so in dem Schlauch, Cora läuft rein, frisst, und läuft rückwärts wieder raus. Nach einer gefühlten Ewigkeit scheint es „klick“ gemacht zu haben - und sie läuft auf einmal völlig unbeeindruckt durch die Röhre. Als sie die Vorderpfoten auf den Rasen setzt, wird sie von mir begrüßt wie die deutsche Nationalmannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Ich beginne, richtig stolz auf diesen Hund zu werden.

Freizeit-Frauchen legt sich hier ja richtig ins Zeug! Um das zu würdigen, laufe ich einfach mal genau so um die roten Hütchen, wie sie es sich wünscht. Vor dem gelben Schlauch verspüre ich dieses leichte Hungergefühl - ich sollte jetzt alles auf eine Karte setzen: Je länger ich mich anstelle, desto besser die Ausbeute. Ein Kollege, ich glaub er ist Cockerspaniel, gibt mir zu verstehen, dass ich ihr doch endlich den Gefallen tun soll. Damit das Elend endlich vorbei ist, laufe ich schließlich durch diese alberne Röhre. Ich meine sogar Tränen des Glücks in ihren Augen zu sehen - so stolz ist sie auf mich.

Dass es für viele Hunde absolut selbstverständlich ist, den Parkour mit Bravour zu meistern, zeigt Hündin Biene von Roselies Schneider. Die kleine Mischlings-Dame hat bereits über 13 Jahre auf dem Buckel, gewann aber im vergangenen Jahr noch den Hundstage-Cup. „Ich zwinge sie zu nichts“, sagt ihr Frauchen, „wir machen alles, solange Biene daran Spaß hat.“ Von den Hundstagen, an denen die beiden bereits drei Mal teilgenommen haben, gefällt dem Frauchen vor allem das Programm, das „so toll ist für Hunde und Menschen“. Vielleicht sollte der Spaßfaktor ja auch mein Ansatz sein? Die letzten Stationen, über niedrige Stangen springen, schaffen wir jedenfalls mit Leichtigkeit und als wir am Ende des Parcours ankommen, sind wir beide außer Atem. Ich muss jetzt erstmal etwas essen, der Hund, so scheint mir jedenfalls, ist satt.

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